Hans Castorps geplanter Kurzbesuch in Davos wird zum siebenjährigen Aufenthalt, und Thomas Manns Novellenplan wächst zu einem der gewaltigen Werke der Weltliteratur: Ein eindringliches Porträt der europäischen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg.
Der Textabdruck folgt der Erstausgabe von 1924.
In der Textfassung der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe (GKFA), mit Daten zu Leben und Werk.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
20 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne
(0)
"Sorgenkind des Lebens"
eskimo81 am 19.05.2021
Bewertungsnummer: 847637
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Hans Castorp reist für drei Wochen nach Davos ins Sanatorium "Berghof" um seinen Vetter Joachim Ziemssen zu besuchen. Dieser Aufenthalt verlängert sich aufgrund einer starken Erkältung und wird zu seinem Leben.
Wir erleben das Kur-Leben mit vielen interessanten und philosophischen Diskussionen, Patienten und Ärtzen...
Ein sehr weitsichtiges Buch, dass Thomas Mann geschrieben hat. Viele Themen die uns noch bzw. wieder beschäftigen.
Ein Buch zum Nachdenken über "uns" (Welt) und das eigene Leben
Die unverfälschte Schriftweise von Thomas Mann wird auch in diesem Werk gelebt. Keine Änderungen wurden vorgenommen ausser den offensichtlichen Fehlern. Ein unverfälschtes Buch, dass nicht immer einfach zu lesen ist, welches jedoch eine Spannung verbreiten kann, dass man es am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte.
Entweder man liebt Thomas Mann oder man "hasst" seinen Stil. Ich liebe ihn, er ist einfach wundervoll, man taucht in eine Welt der Vergangenheit ein, erlebt vieles und entdeckt auch immer wieder neues - Geschichtsunterricht mal anders.
Es ist schön zu wissen, dass es noch viele Bücher von Thomas Mann gibt...
Doppelter Zauber
Bewertung am 20.05.2026
Bewertungsnummer: 3143815
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Doppelter Zauber
Wenn es einen Text Thomas Manns gibt, mit dem er sich den Beinamen „Zauberer“ verdient hat, dann ist dies zuvorderst seine Novelle „Der Tod in Venedig“. Der Zauber wirkt hier doppelt: auf den Helden und auf den Leser.
Die Verwandlung Gustav von Aschenbachs vom pflichtbesessenen, an Ruhm, Ehre und Willensstärke orientierten Großkünstler, steif, unnahbar, auf Etikette bedacht, allem Sinnlichen abhold, zum pflichtvergessenen, willenlos-triebgesteuerten Lüstling, der sich schminken und die Haare färben lässt, und der seine Tage damit verbringt, dem Objekt seiner Begierde durch Venedig nachzusteigen - diese Wandlung ist Ergebnis einer Verzauberung. Verzaubert wird er von Tadzio, einem Knaben, der „vollkommen schön“ ist, „von so einmalig persönlichem Reiz“, dass er überzeugt ist, „weder in Natur noch bildender Kunst etwas ähnlich Geglücktes angetroffen zu haben“. (S. 42)
Und es ist ganz große Kunst, wie der Zauber geschildert wird, der von diesem Knaben auf den älteren Herrn ausgeht, wie ein anfänglich scheinbar „interesseloses Wohlgefallen“, eine „fachmännisch kühle(n) Billigung“ (S. 48) des reinen Schönen schrittweise umschlagen in Verzücken, Verliebtheit, Besessenheit; wie eine anfänglich harmlos-heitere Stimmung zunehmend ins Bedrohlich-Düstere umschlägt.
Wie das im Einzelnen dramaturgisch und sprachlich subtil gemacht ist, wie es Thomas Mann gelingt, auch den Leser in einen erzählerischen Zauberbann zu schlagen, dazu sind extrem hilfreich die erläuternden Anmerkungen und das kluge Nachwort des Herausgebers dieser Ausgabe, Hanns Frericks.
Aber das ausführliche Nachwort hilft nicht nur beim Erkennen, Verstehen und Genießen der Novelle als Kunstwerk, ihrem Bau und reichen Motivgeflecht, ihrer Rhetorik, Symbolik und Semantik. Es gibt auch ergiebig Antwort auf die Frage, was den Autor zu dieser Novelle bewogen hat, wie erfahrungsgesättigt der Text ist und wie es ihm gelingt, immerhin zur Endzeit des deutschen Kaiserreichs, einen Text, der von homoerotischer Liebe, ja, von Pädophilie handelt, zu publizieren, ohne einen literarischen Skandal zu provozieren.
Vor allem aber öffnet das Nachwort die Augen des Lesers für all jene Facetten der Novelle jenseits der Geschichte einer unglücklichen, verbotenen Liebe. Denn es geht auch hier um die Dialektik von Künstler und Bürger, um den Umschlag vom Sokratischen zum Dionysischen, um eine Theorie des unbedingten Schönen, um Theorie und Praxis der Ästhetik und der Moral. Es geht, wie stets in großer Literatur, um Eros und Thanatos. Und schließlich spielt im Hintergrund selbst das Politisch-Ökonomische eine Rolle, wenn die administrative Verschleierung der sich ausbreitenden Seuche aus kommerziellen Gründen im wahrsten Wortsinn über Leichen geht.
Diese Ausgabe der Novelle „Der Tod in Venedig“ ist nicht zuletzt besonders zu empfehlen, weil sie handwerklich schön gemacht ist: mit Leineneinband, Titelvignette, Bildern und einer erhellenden Zeittafel.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.