Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren erwandert der bekannte Schriftsteller und Menschenrechtsanwalt Raja Shehadeh seine Heimat Palästina. Er tut dies allein oder mit Freunden, zu allen Jahreszeiten, immer dann, wenn er Zeit hat und Ruhe finden will. Doch die Landschaft, die Shehadeh durchstreift, verschwindet mehr und mehr. Mauern, Sperrgebiete und Checkpoints zerschneiden heute die Berge und Felder Palästinas. In sechs Wanderungen führt Shehadeh den Leser auf eine Reise durch die Geschichte und die Schönheit des Landstrichs zwischen Jerusalem und dem Toten Meer.
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Susanne Pichler
aus Linz Lentia
5/5
18.05.2011
Buch (Taschenbuch)
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,...
Raja Shehadeh nimmt den Leser auf sechs Wanderungen durch das Westjordanland mit. Auf diesen sechs Wanderungen folgt man dem Autor durch die jüngste palästinensische Geschichte jenseits von Selbstmordattentätern und Hassparolen.
Raja Shehadeh wurde 1951 in Ramallah geboren. Er entstammt einer angesehenen Juristenfamilie und absolvierte selbst ein Jurastudium in London. Nach Abschluss dieses Studiums kehrte er nach Ramallah zurück und begann dort seine Arbeit als Menschenrechtsanwalt. Er gründete die Organisation "Al-Haq", die es sich zum Ziel setzte, internationales Recht in den besetzten Gebieten geltend zu machen.
Als begeisterter Wanderer liebt er die Hügel des Westjordanlandes, die über Jahrhunderte unberührt blieben, über alles. In den ersten Jahren der israelischen Besetzung des Gebietes, kann er sie noch nahezu ungehindert durchwandern. Doch mit jeder Siedlungsgründung und jeder neu erbauten Straße wird ihm der Zugang erschwert und in manchen Fällen sogar völlig verwehrt. Obwohl er darüber wütend und verzweifelt ist, pocht er doch stets auf die Einhaltung des Rechts, führt Prozesse gegen Israel und fordert die Einhaltung friedlicher, legaler Wege. Obwohl er Rückschlag um Rückschlag einstecken muss, wankt er nicht und bleibt seinen Überzeugungen treu. Es ist seine unumstößliche Meinung, dass nur eine Zwei-Staaten-Lösung, die die Rechte des jeweils anderen anerkennt, dauerhaften Frieden bringen kann.
Erst durch die Abkommen von Oslo, als die PLO und Jassir Arafat, die seiner Meinung nach absolut falschen Zugeständnisse, geboren aus reinem Machtdenken, eingingen, sieht er den Tag gekommen, wo seine geliebten Hügel, die geschichtsträchtigen Wanderungen und die Zukunft der Palästinenser ernsthaft gefährdet sind.
Die Wanderungen, verbunden mit Geschichten, vermitteln ein Bild des Westjordanlandes, das einen tiefen Eindruck hinterlässt. Zwischen jüdischen Siedlungen, Olivenbäumen, sanften Hügeln, Beduinenstämmen und einer jahrtausendealten Geschichte scheint es kaum noch genügend Platz für die Zukunft zu geben.
Die Wanderungen Raja Shehadehs sind einfach großartig zu lesen. Sie umfassen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Israel und Palästina und rücken den einzelnen Menschen, jenseits von Geburt und Religion, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
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