Der Afrika-Roman, der die moderne afrikanische Literatur begründete und die Weltliteratur prägte - endlich in neuer Übersetzung!
Chinua Achebe erzählt von Verrat und Rache, von Leidenschaften, die keine Ruhe finden, und von Sehnsüchten, die keine Zukunft haben. Okonkwo, stark und jähzornig, stösst sich an den strengen Stammesregeln und zerbricht an dem Regime der britischen Kolonialherren.
In seinem Meisterwerk beschreibt Achebe den Konflikt einer archaischen Kultur in einer Sprache, die rituell-sprichwörtlich, dokumentarisch und elementar poetisch ist: Mit diesem Roman erhielt der Kontinent eine Stimme.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Bern
5/5
14.07.2021
eBook (ePUB)
Toller Roman, erstaunlich wenig angestaubt.
Es ist so erhellend, die nigerianische Geschichte (kurz bevor und gleich nachdem die Missionare beim Stamm auftauchten) von einem Nigerianer erzählt zu bekommen. Der Roman ist toll geschrieben, er beginnt im Tempo und in der Schwere einer Sage, eines Märchens, voller Poesie und schöner Sätze. Gegen den zweiten und dritten Teil nimmt das Geschriebene an Tempo zu, genau wie der Verlauf der Geschichte. Die Handlung tritt in den Vordergrund. Die einzelnen Figuren kommen uns nahe, das ist sehr wichtig. Wir, die Leserinnen und Leser, verstehen die Leute vom Igbo-Stamm, verstehen, warum sie etwas tun und etwas lassen. Chinua Achebe versteht es, uns dieses traurige Kapitel Geschichte nahe zu bringen.
Bewertung
Book Circle Community
5/5
06.12.2023
Buch (Taschenbuch)
Intensiv und kraftvoll: ein starkes Stück Literatur.
Chinua Achebe’s Werk “Alles zerfällt” ist mir als Book Club Empfehlung im Internet begegnet. Der Titel hörte sich interessant an. Auch die Thematik hatte etwas Erfrischendes, denn ich habe noch kein Buch vom schwarzen Kontinent gelesen. Achebes “Alles zerfällt” wird heute als Grundstein der afrikanischen Literatur gehandelt. Der Roman wurde 1958 das erste Mal veröffentlicht. Chinua Achebe ist Nigerianer, sein Name wurzelt in der Sprache der im Buch beschriebenen Igbos und bedeutet übersetzt: “Gott kämpft zu meinen Gunsten”. 2002 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Viel wichtiger als das ist jedoch, dass Achebes Erzählstil sich nicht nach den gängigen, europäischen Literaturkonventionen entwickelt hat, sondern aus seiner eigenen Herkunft zehrt. Wer Achebe liest, bemerkt alsdann, dass die gegebenenfalls als distanziert empfundene Erzählkunst im Grunde alles andere als Distanz in sich birgt. Achebe’s Werk ist intensiv und kraftvoll, frei von jeglichen Plattitüden.
Die Geschichte
Wir befinden uns um 1890 im Stammesgebiet der Igbo in Nigeria. Hier wird Okonkwo geboren und wächst zu einem gefürchteten Krieger heran, dessen Antrieb zum Aufstieg zu den ranghöchsten Stammesmitgliedern darin gründet, die Schwächen seines Vaters von sich zu weisen, der sein Leben lang lieber trank und sich dem Musizieren widmete. Okonkwo verliert dadurch das Gefühl für eine gesunde Balance und entwickelt einen herrischen, scheinbar gefühlsarmen Charakter und nicht zuletzt einen übersteigerten Sinn für Männlichkeit. Er schlägt seine drei Ehefrauen, ist autoritär. Seine Gefühle versteckt Okonkwo, ist brüsk und abweisend, jähzornig. Die Angst vor Schwäche ist Okonkwo’s Lebensantrieb, gewährt ihm gepaart mit seiner fleissigen Ader aber auch die Erlangung mehrerer Ehrentitel innerhalb des Clans. Eigentlich läuft alles nach Okonkwos Willen. Sein Ziel, Ranghöchster des Stammes zu werden, rückt in greifbare Nähe. Doch dann tötet er aus Versehen einen anderen Dorfbewohner. Gemäss Sitte werden er und seine ganze Familie für sieben Jahre verbannt und müssen diese sieben Jahre im Heimatdorf seiner Mutter verbringen. Währenddessen treten Veränderungen grossen Ausmasses ein, Missionare bemächtigen sich des Landes, weisse Regierungen werden gebildet, Eingeborene bekehrt, die Kolonisation hält Einzug. Für Okonkwo, den stolzen Krieger, eröffnet sich damit der Anfang vom Ende. Alles wofür er kämpft und woran er glaubt, kollidiert mit dieser neuen Welt von fremden Werten. Anpassung ist Okonkwo fremd, Scheitern keine Option. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.
