Die ehrgeizige Irmina reist Mitte der 1930er Jahre nach London, um eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin zu beginnen. Dort lernt sie Howard aus der Karibik kennen, dem sie sich im Streben nach einem selbstbestimmten Leben verbunden fühlt. Durch den klugen und zielstrebigen Oxfordstudenten beginnt Irmina ihren Blick auf die Welt zu öffnen. Doch findet ihre Beziehung ein jähes Ende, als Irmina, bedrängt durch die politische Situation, nach Berlin zurückkehrt. Im nationalsozialistischen Deutschland steht sie vor der Möglichkeit, den erstrebten Wohlstand endlich zu erlangen, wenn sie dafür die verbrecherische Ideologie des Regimes nicht infrage stellt. Und die politischen Ereignisse eskalieren weiter und weiter…
Mit "Irmina" legt Barbara Yelin ihr Glanzstück vor: ein packendes Drama um die Entscheidung zwischen persönlicher Freiheit und dem Drang nach gesellschaftlichem Aufstieg. Basierend auf einer wahren Geschichte, erzählt sie in atmosphärisch dichten Bildern einen Werdegang voller Brüche, der aber auch exemplarisch für die Mitschuld durch Wegsehen und Vorteilsnahme vieler im Nationalsozialismus stehen kann.
Mit einem Nachwort von Dr. Alexander Korb.
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Die Geschichte aus der Sicht der Täter
Bewertung aus Zofingen am 02.04.2019
Bewertungsnummer: 1159201
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Über dem zweiten Weltkrieg wurde viel geschrieben, vor allem aus den Sicht der Gewinner (man möchte schon gar nicht wissen, was in den sozialistischen Sovjet Verbrecherstaaten alles aufs Schrift gestellt wurde). Natürlich wurde auch in Deutschland viel drüber geredet im Rückblick, aber meistens war das, meiner Hinsicht nach, vor allem aus einem sich selber peitschenden Standpunkt. Gut da gab es die Tagebücher von Gabriele von Armin und Traudl Junge, aber wie das Alles nun wirklich im sozialistischen Alltag geschah und aussah bei dem Mann mit der Schnauzer und seine Volksgenossen und -genossinen, da brauchte man sich vor allem auf seinen Informationen und seinen eigenen Vorstellungen zu verlassen. Und denken Sie nicht, ‘Ach das sei doch achtzig Jahre her’. Vor zwei Jahren wurde in Hamburg während den G20 Ausschreitungen grade noch ‘Zurück nach China vor 1976...!' geschrien.
--> Kriminalität und Dummheit lassen sich einfach nicht verbieten.
Gut erzählte Lebensgeschichte über einer Frau, die als Neunzehnjährige alleine in den Dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Grossbritannien abreist um in London eine Englische Ausbildung zu machen und dabei sich und ihre Lebensvorstellungen verliert in den Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegsjahren. Historisch zwar nicht detailliert, obwohl der ‘Eintopf mit dem Führer’ nicht fehlt, aber ein nicht oft gehörte Deutsche Stimme einer Generation, die das Wirren alles selber miterlebt hat. Von Barbara Yelin, die Enkelin der Hauptfigurine, gut geschrieben und liebevoll gezeichnete Romane über ihrer Grossmutter.
Eine überwältigende Geschichte einer faszinierenden Frau
Pan Tau Books - Ein Buchblog am 01.08.2017
Bewertungsnummer: 1037841
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Graphic Novel Irmina ist mir das erste Mal auf einem anderen Buchblog begegnet und hat meine Aufmerksamkeit erregt, weil sie als Lesehighlight bezeichnet wurde. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte einer deutschen jungen Frau zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, hat sofort mein Interesse geweckt. Umso mehr freue ich mich, dass mich Irminas Geschichte genauso sehr begeistern konnte und ihre Geschichte nicht nur einzigartig, sondern auch tief berührend ist.
Irmina ist eine starke junge Frau, denn sie weiß, was sie in ihrem Leben erreichen möchte. Für ihre Träume und Ziele blendet sie die steigende Bedrohung, die von ihrem Heimatland Deutschland für die restliche Welt ausgeht, weitestgehend aus. Mich hat Irminas Figur sehr beeindruckt. Ihr Mut und ihre Furchtlosigkeit allein in England zu bleiben, ist bewundernswert, obwohl sie mehr und mehr als Deutsche für die Geschehnisse in ihrer Heimat zur Rede gestellt und von der englischen Gesellschaft dazu gezwungen wird, die Machenschaften der Nazis zu rechtfertigen. Die politischen Verhältnisse in Deutschland interessieren Irmina im fernen England aber eher weniger. Erst als sie Howard kennenlernt, erfährt sie, was Rassismus wirklich bedeutet. Mehr und mehr werden ihr die Ungerechtigkeiten gegen Minderheiten, die auch in Deutschland Fahrt aufnehmen, bewusst. Besonders schön fand ich zu sehen, wie Irmina für Howard und dessen Rechte in der Gesellschaft eintritt und die Diskriminierung ihm gegenüber verabscheut.
Die zarte Liebe, die Irmina und Howard füreinander empfinden, als sie gemeinsam in England sind, ist für den Leser sehr berührend. Als Irmina zurück nach Deutschland muss und es ihr nicht möglich ist zu Howard zurückzukehren, entwickelt sich die Geschichte mit Beginn des Krieges zu einem Drama. Mich haben vor allem Irminas Erlebnisse in den Kriegsjahren sehr mitgenommen, denn obwohl sie die Judenverfolgung in Berlin mit eigenen Augen sieht, will sie nicht das Unrecht daran erkennen. Im zweiten Teil des Graphic Novels kann man Irminas Beweggründe für ihre Entscheidung deshalb nicht mehr gut nachvollziehen, trotzdem ist man so nah an ihrer Figur und an ihrem Leben, dass man es mit angehaltenem Atem verfolgt und auf ein Happy End hofft.
Die Geschichte hat mich aufgewühlt und hat mich traurig gemacht, aber mir gleichzeitig auch Hoffnung gegeben. Hoffnung darauf, dass das Leben zwar kurz ist, aber nie so endgültig ist, wie es oft scheint.
Der Krieg, und damit das düsterste Kapitel in der deutschen Geschichte, spricht aus nahezu jedem Panel des Graphic Novels. Barbara Yelin ist es gelungen, in einem einzigartigen Zeichenstil und einer überwiegend dunklen Farbgebung, eine melancholische Atmosphäre zu schaffen, die den Erzählton der Geschichte sehr schön untermalt. Da die Panels nicht viel Text beinhalten, hatte ich den Graphic Novel sehr schnell gelesen, umso länger habe ich aber gebraucht, um die Geschichte um Irmina zu verarbeiten.
Fazit & Bewertung
Barbara Yelin hat sich bei der Aufbereitung der Geschichte ihrer Großmutter meiner Meinung nach übertroffen! Irminas dramatisches Leben ist packend und aufwühlend, lässt Fragen offen und lässt den Leser vor allen Dingen lange nicht los. Eine überwältigende Geschichte einer faszinierenden Frau, ein grandioser Zeichenstil, eine wunderbare Graphic Novel!
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