Passau im Jahre 1096. Alice, eine 15-jährige Kaufmannstochter, schließt sich mit ihrem Vater Karl dem Ersten Kreuzzug an. Mutig zieht sie nach dem Tod des Vaters trotz ungeahnter Gefahren weiter nach Jerusalem. Alice wird die Geliebte eines draufgängerischen Ritters. Auch als Frau kann sie Überfällen und Schlachten nicht entgehen. Sogar der ferne Mord an ihrer Mutter verfolgt sie bis in den Orient.
Welche Rolle spielt der unnahbare Abt, der im Hintergrund die Fäden spinnt?
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Angelbin
aus Kanton Zug
5/5
13.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Reise in die eigene DNA-Analyse
Die "Pilgerin von Passau" entdeckte ich am letzten Septemberwochenende 2018 in Passau. Auch "Die Rückkehr der Pilgern" war im kleinen Buchladen nahe St. Stephan vorhanden, und aus einem spontanen Impuls heraus, kaufte ich mir beide Taschenbücher. Kurze Zeit danach, bereits hatte ich beide Bücher gelesen, erhielt ich das Resultat meiner DNA-Analyse. Anfänglich fragte ich mich, wie es kam, dass meine DNA-Spuren bis hinunter nach Israel reichten. Es dauerte eine Weile, bis der Groschen fiel und ich dieses Buch nochmals in die Hand nahm und mir die Karte ansah, auf welcher die Kreuzzug-Route aufgezeichnet war. Bingo! Da waren sämtliche Länder ersichtlich, aus denen meine DNA-Mischung stammte.
Die gewissenhaft recherchierten Zeugnisse der damaligen Zeit hat die Historikerin und Autorin kurzweilig lesbar in die Geschichte der Alice eingepackt, und mir den Weg zu meinen urältesten Ursprüngen eröffnet.
Abgesehen von diesem sehr persönlichen Bezug zur "Pilgerin von Passau" bieten die mittlerweile drei Bände - "Das Vermächtnis der Pilgerin" ist 2024 erschienen - kurzweiligen Geschichtsunterricht für alle, die Europas Geschichte zu verstehen das Interesse haben.
Eine Trilogie der Unterhaltung UND der Bildung zugleich.
Die damals gekauften Bücher hatte ich weitergegeben, doch vor ein paar Wochen kaufte ich sie mir erneut. Leider fehlen in der 1. Auflage 2023 die schönen Lesezeichen, bei der "Pilgerin von Passau" als auch in "Das Vermächtnis der Pilgerin". Das war (z. B. Ausgabe 2016) ein kleines "nice to have" gewesen.
Als Roman finde ich sie 5 Sterne wert. Als Geschichtsbuch im Bereich Sachbücher zumindest 4 Sterne.
Bewertung
aus Oberursel
5/5
11.08.2023
Buch (Taschenbuch)
spannend und historisch getreu
Zu dem Buch muss ich ein paar Vorbemerkungen machen, ich dachte erst, das wäre ein komplett neuer Roman, aber er ist ursprünglich schon vor 10 Jahren erschienen, mit fast genau demselben Cover; aber ich bin nicht ganz sicher, ob der Inhalt nicht ein wenig überarbeitet wurde. Ich habe gerade mal ein paar alte Rezensionen angeschaut, da wird unter anderem eine nicht stringente Erzählperspektive beklagt, und einige Handlungsstränge würden nicht richtig aufgelöst – und dem kann ich nicht zustimmen, ich fand es flüssig zu lesen aus einer durchgehend auktorialen Erzählperspektive und mir haben jetzt keinerlei „Lösungen“ gefehlt. Soviel mal dazu. Wer dieses Buch kaufen will – und das will ich gerne empfehlen! – der kaufe bitte vorsichtshalber die aktuelle Neuauflage .
So, und hierum geht’s: Die Pilgerin von Passau, das ist die junge Kaufmannstochter Alice, deren Mutter vor langem verstorben ist, und die wohlbehütet bei ihrem Vater Karl aufwächst. Um den Tod der Mutter ranken sich die Geheimnisse: ist sie damals einfach die Treppe hinuntergestürzt, oder wurde sie gestoßen? Und wenn ja, von wem? War’s der Gatte? Offiziell als Unfall eingestuft, ist das Ganze aber auch schon eine Weile her. Nichtsdestotrotz, als sich 1096 das erste Kreuzfahrerheer anschickt, nach Jerusalem zu ziehen, überredet der Passauer Abt Johannes seinen Bruder Karl, sich jeglicher Sünden reinzuwaschen und sich der Pilgerfahrt ins Ungewisse anzuschließen. Und so verpfändet der Kaufmann sein Hab und Gut, um sich einzureihen in die Massen derer, die das Kreuz nehmen wollen – und auf den letzten Drücker entscheidet sich Alice, lieber ihren Vater nach Jerusalem zu begleiten, als in Passau verheiratet zu werden. Und somit geht es dann los Richtung Morgenland….