Meinung
Die Geschichte beinhaltet genau genommen zwei Themen: die Lebensgeschichte von Okonkwo und die Geschichte der Kolonisierung der Igbo. Letztere wird in diesem Buch aus Sicht der Igbo erzählt. Und das ist das eigentliche Highlight dieses Buches, da bis anhin ausschliesslich literarische Werke von Nichtafrikanern verfasst wurden. Achebe hat 1958 mit “Alles zerfällt” diese Lanze gebrochen. Eine völlig intakte, wenn auch uns fremde Welt, wird von aussen penetriert bzw. zerstört. Man liest und erlebt die Tragödie eines Volkes, das man bevormundet, dem man keine Wahl lässt. Als Leser erlebe ich hautnah den religiösen Fanatismus des missionierenden Christentums und schüttele dabei fortwährend den Kopf. Ich habe mich dabei auch oft fremd geschämt für diese Weissen, die sich in Nigeria aufspielen und annektieren, wie es ihnen gefällt. Achebe schreibt darüber, ohne zu werten, beschreibt lediglich die Sichtweise seiner Protagonisten, den Igbo, allen voran natürlich Okonkwos. Dieser agiert schon beinahe als Antiheld in diesem Werk, fällt es dem Leser doch schwer sich mit Okonkwo anzufreunden, aufgrund seiner offensichtlichen menschlichen Defizite. Und dennoch: ich erlebte Okonkwo als tragische Figur, für die ich bald Mitgefühl entwickelte. Er hatte schon als Kind keine Chance, musste sich selbst “erziehen”, weil der Vater früh starb und auch sonst nicht immer das beste Vorbild sein konnte aufgrund seiner Trunksucht und seiner Lethargie. Mich hat vor allem Achebes Erzählkunst beeindruckt. Was als mehr oder weniger “simpel” geschrieben daher kommt, erweist sich als komplex und intensiv, vor allem gegen Ende der Geschichte, wenn die Kolonisierung einsetzt. Was der Leser erst als relativ ruhige Erzählung empfindet, nimmt immer mehr an Fahrt auf, wird zunehmend tragisch und schmerzvoll. Sehr interessant fand ich den Ausflug in die Kultur und das Rechtssystem der Igbo, die Achebe mit “Alles zerfällt” noch einmal aufleben lässt. Das Buch ist gespickt mit Igbo-Ausdrücken, die in einer Legende am Ende des Buches aufgelistet sind und viel über den Sprachgebrauch und Sitten verraten.
Fazit
“Alles zerfällt” ist ein Stück Weltliteratur, das man sicherlich auch unter “sollte man mal gelesen haben” einordnen kann. Für mich war es ein sehr intensives, verstörendes Porträt über die Kolonisierung Afrikas (Nigeria), das vielleicht gerade aufgrund der relativ ruhigen und deskriptiven Form der Erzählkunst grossen Nachhall erzeugt. Zu Ende der Lektüre erfasst den Leser die geballte Wucht dieses Romans. Ein Werk, das dem von der Kolonialherrschaft gebeutelten Afrika eine Stimme verleiht und aufrüttelt.
PMelittaM
aus Köln
5/5
04.10.2019
Buch (Taschenbuch)
Von innen betrachtete afrikanische Kultur und ihre Zerstörung durch den "weißen Mann"
Nigeria, Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert: Okonkwo gehört dem Stamm der Igbo an, sein Vater war ein Taugenichts, aber er hat es geschafft aus eigener Kraft zu etwas zu bringen und sich einen guten Status im Dorf zu sichern. Als christliche Missionare im Dorf eintreffen, ändert das das Leben des ganzen Stammes für immer.
