Kommissar Staves zweiter Fall
Hamburg 1947: Es ist das Jahr der Extreme. Nach dem bitterkalten Hungerwinter stöhnt die zerbombte Stadt schon im Frühling unter quälender Hitze. Und Oberinspektor Frank Stave wird mit einem neuen Fall konfrontiert. In den Ruinen einer Werft wird die Leiche eines Jungen gefunden. Zusammen mit Lieutenant MacDonald und Doktor Czrisini macht sich Stave auf die Suche nach dem Mörder, und die Ermittlungen führen sie in die Welt der »Wolfskinder« – jener elternlosen Kinder, die aus den besetzten Ostgebieten geflohen sind und sich nun zu Banden vereint als Kohlenklauer, Prostituierte und Schmuggler durchschlagen.
Doch nicht nur beruflich sieht Frank Stave sich vor Rätsel gestellt: Mitten in den Untersuchungen steht plötzlich sein Sohn vor der Tür, der aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist. Ein schmerzhafter Weg der Annäherung liegt vor ihnen, während Stave zugleich um den Erhalt der Beziehung zu seiner Geliebten Anna kämpft.
Als zwei weitere Leichen entdeckt werden, gerät Stave zunehmend unter Druck. In einer dramatischen Nacht im Hafen soll sich schließlich entscheiden, ob Stave den Täter zu fassen bekommt …
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
20.04.2024
Buch (Taschenbuch)
wow!
Wie schon der erste Teil seiner Trilogie ist auch der zweite Band spannend sowie historisch gut recherchiert. Man möchte das Buch kaum aus der Hand legen und erweitert nebenbei noch sein historisches Wissen.
Bewertung
5/5
05.08.2017
Buch (Taschenbuch)
Wolfskinder, Schieber und ein heißer Sommer
Das Frühjahr 1947 war schon heiß - aber der Sommer ist fast unerträglich. Da wird Oberinspektor Frank Stave zur Werft Blohm&Voss gerufen. Man hat einen toten Jungen, der rittlings auf einer noch scharfen Bombe sitzt, gefunden. Schnell findet man heraus, das er sich zwar mit einer Gruppe Wolfskinder herumgetrieben hat, zum Kohlen klauen ging - aber ein Heim bei Onkel und Tante gefunden hatte. Denen geht es wirtschaftlich nicht schlecht, sie haben eine Firma und handeln mit vielen Dingen. Aber der Onkel betreibt auch illegale Boxkämpfe - wo ist der Schlüssel zu diesem Fall ?
Wieder gut recherchiert und spannend bis zur letzten Seite.
F
aus Hamburg
5/5
25.07.2017
Buch (Taschenbuch)
Genial
Mir gefällt die gut geschriebene Handlung und die genaue Beschreibung der Wirren in der Nachkriegszeit mit Mangel und untergetauchten Nazis.
Bewertung
5/5
21.12.2014
Buch (Taschenbuch)
Oberinspektor Stave ermittelt wieder...
Wieder treibt ein Mörder sein Unwesen in Hamburg der Nachkriegszeit.
Oberinspektor Stave muss diesmal den Mord an einem Jungen im Hamburger Hafengebiet aufklären.
Cay Rademacher nimmt den Leser wieder mit zwischen die Trümmer Hamburgs 1947.
Der Oberinspektor muss versuchen, den Fall möglichst schnell zu lösen, da er von "oben" und aus den Reihen der Politik Druck bekommt, diesen unschönen Mord an diesem Knaben aufzudecken.
An seine Seite bekommt er erneut den englischen Offizier MacDonald gestellt, der ihm schon in Band 1 "Der Trümmermörder" geholfen hat.
Nicht nur ist es wieder ein spannender Fall, diesmal im Milieu der sogenannten Schieber und Schmuggler, sondern auch erlebte Geschichte.
Gerade für die Leser, die das zerstörte Deutschland nicht mehr selbst oder nur als Kleinkind erlebt haben, sind Rademachers Beschreibungen des damaligen Lebens sehr interessant!
Igelmanu66
aus Mülheim
4/5
23.01.2015
Buch (Taschenbuch)
Verlorene Kinder
»Bis Mai 1947 registrierte der Suchdienst des Roten Kreuzes und der beiden großen Kirchen in Hamburg etwa 40.000 elternlose Kinder: Waisen, die im Bombenhagel oder durch andere Kampfhandlungen Mütter und Väter verloren hatten. Für 21.000 Mädchen und Jungen machten die Helfer keinen einzigen Verwandten ausfindig, bei dem diese unterschlüpfen konnten. Mehr als 1.000 dieser verwaisten Kinder lebten nicht in Heimen, sondern schlugen sich, allein oder in Banden, in der verwüsteten Stadt durch. Sie hausten in selbstgebauten Unterkünften, in Nissenhütten oder Hochbunkern. Sie verdingten sich als Handlanger des Schwarzmarktes, als Kohlenklauer, Diebe oder Prostituierte.«
Eines dieser elternlosen Kinder ist es scheinbar, das Oberinspektor Frank Stave an diesem heißen Maitag des Nachkriegsjahres 1947 findet. Ermordet und liegend auf einem Blindgänger, mitten in den Ruinen einer Hamburger Werft. Wie kam der Junge dorthin ins Sperrgebiet? Wer hat ihn brutal ermordet und wieso liegt die Leiche auf einer englischen 500-Pfund-Bombe?
