Erinnerungen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Identität, der jedoch einem permanenten Wandel unterworfen ist. So manches gewinnt mit der Zeit an Farbe und Kontur, während anderes verblasst oder ganz verschwindet. Dinge, die wir negativ abgespeichert haben, verlieren manchmal mit der Zeit ihren schlechten Beigeschmack, andere Erlebnisse hingegen werden in der Retrospektive verklärt. Teilweise können wir uns auch ganz genau an Erlebnisse, Fakten, Personen oder Geschichten erinnern, anderes aber haben wir komplett vergessen. Doris Tropper erklärt in ihrem Buch, wie Erinnerungen abgespeichert werden, was es wert ist, erinnert zu werden, und in welchem Zusammenhang Erinnern und Vergessen stehen. Sie erklärt außerdem, wie wir unsere ganz persönlichen Mindmaps entwerfen, um so bewusst zu steuern, was wir erinnern. Außerdem gibt sie eine konkrete Anleitung zur persönlichen Biografiearbeit, also wie wir unser Erinnerungsarchiv optimieren. Eine Vielzahl von Beispielen, Checklisten und Übungsaufgaben machen dieses Buch darüber hinaus zu einem wertvollen Ratgeber, wie man Erinnerungen sinnvoll bewahrt.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Dr_ M
aus Sachsen
3/5
05.04.2019
eBook (ePUB)
"Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich so vieles anders machen." Wirklich?
Wenn Menschen sich darüber im Klaren sind, dass sie bald sterben werden, es keine Umkehr mehr geben wird, dann herrscht Gewissheit wie nie zuvor im Leben. Man kann nichts mehr ändern, eine Zukunft gibt es nicht. Alles ist bestimmt, und damit ist auch alles einfach.
Wenn die Ungewissheit jedoch unser Leben noch beherrscht, wenn vermeintliche Zwänge uns herumstoßen, dann fällt es uns schwer, den einfachen Wahrheiten zu folgen, die sich auch in diesem Buch finden. Wir müssten unser Leben nämlich in den meisten Fällen grundlegend ändern. Und genau an diesem Punkt schlägt die Ungewissheit hart zu. Sie macht uns Angst, und alles wird wahrscheinlich so bleiben wie es ist.
Leider kommt die Autorin gar nicht bis an diese bittere, aber realistische Weggabelung vieler Leben. Vielleicht war das auch nicht ihre Absicht. Sie begleitet Menschen beim Sterben und berichtet darüber. Wenn sie das beschreibt, berührt das Buch. Manche der geschilderten Schicksale sind ergreifend. Man fühlt sich getroffen und muss vielleicht an sein eigenes Ende denken. Die häufige Konfrontation mit dem Tod verändert Menschen. Man wird bewusster leben, wenn man das Ende immer wieder sieht.
Doch die meisten Menschen kennen diese ständige Ermahnung nicht. Und das ist auch gut so. Mit der Drohung zu leben, alles könnte bald zu Ende sein, macht das Dasein nicht freudvoller.
Am Ende des Buches formuliert Frau Tropper zehn Botschaften, die ihr Sterbende angeblich verraten haben. Abgesehen davon, dass ich den Eindruck hatte, diese Botschaften sind eher Schlussfolgerungen der Autorin aus dem Erlebten und weniger Ratschläge derer, die sie beim Sterben begleitete, kann man natürlich nur schwer etwas gegen diese Art von Anweisungen sagen.
Doch beim näheren Hinsehen oder gar beim Ausprobieren, erscheinen sie oft als unerreichbar, obwohl sie es nicht sind. Aber dazu gehört eine Grundhaltung, die völlig im Widerspruch zu unserer Alltagskultur steht. Will man also alle Gebote der Autorin umsetzen, dann setzt man sich einem großen Gegendruck aus, den kaum einer aushalten wird. Eine Hilfestellung dabei wird man in diesem Buch nicht finden.
"Genieße den Tag, als gäbe es kein Morgen." Das ist die erste Botschaft. Sie enthält eine versteckte Frage. Was nämlich heißt "genießen"? Und bedeutet der fehlende Morgen nun, dass man keine Verantwortung mehr besitzt? Und stellt man sich nicht ins moralische Aus, wenn man so handelt? Wie soll man den Tag genießen, wenn man Druck hat und nicht weiß, wie man seine Arbeit schaffen soll? Fragen über Fragen, die man in dieser Weise bei allen zehn Geboten dieses Buches stellen kann.
Ganz so einfach, wie sich das Frau Tropper mit diesen Ratschlägen macht, ist es dann wohl doch nicht. Denn wenn man sie im Detail hinterfragt, stößt man schnell an Grenzen. Mir ist schon klar, was die Autorin uns mit auf den Weg geben möchte. Und ich verstehe diese Ratschläge sehr wohl, denn sie sind nichts weiter als uralte Konzepte, die man auch in den alten asiatischen Schriften, versteckt in der Bibel und auch bei vielen modernen Weisheitslehrern findet.
Doch gerade da, wo es interessant wird, nämlich bei der täglichen Umsetzung, hört die Autorin auf und bleibt auf dem Niveau pädagogischer Kalendersprüche stehen.
Was von diesem Buch bei mir haften geblieben ist, sind die Schicksale, die es schildert. Das erschien mir als die starke Seite dieses Textes. Mehr davon und weniger nachgereichte Auswertungen hätten das Buch viel stärker gemacht.
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