Chinua Achebe, selbst Nigerianer, veröffentlichte diesen Roman bereits 1958. In einem sehr interessanten Vorwort erfährt man einiges über den Autor und den (zunächst geplanten) Roman, der letztlich in die Afrika-Trilogie mündete, „Alles zerfällt“ ist der erste Band dieserTrilogie und erzählt das Leben eines afrikanischen Stammes „von innen“, Anmerkungen im Anhang vertiefen manches.
Der Roman lässt sich sehr gut lesen, wird aber manchen erschüttern. Nicht immer wird deutlich, warum der Stamm dieses oder jenes tut, und für unser eigenes Verständnis wirkt vieles fremd und „barbarisch“. Hier hilft aber der Blick von innen, den der Autor einnimmt, der eben nicht wertet, und so sollte man es auch als Leser halten, und den Kontext der Zeit und des Ortes berücksichtigen. Dabei hilft, dass viele verschiedene Lebenslagen erzählt werden. Der Eingriff des „weißen Mannes“ in die Kultur ist heftig, wenn auch zunächst schleichend, aber nach und nach wird sie komplett zerstört, die Würdenträger des Dorfes gedemütigt, die Jugend verliert die bisherigen Werte – die Veränderung, die der Stamm durchmacht, ist gravierend. Nicht nur Okonkwo zerbricht daran.
Der Roman ist gut geeignet, das urtümliche Afrika aus Sicht der Afrikaner kennen zu lernen. Es zeigt auch die Zerstörung einer Kultur durch eine andere auf, die sich für höher entwickelt hält und es daher nicht für nötig hält, sich erst einmal mit ihr auseinanderzusetzen – ein Roman, den man gelesen haben sollte.
Bewertung
aus Ludwigshafen
5/5
26.03.2019
Buch (Taschenbuch)
ALLES ZERFÄLLT - CHINUA ACHEBE
ALLES ZERFÄLLT – CHINUA ACHEBE
Wer Afrika verstehen will, sollte dieses Buch lesen! Es ist für mich ein Lesehighlight
Mit Mythen und Märchen, viel Humor aber auch traurig
Alles zerfällt
Chinua Achebe , Uda Strätling , Chimamanda Ngozi Adichie
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 27.11.2014
ISBN 9783596905744
Genre: Romane
Inhaltsangabe zu "Alles zerfällt" (übernommen)
Chinua Achebes erschuf mit seinem Roman die literarische Stimme Afrikas. In ›Alles zerfällt‹ erzählt er von den Konflikten eines archaisch lebenden Dorfes, das mit Kolonialherren konfrontiert wird. Es geht um Verrat und Rache, um Leidenschaften, die keine Ruhe finden, und Sehnsüchte, die keine Zukunft haben. Okonkwo, der starke und jähzornige Held, stößt sich an den strengen Stammesregeln und zerbricht an dem Regime der britischen Herren aus Übersee. »Da war ein Autor mit dem Namen Chinua Achebe, in dessen Gesellschaft die Gefängnismauern einstürzten.« Nelson Mandela über Chinua Achebe
Meine Meinung:
1890 In der vorkolonialen Zeit lebte im Südosten von Nigeria in dem Igbo-Dorf Umoufia = Menschen des Waldes, Okonkwo. Er arbeitet hart, bis es nicht mehr ging und konnte sich dadurch 3 Frauen und 4 Hütten leisten. Er war sehr stark und hatte sogar die Katze (den bis dahin stärksten Mann) besiegt. Er hatte als Kind immer darunter gelitten, dass sein Vater Unoka faul und bequem war. Er hatte überall Schulden und wenn er mal zu Geld kam, kaufte er eine Kallebasse mit Palmwein, lud Freunde ein, feierte und machte Musik. Dann war er der glücklichste Mann, nur seine Frau und Kinder hungerten. Okonkwo hatte sich geschworen, dass er so nie werden wolle. Er hatte es sogar zu Ansehen gebracht und gehörte zu den Egwugwu/Maskenträgern. Er war sehr geachtet und aber auch sehr jähzornig. Seine größte Angst war, dass er Schwäche zeigen könne. Okonkwo schlug sehr oft seine Frauen und Kinder, besonders sein Sohn Nwoye hatte darunter zu leiden, denn er kam in seinen Augen auf den Großvater und zeigte oft Schwäche. Nur seine Tochter Ezinma mochte er und er dachte sehr oft, wenn sie doch ein Junge wäre.
