Der angesehene Sprachwissenschaftler Philipp Perlmann trifft sich mit einer Gruppe von berühmten Kollegen in einem Hotel an der ligurischen Küste. Konfrontiert mit den hohen Erwartungen der anderen, zieht er sich so sehr in sich zurück, dass er bald in eine ausweglose Situation gerät, die ihn sogar an den Rand eines Mordes treibt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Peter Woodtli
aus Basel
4/5
25.05.2018
eBook (ePUB)
Freundlicher Blick in menschliche Abgründe
Das Buch ist eine geniale Beschreibung menschlicher Abgründe. Mercier schafft es, jeden noch so flüchtigen Gedanken in Worte zu fassen, so, als würden die Gedanken wie ein gemächlicher Festtagsumzug an ihm vorüberziehen. Manchmal zieht sich das Buch etwas in die Länge. Wird aber nie langweilig. Unbedingt lesen.
Bewertung
1/5
13.11.2023
eBook (ePUB)
Unlogisch und schleppend
Ich gebe es zu: Ich habe grundsätzlich ein Problem mit langatmigen Büchern. Hunderte von Seiten zu lesen für eine Handlung, die man auf einer DIN A4-Seite zusammenfassen könnte, ist nicht meine Stärke. Bei der Lektüre von "Perlmanns Schweigen" führte meine Abneigung aufgrund der vollkommen absurden Logik aber geradezu zu körperlichen Schmerzen: Ein intelligenter Mann kommt - wie vielleicht nicht wenige Professoren - auf die Idee abzuschreiben. So weit so gut. Als er droht, bei einer Veranstaltung aufzufliegen, sieht er einen Mordversuch als einziger Ausweg... ?!?! Was ist aus den guten alten Schultechniken geworden: einfach mal Bauchweh/ eine gepflegte Magen-Darm-Grippe vortäuschen und nicht hingehen?! "Sorry, meine Oma liegt im Krankenhaus. Ich bin dann mal weg". Man hätte die Mordgelüste meines Erachtens besser herleiten können.
Bewertung
5/5
20.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Tolle Idee
Faszinierend wie man in Perlmanns Gedankenwelt mit reingezogenen wird. Langsame Entwicklung, bei der man ständig versucht zu erraten, wie sich Perlmanns Problem schlussendlich löst. Lesenswert!
Bewertung
aus Norderstedt
5/5
10.03.2020
Buch (Taschenbuch)
Zähfließend und glühend
Zähfließend und glühend
„Philipp Perlmann war es gewohnt, dass die Dinge keine Gegenwart für ihn hatten. An diesem Morgen jedoch war es schlimmer als sonst....Dort drinnen, an den Tischen aus glänzenden Mahagoni, würde es geschehen. Sie würden ihn, der vorne saß erwartungsvoll ansehen, und dann, nach einer gedehnten, unerträglichen Stille und einem atemlosen Stocken die Zeit, würden sie es wissen: Er hatte nichts zu sagen.“
So lautet der erste Abschnitt einer Geschichte, die einem schweißtreibenden Alptraum gleicht.
Philipp Perlmann, ein angesehener Sprachwissenschaftler, ist mit einer Gruppe von berühmten Kollegen zu einem Forschungsaufenthalt. Durch den hohen Erwartungsdruck, der auf ihn, als Gastgeber und Leiter, lastet, wird Perlmann von der fixen Idee gequält, dass ihm seine beruflichen Gewissheiten völlig abhanden gekommen sind. Er glaubt nichts mehr zu wissen und ist sich auch nicht sicher, ob er überhaupt je etwas konnte. Seine Kollegen werden zu bedrohlichen Gegnern, ohne das ein tatsächlicher Angriff stattfindet.
Durch die Flucht nach innen gerät Perlmann mit jeden Tag mehr in eine ausweglose Situation, die ihn schließlich in einen Strudel von Lügen und an den Rand eines Morde treibt.
Was wird passieren? Wie findet er aus diesem Dickicht, wenn überhaupt, wieder raus?
