«Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war.»
Ein Mann lässt alles hinter sich: seine Stadt, sein Land, sein bisheriges Leben. Mit nicht viel mehr als einer Hängematte und ein paar Schreibheften im Gepäck steigt er in einen Zug Richtung Süden. Der Zufall bringt ihn nach Cabo de Gata, ein Fischerdorf an der Mittelmeerküste. Die Landschaft ist öde, ein kalter Wind weht: kein Ort zum Bleiben. Und doch bleibt er, ein einsamer Gast in der Pension der alten Witwe. Das einzige Wesen, zu dem er Kontakt aufnimmt, ist eine Katze. Und plötzlich glaubt er zu begreifen, dass sie ihm etwas mitteilen will...
Nach seinem Welterfolg «In Zeiten des abnehmenden Lichts» erzählt Eugen Ruge auf leichte, fast beiläufige Weise die Geschichte einer schwierigen Suche. «Cabo de Gata» ist ein Glanzstück novellistischer Prosa. Im Wechselspiel von Erfindung und Erfahrung liegt seine Wahrhaftigkeit - und auch seine Kunst.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Marie-Therese Reisenauer
aus Wien
4/5
11.08.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Am Ende der WeltI
Immer, wenn da so Einer am Ende der Welt, hier heißt es Cabo da Gato, sitzt und denkt, kann getrost davon ausgegangen werden, dass die Vorgeschichte keine leichte ist. So auch in diesem Fall. In der tiefsten Krise, pleite, geschieden, da muss man ja fliehen. Ab in den Zug, ab nach Süden. Und dann? Das Warten kann ein Hund sein, hierbei ist es jedoch ein Katze. Und was hat es mit dieser auf sich? Selber lesen!
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
4/5
08.01.2015
Buch (Taschenbuch)
Wie bringt der Erzähler die Zeit zum Stillstand?
Worum geht es in diesem Taschenbuch? Ein Mann aus der ehemaligen DDR reist ein paar Jahre nach der Wende ab. Was ist das? Eine Flucht? Wieso steigt der Erzähler so vollständig aus seinem Leben aus? Mit diesen Fragen sitze ich neben ihm im Zug, Hotel und Bus. Ich lande mit ihm Anfang Januar in einer grässlich trostlosen Pension in Andalusien. Beobachte ihn dort, wie er versucht, einen gleichmäßigen Tagesablauf zu konstruieren, ein Buch (einen Roman?) zu schreiben. Vier Monate hänge ich dort mit ihm fest! Und fühle mich immer beklommener und unbehaglicher! Was hat es mit dem Kellner, der Wirtin, dem Amerikaner auf sich? Ist das Gebilde wirklich ein Sarg? Und dann die Katze. . . Ich bewundere die Sprache, den überaus kargen Erzählton und bin heilfroh, als ich unbeschadet aus der Geschichte wieder auftauche. Bei dem Erzähler bin ich mir da nicht so sicher!
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
4/5
13.06.2013
eBook (ePUB 3)
Wie bringt der Erzähler die Zeit zum Stillstand?
Worum geht es in diesem e-book? Um eine Abreise aus Deutschland? Eine Flucht? Wieso steigt der Erzähler so komplett aus seinem Leben aus? Mit diesen Fragen sitze ich neben ihm in Zug, Hotel und Bus. Lande mit ihm Anfang Januar in einer gräßlich trostlosen Pension in Andalusien. Beobachte ihn dort, wie er versucht, einen gleichmäßigen Tagesablauf zu konstruieren, ein Buch (einen Roman?) zu schreiben. Und fühle mich immer beklommener und unbehaglicher! Was hat es mit dem Kellner, der Wirtin, dem Amerikaner auf sich? Ist der Sarg wirklich ein Sarg? Und dann die Katze... Ich bewundere die Sprache, den überaus kargen Erzählton und bin heilfroh, als ich unbeschadet aus der Geschichte wieder auftauche. Bei dem Autor bin ich mir da nicht so sicher!