Erst als das Opferkind Ikemefuma aus dem Dorf Mbaino Okonkwo als Pflegekind aufnimmt, wird sein Verhältnis zu Nwoye besser. Ikemefuma freundet sich mit Nwoye an, der dadurch selbstbewusster wird. Es komm so weit, dass Ikemefuma Vater zu Okonkwo sagt.
Doch eines Tages, so verlangt es die Göttin, muss Ikemefuma getötet werden. Okonkwo will keine Schwäche zeigen und tötet ihn, obwohl er es nicht durfte. Damit geht es mit Okonkwo so langsam bergab. Bei einer Beerdigung löst sich ein Schuss aus seiner Pistole und Okonkwo muss für 7 Jahre das Dorf verlassen. Er zieht ins Mutterland in das Dorf Mbanta, in dem er sehr herzlich aufgenommen wird und in dem viele Verwandte wohnen. Nicht umsonst sagt man: „Wir bitten nicht um mehr Geld, sondern um mehr Verwandte. Wir sind deshalb besser als Tiere, weil wir Verwandte haben. Ein Tier reibt sich die juckende Flanke an einem Baum, ein Mann bittet seinen Verwandten, ihn zu kratzen.“ S. 181
Nach 7 Jahren kehrt er nach Umoufia ins Vaterland zurück. Doch Okonkwo muss feststellen, dass nichts mehr ist wie vorher, denn die Männer sind verweichlicht, zeigen Schawäche, und die Kolonisation durch die Missionare hat begonnen. Sogar sein Sohn Nwoye ist zu dem neuen Glauben übergetreten. Obieika, ein Freund von Okonkwo sagte zu ihm: „ Unsere eigenen Männer und Söhne laufen zu den Fremden über. Sie wenden sich ihrem Glauben zu, und sie helfen ihre Regierung aufrechtzuerhalten…………Der weiße Mann ist listenreich. Er kam ruhig und in Frieden mit seinem Glauben. Wir haben über seine Dummheit gelacht und ihm gestattet, zu bleiben. Jetzt hat er unsere Brüder für sich gewonnen, und der Klan kann nicht mehr geschlossen handeln. Er hat ein Messer auf die Dinge gelegt, die uns zusammenhielten, und wir sind zerfallen.“ S. 192
Chinua Achebe hat einen sehr bildgewaltigen poetischen Roman geschrieben, der voller Mythen, Märchen und Sprichwörtern steckt. Auch der Humor kommt nicht zu kurz und auch die Traurigkeit fehlt nicht. Mich hat dieses Buch von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und ich bin restlos begeistert. Dieser Roman ist erstmals 1958 erschienen und ist der erste Band der Afrika-Trilogie.
Chinua Achebe wurde 1930 in Ogidi im Osten Nigerias als Sohn eines Katechisten aus dem Stamm der Igbo geboren. Er studierte am University College von Ibadan und lebt seither als Professor an nigerianischen, englischen und amerikanischen Universitäten. 1958 erschien sein erster Roman „Things Fall Apart“, heute das meistgelesene Buch eines afrikanischen Autors. 2002 wurde Achebe für sein politisches Engagement mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, 2007 erhielt er den Man Booker International Prize. Chinua Achebe starb 2013 in Boston.
Fazit:
Wer Afrika verstehen will, sollte diesen ganz wunderbaren Roman unbedingt lesen. Denn gerade die Vergangenheit gehört mit zu der Geschichte Afrikas. Da es der erste Band, aber in sich abgeschlossen, der Afrika-Trilogie ist, werden die beiden andere Romane „Heimkehr in ein fremdes Land“ und „Der Pfeil Gottes“ noch folgen.
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5/5
27.08.2026
Buch (Taschenbuch)
,,Er hat ein Messer auf die Dinge gelegt, die uns zusammenhielten und wir sind zerfallen"
In Chinua Achebe's erstem Teil aus der ,,Alles zerfällt" Triologie, versetzen wir uns in einen nigerianischen Mann Namens Okonkwo. Durch seine Geschichte werden die Bräuche, Gläube und Tradtionen der Vorkolonialzeit des Igbo-Stammes revitalisiert, sowie aber auch die Besiedlung seines Dorfes durch europäische Kolonialmächte.
Ein bewegender Roman über verlorene Kultur des Igbo Stammes und dem Einfluss des Christentums auf Nigeria, welcher mich von der ersten Seite in seinen Bann gezogen hat.
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