Er ist ein Weggeher, sie eine Zuhausebleiberin, und trotzdem sind sie Freunde: Während einer Klassenfahrt an die polnische Ostsee im Spätsommer 1989 nimmt die Geschichte zwischen Gesa und Tom, dem Gitarristen der Schulband, ihren Anfang, später trennen sich die Wege der beiden und kreuzen sich doch immer wieder. Tom konzentriert sich auf seine Musikerkarriere und reist mit seiner Band um die Welt. Gesa bleibt in Flensburg, gründet eine Familie und ist da, wenn ihr alter Freund zu Besuch kommt. Ihr Gästezimmer im Gartenhaus wird Toms Ankerpunkt, dort hören die beiden zusammen Musik und teilen die alte Nähe. Zwischen Toms seltenen Besuchen sind die Postkarten, die er Gesa von unterwegs schreibt, ihre einzige Verbindung.
Eines Tages steht für Toms Band ein wichtiger Auftritt bevor, der den musikalischen Durchbruch bedeuten könnte. Doch es kommt anders als geplant, und die Freundschaft zwischen Tom und Gesa wird auf eine harte Probe gestellt.
Mit großem Einfühlungsvermögen und viel Spannung zwischen den Zeilen entwickelt Jan Christophersen die Geschichte zweier Menschen, die eigentlich Seelenverwandte sind, aber doch nie ganz zueinanderfinden. Gekonnt fängt der Autor das Schwanken zwischen Nähe und Distanz ein; er erzählt von genutzten und ungenutzten Möglichkeiten, von den Grenzen, die zu einer Persönlichkeit gehören, und davon, wie schwer es ist, füreinander da zu sein, ohne den anderen zu verletzen.
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Auf einer Klassenreise nach…
vielleser18 aus Hessen am 13.03.2014
Bewertungsnummer: 2706458
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf einer Klassenreise nach Polen 1989 kommen sich Gesa, 17, und Tom, 15 1/2, das erste Mal näher. Sie kennen sich zwar schon einige Jahre durch die Eltern, aber so richtig bewußt nehmen sie sich erst jetzt war. Tom spielt Gitarre in der Schulband und schon früh entwickelt er seine eigene Art zu spielen, Gesa versteht ihn sofort, versteht, was er mit seiner Musik ausdrücken will. Das Buch "Echo" erzählt sprunghaft, in drei Episoden, wie in Momentaufnahmen, die aber so viel ausdrücken können, die etwas andere Beziehung von Gesa und Tom. Die Geschichte wird aus Gesa´s Sicht erzählt, Tom kommt mit vielen kurzen Randnotizen auf seinen Postkarten, die er an Gesa schreibt, zu Wort. 1989,1999 und 2004, das sind die wichtigsten Meilensteine ihrer Freundschaft, einer Freundschaft, die über das übliche hinausgeht. Eine Geschichte, die von einer Seelenverwandschaft, einer tiefen Verbundenheit und einem ausgeprägten Verständnis zueinander berichtet. Gesa ist die "Zuhausebleiberin", die Tom aber auch immer wieder Zuflucht, ein zu Hause, bietet. Tom ist der "Weggeher", der ruhelose, suchende Musiker, der aber nur räumlich weggeht, der sich innerlich verschließt und nur über seine Musik seine Gefühle offen legen kann. Und der nur durch Gesa verstanden und durchschaut wird. Jan Christophersen gelingt es in einem Buch mit leisen Worten, eine Dramaturgie aufzubauen, die den Leser schon nach wenigen Seiten gefangen nimmt. Es ist die Liebe zur Musik, die das ganze Buch durchströmt, und die tiefe Freundschaft der Hauptprotagonisten, die das Buch zu etwas ganz besonderm machen. Das Buch lässt sich flüssig lesen, es besticht durch die Rückblenden und durch die Erzählweise der Hauptprotagonistin, durch die Postkarten-Grüße von Tom und durch die melancholische Grundstimmung. Es ist trotz allem kein leichtes, kein seichtes Buch, es ist ein Buch, das unter die Haut geht, dass, wenn man die Buchdeckel schließt, einen nachdenklich zurück lässt. Ein Buch, dass einem viel Stoff zum Nachdenken gibt.
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