Stave nimmt die Ermittlungen auf und hat schon bald einen alten Bekannten an seiner Seite: Lieutenant James C. MacDonald von den britischen Besatzungstruppen.
»Ich soll meinem eigenen Vorgesetzten nicht sagen, dass ein englischer Offizier bei den Ermittlungen mitmischt?«
»Schön, dass wir uns so gut verstehen«, erwidert MacDonald fröhlich. »Die Dinge sind schon kompliziert genug.«
Dieser Krimi bietet dem Leser gute Unterhaltung plus einer reichlichen Portion Zeitgeschichte. Da gibt es detaillierte Beschreibungen des zerbombten Hamburg und seiner zerstörten Hafenanlagen. Die englischen Besatzungstruppen sind ein weiteres großes Thema und die von ihnen erzwungene Demontage der Werft von Blohm + Voss.
Ferner geht es um das normale Leben des Durchschnittsbürgers, das sich um Verlust, vermisste Personen, Kriegsgefangenschaft, traumatische Kriegserlebnisse, Lebensmittelkarten, Schwarzmarkt und Neuanfänge dreht. Und es geht um das Leben der vielen Kinder, die durch den Verlust ihrer Eltern plötzlich gezwungen waren, sich irgendwie allein durchzuschlagen. Wobei es sogar da noch Unterschiede gab, denn es gab die normalen Waisen und es gab die sogenannten Wolfskinder.
»Wolfskinder so nennen sich die Mädchen und Jungen aus dem Osten. Die Waisen, die in den Kämpfen oder bei der Flucht aus Ostpreußen und Schlesien ihre Eltern verloren haben. Erschossener Vater, zu Tode vergewaltigte Mutter, verbrannter Hof. Trecks über Eis und Schnee. Kinder, die wie Wilde aus der Vorzeit in Wäldern und Mooren überleben, die betteln, stehlen, essen, was ihnen vor die Hände kommt. Manche kennen nicht einmal ihren Namen. Hausen in abgebrannten Scheunen und zertrümmerten Häusern. Schlagen sich irgendwann durch bis in die Westzonen. Ein paar Hundert sollen in Hamburgs Ruinen hausen.«
Stave geht das Schicksal dieser Kinder sehr nahe. Zumal es nicht bei diesem einen toten Jungen bleibt. Private Sorgen hat er außerdem, denn sein Sohn befindet sich noch immer in russischer Kriegsgefangenschaft. Und nachts plagen ihn Alpträume, in denen er wieder und wieder erlebt, wie seine Frau bei einem Fliegerangriff ums Leben kam.
Im Grunde könnte man also meinen, dass man es als Leser hier mit einem Buch zu tun hat, das einem aufgrund des ernsten Themas zusetzt. Tatsächlich gibt es aber immer zwischendurch Passagen, in denen ich lachen musste und das liegt an Staves Partner, Lieutenant MacDonald. Die beiden haben sich bei einem früheren Fall Staves kennengelernt und zum beiderseitigen Erstaunen angefreundet. Und während Stave die personifizierte Ernsthaftigkeit ist, ist MacDonald nun ja eher das Gegenteil. Als Folge daraus gibt es herrliche Wortgefechte zwischen den beiden, da wird gefrotzelt und mit sarkastischen Bemerkungen geglänzt.
»Ich mache mir keine Sorgen, ich stelle Fragen. Zum Beispiel: Weiß Ihr Colonel, dass wir uns seine Yacht ausleihen?«
»Selbstverständlich nicht.«
»Patrouillieren nachts auf der Elbe englische Boote?«
»Selbstverständlich ja. Wir müssen vorsichtig sein. Und spät losfahren.«
»Und wenn uns doch jemand erwischt?«
»Zücken wir unsere Ausweise und erfinden irgendeine Geschichte.«
»Welche?«
»Noch ist mir keine eingefallen. Ich denke darüber nach, wenn ich den Suchscheinwerfer eines Patrouillenbootes aufleuchten sehe.«
»Schön, dass wir so gut vorbereitet sind.«
Nach dem Trümmermörder muss Frank Stave hier seinen zweiten Fall lösen. Erneut schafft es der Autor, aus dem zeitgeschichtlichen Hintergrund eine passende Kriminalhandlung zu entwickeln. Auch Staves Seelenleben wird sehr schön skizziert, ich stellte für mich fest, dass ich gleichermaßen an seinen privaten Problemen wie an der Auflösung des Falls interessiert war. Es ist nicht notwendig, den Trümmermörder zu kennen, obwohl ich dieses Buch auch sehr empfehlen kann ;-)
Fazit: Intelligente Krimihandlung mit viel Zeitgeschichte, Stoff zum Nachdenken und einigen sehr unterhaltsamen Dialogen.
»Verlorene Kinder, verlorene Familien. Das haben wir ihnen angetan, denkt er, wir Älteren. Wir machen sie zu Waisen, wir zertrümmern ihre Welt, wir stoßen sie herum, wir kümmern uns einen Dreck um sie. Werden wir am Ende wenigstens ihre Mörder bestrafen?«
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