In seinem neuen Buch führt uns Aravind Adiga, der mit dem Booker Prize ausgezeichnete Autor des Weltbestsellers «Der weiße Tiger», in einer siebentägigen Tour durch die Stadt Kittur. Wie in Adigas preisgekröntem Roman wird auch hier mit Witz und Furor, Mitgefühl und Humor, Mut und Leidenschaft von einer Welt der unbarmherzigen Gegensätze und des unbeugsamen überlebenswillens erzählt, die uns faszinierend fremd und doch unheimlich vertraut ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Natalie Gies
aus Münster
5/5
03.10.2009
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der zweite Streich des Aravind Adiga
Die erzählerischen Elemente des neusten (und doch tatsächlich eher entstandenen) Werks Adigas erinnern stark an Daniel Kehlmanns "Ruhm". Mühelos gelingt es dem in Chennai geborenen Journalisten und Autor, seinen Figuren Leben einzuhauchen und ihre Biografien nach und nach subtil miteinander zu verweben. Somit entstehen zwei Ebenen, wobei es dem Leser freigestellt ist, den Anekdoten Informationen zu entnehmen oder zwischen den Zeilen zu lesen. Ein ausgefeilte Beobachtungsgabe und das Talent (vermeintlich) wertfrei zu schreiben, sprechen in jedem Fall für den Autor.
So bleibt auch die wahre Bedeutung des Titels so manchem verschlossen.
Während anfangs von den in den im Buch stattfindenden Morden als Namensgeber spekuliert wurde, ist doch tatsächlich das Intervall der Morde an den ehemaligen Premiers Indira und Rajiv Ghandi gemeint, in welchem alle Kurzgeschichten spielen.
Die fiktive Stadt "Kittur" als Schauplatz dient hierbei lediglich als Metapher für Gesamtindien.
sabatayn76
aus Deutschland
4/5
29.05.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bettler, Betel und Brahmanen oder Die Ermordung von Indira und Rajiv Gandhi
Inhalt:
Anhand der fiktiven Stadt Kittur erzählt Aravind Adiga vom Leben in Indien, von Traditionen, von den Zwängen und dem Durchbrechen des Kastensystems, von Vorurteilen, vom Konflikt zwischen Hindus und Muslims. Stellvertretend für den ganzen Subkontinent lässt er seine Protagonisten zu Wort kommen, die der Leser in manchmal kürzeren, manchmal längeren Episoden begleitet.
Mein Eindruck:
'Zwischen den Attentaten' liest sich bisweilen wie ein Reiseführer: Adiga gibt Empfehlungen, welche Orte der interessierte Reisende in Kittur aufsuchen sollte, und vermittelt Informationen zur Verteilung der Kasten und Religionen in der Stadt.
Die Schilderungen der Schicksale einzelner Bewohner Kitturs, deren gemeinsamer Nenner die Stadt selbst ist, verdichten sich zu einem umfassenden und komplexen Bild des indischen Subkontinents.
Mein Resümee:
Wer 'Der weiße Tiger' bereits kennt, wird 'Zwischen den Attentaten' vielleicht etwas redundant finden. Ich zumindest habe den Eindruck gehabt, dass der Autor bisweilen ähnliche Gedanken wieder aufgreift und sich dabei selbst wiederholt. Der 'Aufhänger' ist zwar ein anderer, doch inhaltlich bietet 'Zwischen den Attentaten' im Vergleich zu Adigas Erstling wenig Neues. Nichtsdestotrotz liest sich der Roman flüssig und unterhaltsam und gibt einen spannenden Einblick in eine Welt, in der die Fehler der Reichen auf den Rücken der Armen ausgetragen werden, und wo die Fehler der Armen bisweilen katastrophale und erschütternde Konsequenzen nach sich ziehen.
Meine Empfehlungen:
'Der weiße Tiger' von Adiga und 'Kein Gott in Sicht' von Altaf Tyrewala.
Andreas Wetekam
aus Münster (Poertgen-Herder)
4/5
10.08.2009
Buch (Gebundene Ausgabe)
Offen und tiefgründig
Der Titel ist in diesem Fall ziemlich irreführend, findet sich doch im Inhalt nichts wieder, was man mit so einem Titel assoziieren könnte und ein Krimi oder Thriller ist es nun wahrlich auch nicht.
Dennoch bekommt man sehr feine Kost vorgesetzt. In den späten 1980er Jahren angesiedelt, bringt uns Aravind Adiga in die indische Kleinstadt Kittur und schildert uns an verschieden langen Episoden die Probleme und Unwägbarkeiten einer indischen Stadt und der indischen Gesellschaft. Er tut dies ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und führt uns durch verschiedenste Kasten und Religionen, von ganz Unten bis ziemlich weit Oben. Obwohl die einzelnen Episoden keinen gemeinsamen roten Faden haben und auch am Ende nicht zu einem inhaltlichen Ganzen zusammen laufen, verbleibt beim Leser ein befriedigendes Gefühl, der Roman ist auf jeden Fall rund und sprachlich beeindruckend gestaltet. Am Ende bekommt man eine Chronik zu lesen, an der man die einzelnen Ereignisse aus der Realität nachlesen kann, die den Charakteren des Buches immer wieder als Angelpunkt dienen und durchscheinen lassen, dass es eben doch nicht nur eine Geschichte ist.
Die Lektüre hat mir viel Freude bereitet und wer zum Beispiel einen tieferen Einblick in den indischen Subkontinent erhalten möchte, dem sei dieser Roman wärmstens ans Herz gelegt.
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