Bories vom Berg
aus München
2/5
07.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Magerer Plot und stilistisches…
Magerer Plot und stilistisches Können Mit dem Roman «Cabo de Gata», der eher als eine zielgerichtete Novelle anzusehen ist, hat Eugen Ruge ein autobiografisches Buch geschrieben, in dessen Widmung geschrieben steht: «Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war». Und so beginnen denn auch beinahe alle Sätze der Novelle mit den Worte «Ich erinnere mich». Ein angehender Schriftsteller (sic) mit Schreib-Blockade berichtet darin von seinem Selbstfindungstrip. Der namenlos bleibende Ich-Erzähler, der nach der Scheidung von seiner Frau in einer tiefen Sinnkrise steckt, schildert darin eine spontane Reise in den Süden, die ein Ausbruch aus seinem bisherigen Leben darstellt. Er will in der Einsamkeit eines fremden Ortes völlig ungestört einen Roman schreiben. In dem Wahn, sich von allen Fesseln zu befreien, geht der Vierzigjährige so weit, seine bescheidene Wohnung zu kündigen, alle Möbel zu verkaufen oder zu verschenken, alle Zahlungen zu stoppen und dann sein schmales Konto vollends leer zu räumen. Er reist mit kleinem Gepäck, alles hinter sich lassend, mit einigen kurzen Zwischenstopps und ohne konkretes Ziel Richtung Mittelmeer. Erst unterwegs wird er mit Hilfe eines Reiseführers auf den Naturpark im Süden Spaniens aufmerksam und landet kurz entschlossen, nach beschwerlicher Anreise mit einem klapperigen Bus, von Almeria kommend, im titelgebenden Naturpark «Cabo de Gata». Dort sucht er in einem kleinen Fischerdorf ein bescheidenes Quartier, was sich als ziemlich schwierig erweist, weil diese Gegend touristisch noch völlig unerschlossen ist. Das merkt er daran, dass der kleine Ort und auch sein Strand total vermüllt sind, was allerdings dort niemanden zu stören scheint. Schließlich kommt er als einsamer Gast in der Pension einer alten Witwe unter, deren Mann Fischer war. Die Tochter, deren gewaltiges Hinterteil immer wieder seinen Blick anzieht, ist ebenfalls mit einem Fischer verheiratet und arbeitet bei der Mutter als Bedienung. Die Wirtin, aber auch die anderen Dorfbewohner, sind äußerst wortkarg, sogar die Tochter spricht kein Wort mit ihm und knallt ihm mittags nur wortlos sein Essen auf den Tisch. Die Landschaft ist öde, es weht ein kalter Wind, die Bewohner sind ausgesprochen unfreundlich, gleichwohl beschließt der Ich-Erzähler, dort zu bleiben. Er kämpft mit seinen Notizen, die er vormittags aufschreibt und meist am Nachmittag schon wieder verwirft, sein Romanprojekt kommt nicht von der Stelle. Dabei geht es ihm wie den drei Fischern, Söhne seiner Wirtin, die er oft beobachtet bei seinen Spaziergängen am Strand. Die rufen ihm dann immer zu: «Mucho trabajo, poco pescado», - viel Arbeit, wenig Fisch! Zu den auffallend wenigen Figuren der Erzählung gehören auch zwei Kurzzeit-Touristen, ein Engländer und ein Amerikaner. Außerdem einige Sonderlinge aus dem Ort, die er beobachtet: Zwei Männer in Schlafanzügen, die jeden Morgen vor ihre Haustür treten, eine Frau mit Gipsbein, die dann irgendwann keines mehr hat, sowie ein wortkarger Barmann. Zuletzt freundet er sich dann mit einer rot getigerten, scheuen Katze an, die er langsam an sich gewöhnt, indem er sie füttert. Er sieht in ihr die Inkarnation seiner Mutter, die ihm mit ihrer Anwesenheit etwas sagen will, davon ist er überzeugt. Dass er vergebens hier sei, der Erfolg mit seinem Buch würde sich nämlich von selbst einstellen, «sobald die Welt aufgehört hat, mich durch Wandel zu stören». Er bleibt 123 Tage in Gabo de Gata, bis er schließlich einen im flachen Wasser sterbenden Rochen beobachtet und spontan abreist. Mit dem Vorhaben, für sein Buch aus nichts als aus Erinnerungen zu schöpfen, nutzt Eugen Ruge bewusst die Schwächen des Gedächtnisses und gibt absonderlichen Assoziationen und irrealen Zusammenhängen einen breiten Raum. Damit bezweckt er, zu einer anderen, zu einer ‹poetischen› Wahrheit zu gelangen. Das mag über den langweiligen, äußerst mageren Plot hinweg täuschen, was hier allein durch stilistisches Können ein wenig kompensiert wird. Ob das denn reicht, muss letztendlich jeder Leser für sich allein beantworten!
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