Der Roman „Permanns Schweigen“ beschreibt das „Innenleben“ eines verzweifelten und panisch nach einem Ausweg suchenden Menschen. Es ist das Leben eines Menschen, der um den Verlust seines Gesichtes bangt. Es ist das Gesicht des hervorragenden Wissenschaftlers Perlmann, den alle bewundern, der immer funktioniert und brillant in seinen Gedanken ist. Doch hinter diesem erworbenen Gesicht kristallisiert sich ein anderes heraus, eines, dass sich zeigen will. Es ist der Mensch Philipp Parlmann, jenseits der Wissenschaft, jenseits seiner wissenschaftliche Veröffentlichungen.
Es sind 600 Seiten, die es auch für den Leser zu überwinden gilt, denn der Leser selbst gerät mit jeder zusätzlichen Seite, in den dunklen, klebrigen Sog des Alptraumes. Am liebsten würde man an manchen Stellen das Buch zuschlagen und sagen: „Das kann man doch nicht aushalten!“ In der Tat sind viele Passagen nicht auszuhalten. Nichts will klappen, alles, was schief laufen kann, läuft schief. Ereignisse, bei denen man denkt:“ Nein! Nicht auch das noch!“ gibt es zu Genüge. Oft genug wundert man sich über Perlmanns Gedankengänge. Glaubt, dass es so ein, das Ich langsam und qualvoll zermürbendes Innenleben, gar nicht geben kann.
Ohne Zweifel, der Roman ist wie er sein muss: zähfließend und glühend. Er lässt sich nicht leicht lesen und er macht sich im Leben des Lesers breit, denn er verlangt und fordert viel Zeit und Geduld. Nicht nur mit dem Buch! Auch mit sich selbst. Sprachlich ist er ein Hochgenuss. Des Autors Liebe zur Sprache, deren Feinheiten und Tiefe ist in jedem seiner Sätze unüberhörbar.
Der Roman ist ein großartiges Buch für jeden, der eine Leidenschaft für die menschliche Psyche hat, denn das Buch gleicht einer Studie eines Menschen, der mit sich um sich kämpft und ringt. Kein Einzelfall.
Hoch interessant und zum Nachdenken stiftende Passagen waren jene, in denen es um die Sprache als solches ging. Bemerkenswerte Thesen und Gedanken rund um die Sprache würzen des Buch mit einem zusätzlichen, kühleren, für jeden wissbegierigen sehr nahrhaften Geschmack.
J.G.
aus Berlin
5/5
17.07.2009
Buch (Taschenbuch)
Absolute Leseempfehlung
Philip Perlmann ist ein anerkannter Professor für Linguistik, der sich in Italien zu einem Treffen mit anderen Sprachwissenschaftlern zusammenfinden soll. Krönung dieser Tagung soll ein Vortag sein. Nur leider hat er der Welt nichts mehr zu sagen. Er verliert sich im Übersetzen eines Beitrages eines Russen namens Leskov, der aufgrund einer fehlenden Ausreisegenehmigung nicht zur Tagung erscheinen darf. Als ihm am Ende die Zeit fehlt, etwas Eigenes zu schreiben, entschließt er sich den übersetzten Text als den seinigen auszugeben bzw. vorzutragen. Doch wider Erwarten erscheint Leskov und Perlmann gerät kurz davor einen großen Fehler zu begehen
Allein der Gedanke an die zahllosen Situationen, in denen andere (Kollegen, die Tochter, die Sekretärin, sogar die Hoteldame oder der Kellner) merken könnten, wie es um ihn bestellt ist, bringt Perlmann fast um den Verstand. Perlmann malt sich jede einzelne Konsequenz seines Tuns bis ins kleinste Detail aus. Und der Zufall rettet ihn jedes Mal aus der Misere.
Die hervorragende Wortwahl und der schöne Schreibstil sorgen für ein genussreiches Lesen.
Die Exkursionen in philosophische Aspekte der Sprache (z. B. die Darstellung von Erlebtem durch das Medium Sprache, die Schwierigkeiten des Dolmetschens und Übersetzens) habe ich genossen. Die Charaktere sind wunderbar beschrieben und absolut realistisch. Die gedanklichen Monologe verlieren sich nicht in ihrer Länge, sondern werden immer wieder vom aktuellen Tagesgeschehen im Hotel und um die Wissenschaftlergruppe herum unterbrochen. Dies geschieht in einem ausgewogenen Wechsel, der keine Langeweile zulässt.
Insgesamt ein herausragendes Buch, dass mitreißende Spannung mit höchstem Anspruch und Sprachgewalt vereint: Eine absolute Leseempfehlung.
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