Die Autorin erzählt die Geschichte dieses ersten Kreuzzuges von 1096-1099 sehr detailliert nach, und mit Alice, ihrem Vater Karl, ihrem Freund und Knecht Martin, ihrem Geliebten, dem Ritter Bernhardt und vielen anderen sind wir Leser ganz nah dabei. Das ist wirklich das Spezielle an diesem Roman: der Autorin gelingt es, die verbürgten Fakten, Schlachten und Wege des Heeres um Gottfried von Bouillon historisch getreu nachzuzeichnen, uns sozusagen eine 650 Seiten lange anschauliche Nachhilfestunde in Geschichte zu geben, und das Ganze zu verknüpfen mit den einzelnen Schicksalen der Protagonisten. Alice, Martin, Teresa und Bernhardt mögen fiktiv sein, ganz viele andere Charaktere sind es aber nicht, und somit wird die Story wirklich authentisch erzählt. Im Anhang gibt es auch noch mal ein ziemlich ausführliches Personenregister und ein paar weitere Fakten zum ersten Kreuzzug, und das hat die Sache rund gemacht. Sehr gut historisch recherchiert, und spannend und unterhaltsam geschrieben. Hat mir richtig gut gefallen. Und neben den Kreuzzugsfakten bekommen wir noch ein interessantes Sittengemälde der damaligen Zeit geliefert. Das fand ich auch sehr spannend. Privatsphäre gab es damals ja kaum bis gar nicht, man hat auf engem Raum zusammengelebt, Geburten und Tod waren öffentliche Dinge, und zu einer Hochzeit gehörte auch standardmäßig, dass die Ehe vor Zeugen vollzogen wurde….. ich glaube, da sind wir heute bei weitem schamhafter, als die Menschen damals.
Im Nachwort schreibt die Autorin: „Jede Person ist authentisch, fühlt, denkt, handelt und urteilt im gesellschaftlichen Rahmen der Zeit um 1100 und hat gleichzeitig ihren unverwechselbaren Charakter.“. Dem stimme ich komplett zu. Und muss gleich einwenden, bzw. ergänzen, dass gerade dieses „im Rahmen ihrer Zeit stecken“ der Personen es mir manchmal schwierig gemacht hat. Der normale Christ in Europa zu dieser Zeit war komplett im Kirchendenken drin. Alles, und zwar wirklich alles, war ausgerichtet auf die Herrlichkeit in der Ewigkeit und die Kirche hatte immer recht. Keine Diskussion, Punkt. Und in diesem Denken ist natürlich auch Alice voll drin. Eigentlich ist sie eine coole Socke: mit 15 alles in der Heimat aufgeben und zu Fuß nach Jerusalem mitlaufen, die unglaublichen Strapazen immer wieder zu überstehen, das Grauen der zahlreichen Gemetzel immer wieder zu ertragen, und das mehr oder weniger ohne Familie – das ist schon mutig. Alice selbst sieht sich aber nicht ganz so tough, denn ihr machen ihre Sünden und die gesellschaftlichen Normen immer wieder extrem viel Bedenken, und anstatt mal sich über Freundschaft und Liebe zu freuen, macht sie sich eher Gedanken, sich schon wieder dem Herrn Jesus gegenüber zu versündigen. Ich - mit meiner Brille des 21. Jahrhunderts – hätte sie manchmal schütteln mögen.
Ich komme mal zu einem Fazit: das war ein richtig guter historischer Roman, mit Drama, Abenteuer, Liebe, Schlachten und allen Emotionen des Lebens. Wer sich auf dicke Wälzer einlassen mag, ist hier bestens bedient!
Allerdings, ein Kriminalfall wie auf dem Cover erwähnt war es meiner Meinung nach nicht. Der weit zurückliegende Tod von Alices Mutter wird zwar immer mal wieder relevant, aber aufklären / ermitteln tut hier niemand. Das fehlt aber auch nicht .
Bitte lesen!
KathD
aus Berlin
5/5
16.03.2022
Buch (Taschenbuch)
Es beeindruckt mich, wie die…
Es beeindruckt mich, wie die Verfasserin die Personen reden lässt - in heutiger Sprache, wie mir scheint, so dass man so sofort in die Handlung mit hineinkommt und sich gar nicht in dieser mittelalterlichen Welt fremd fühlt. Das Problem der unehelichen Kinder und des Umgangs mit Sexualität und eben diesen Kindern und mit Ehe allgemein ist ein Schwerpunkt dieses Romans und wird auf eine sehr feine, menschliche Art behandelt. Ich habe Hochachtung! Sprachlich sehr gut, spannend durch immer wieder neue Probleme.
Bewertung
aus Göttingen
5/5
05.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Rezension
Maren Bohms historischer Kriminalroman fasziniert durch seine wirklich brilliant gelungene Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Fiktion, Spannung und Logik von der ersten bis zur letzten Seite. Einmal angefangen, möchte man das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Fernab von einer seichten Fantasy-Unterhaltungs-Lektüre wird der Leser über die Lebensgewohnheiten und -umstände der ProtagonistInnen informiert; wem das gewonnene Wissen aus dem Hauptteil des Romanes nicht genügt, der findet einen umfangreichen Anhang, in dem die Autorin weitere Hintergrundinformationen und Kartenmaterial bereithält und überdies zwischen historischen und erdachten Personen differenziert. Auch letztere beruhen zum großen Teil auf tatsächlichen historischen Vorbildern, welche ebenfalls aufgeschlüsselt und genannt werden. Dadurch überzeugt der Roman durch ein überaus hohes Maß an historischer Realitätsnähe, soweit dies überhaupt möglich ist.
Aber auch die literarischen Qualitäten des Werkes sollen nicht ungenannt bleiben: Maren Bohm gelingt es mit erstaunlicher Leichtigkeit, trotz des Umfanges von weit über 600 Seiten die Handlung spannend und konsequent fortzuführen. Die Geschichte wird in mehreren Strängen erzählt, die immer wieder genau im richtigen Moment zusammenlaufen, um den Leser nicht zu verwirren, sich dann wieder trennen und so für neue Spannung sorgen. Dabei wird der Leser stets zum Mitdenken aufgefordert, sodass das Buch an keiner Stelle langatmig wirkt. Dazu trägt vor allem auch in einem hohen Maß der Schreibstil der Autorin bei, der den Roman wirklich zu einem angenehmen Leseerlebnis macht. Das Buch wird sicherlich bei einigen meiner Bekannten auf dem Gabentisch zu finden sein!
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