Zitat
"Aus einem einzigen fulminanten, weder durch Punkt noch Absatz unterbrochenen Monolog entsteht das Psychogramm eines Mannes in einer schweren Krise. ...
Bayer lässt das Bewusstsein seines Helden in Mäandern strömen, visuelle Eindrücke aufnehmen und in assoziativer Verknüpfung Brücken zu Erinnertem und Imaginiertem schlagen. Kurz: Ein vielschichtiger, sprachlich und formal anspruchsvoller Text voller literarischer Anspielungen von Joyce bis Kafka, der trotz eines Minimums an äußerlicher Handlung (ein Mann verpasst seinen Anschlussflug) die Spannung bis zum rasanten Ende hält und bei dem auch absurde Komik nicht zu kurz kommt."
[Quelle: Markus Hildebrand, Die Furche] "Der Rhythmus des wuchernden Satzes
Xaver Bayer - Flughäfen: Orte, an denen einen das Gefühl befällt, man bewege sich in einem vakuumierten Raum ohne Zeit (dem Gefühl ist die Physik nämlich wurscht). Man ist nicht ganz weg und nicht ganz dort, wo man hin will. Man gibt mehr Geld in Duty Free Shops aus als notwendig (für japanischen Whiskey) und trinkt mehr Starbucks-Kaffee (oder japanischen Whiskey), als einem gut tut. Und bald lenkt einen nichts mehr ab, und man kann sich nur noch mit den eigenen Gedanken selbst beschäftigen. Könnte man die mit einem Diktiergerät aufnehmen - wir wären ob unserer eigenen Banalität wohl ziemlich ernüchtert.
Wiederholungen "Wenn es einem gelingt, eine lange Zeit bewusste und reflektierende Selbstbeobachtung zu betreiben, merkt man erst, aus wie vielen Wiederholungen so ein Tag, so ein Leben besteht", meint der Wiener Autor Xaver Bayer. Der hat ein Buch über einen Flughafenwarten den geschrieben, das "Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen" heißt und gänzlich durchzogen ist von Gedankengängen. Die Idee, eine Erzählung in einem einzigen Satz zu schreiben, hatte der Hermann-Lenz-Preisträger schon vor Jahren. Das Ziel: der Rhythmus. Und der ist so eingängig, dass einem beim Lesen dieses wuchernden Satzes nie die Luft ausgeht. Gelernt hat Bayer bei dieser Selbstbeobachtung: "Dass so etwas wie Verstand oder Intellekt oder logisches Denken, nur' ein anderes Wort ist für die menschliche Fähigkeit, Gefühle in Handlungen oder Entscheidungen umzusetzen. Insofern denke ich, es ist wirklich so, dass alles Gefühl ist."
Klingt nach geistiger Kraftanstrengung? "Wer Leichtverständliches lesen will, ist mit einem Blick auf die Bestsellerlisten gut bedient", so Bayer. "Dass aber Erkenntnisgewinn sich nur dann einstellt, wenn man sich durch Arbeit und Auseinandersetzung mit etwas, das einem womöglich Schwierigkeiten macht, beschäftigt, bleibt meine Überzeugung. Man sollte halt weder faul noch feig sein. Und diesen letzten Satz richte ich oft an mich selbst."
[Quelle: Stephanie Doms, Kurier]