Es ist Samstagabend und Jola sitzt bei einem sehr bekannten Moderator auf seiner noch bekannteren Couch. Allerdings befindet sich der Moderator im Studio und die einsame Heldin zu Hause in ihrer Wohnung. An diesem Abend beschließt Jola, ihr bis dato tragisches und unfreiwillig komisches Leben zu ändern und endlich die große Liebe zu finden. Sie loggt sich bei einer virtuellen Partnersuche ein, und kurz darauf hat sie es mit Geschäftsmännern in tiefer gelegten Geländewagen, schwerreichen, aber extrem gestörten Narzisten und verwirrten Lebemännern zu tun. Wer und was wirklich im Leben zählt, das erkennt sie erst, als es schon fast zu spät ist ...
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Phil Humor
5/5
17.12.2013
Buch (Taschenbuch)
Lesefluss und Lesespaß ungedrosselt - mit Jola Drossel
Rezept für Tollpatschigkeit: Man nehme eine Person, die
1. aus Höflichkeit nicht Nein sagt,
2. perfekt oder annähernd perfekt sein möchte, aber
3. ständig über ihre eigenen Schwächen stolpert, weil sie diese in ihrem Geist aufbauscht bis auf Stolpergröße,
4. versucht, andere zumindest im Geiste mies dastehen zu lassen, als Turnübung gedacht, um sich im Geiste über sie hinaufschwingen zu können,
5. den Blick schnurstracks gen Zukunft richtet und in der Jetzt-Zeit auf die Schnauze fällt.
Jola Drossel erfüllt diese Vorgaben perfekt, sie tollpatscht durch ihr Leben und das ihrer Freunde. Dabei hat sie geistige Wendigkeit, ist schlagfertig. Zumindest, wenn man ihr eine kleine Bedenkzeit einräumt - so ist es vielleicht naheliegend, dass sie sich im Internet erst mal wie zu Hause fühlt. Beim Internetflirt kann man einen Moment sich bedenken. Doch wehe, das Spontane ist gefordert. Dann mengen sich mehrere Chaosfaktoren hinzu. Kann Jola die eines Tages bändigen? Für den Leser ist das sehr amüsant. Fühlt man sich schuldig? Mag der Autor seine Protagonistin so durch die Zeilen sich hangeln lassen? Hat man Verantwortung als Autor - sollen ja schließlich Sympathieträger sein. Oder doch nicht? Lebt man da sein Alter Ego aus? Extrem-Varianten? Um glaubwürdigen Antagonisten zu bekommen, muss man sich schon des eigenen Maliziösen bedienen; schau an, es ist doch zu was nutze. :-)
Hat Jola beim Internetflirten etwas gelernt - außer dass Virtuelles an der Realität zerfällt wie Seifenschaum, zerplatzt wie Seifenblasen? Überhaupt ist Jola intensiv mit Ausrutschen beschäftigt auf dem Dating-Parkett - scheint, als ob es eigens für sie mit Schmierseife behandelt wurde.
Sie bedarf der Tröstung. Ihre Freunde sind für sie da; allerdings, je mehr sie sich Zeit nimmt fürs Internet, um so loser werden die realen Freundschaftsbande. Hat Verlockendes, Craving-Faktor, macht süchtig: Bei ihrer Internet-Daterei wird sie mit Interesse überhäuft, Männer schreiben ihr Nettigkeiten, üben sich eigens für sie im Wortwitz, hangeln sich von Infofetzen zu Mutmaßungen - jeder ist unsicher, ob der andere ehrlich ist.
Was die Sache für Jola erschwert: Sie ist auf der Suche nach einem Lebenspartner, was sich da aber so rumtreibt, sind an One-Night-Stand interessierte Männer. Hat Jola das Stehvermögen, ihrem ursprünglichen Plan treu zu bleiben? Das Flatterhafte kommt ihr als Lebensdevise in den Sinn - geht aber dank ihrer Tollpatschigkeit in die Hose. Hat auch was Gutes: Kehrtwendung, sich umschauen, was einem wirklich etwas bedeutet im realen Leben. Diese Frage führt sie konsequent in die Arme von jemand Unerwartetem.
Schreibstil: Im Präsens erzählt, mit Gedanken kommentiert Jola ihr Leben, braucht eventuell den Abstand, den ihr dieses Kommentieren verschafft. Andererseits taucht sie ab in die Tiefen ihres Assoziations-Meeres, hat dort ihre eigene Welt. Wie Arielle, die Meerjungfrau, ist sie dort Prinzessin, ist dort in ihrem Element. Bezieht von dort Kraft, um im Land der Realität fest mit beiden Beinen stehen zu können ... auch wenn ihre Tollpatschigkeit sie bei günstiger Gelegenheit per Bodycheck umhaut.
Amüsantes Buch; Lesefluss und Lesespaß ungedrosselt - mit Jola Drossel.
LG
Phil Humor
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