John Mapother, Sohn der mächtigsten Familie im Provinznest Bashford, will nach diversen privaten Fehltritten in den amerikanischen Kongress. Er hat nur keine Ahnung von der Welt seiner Wähler. Die aber hat sein jüngerer Bruder Blue Gene, das schwarze Schaf der Familie, der auch weiß, dass die einfachen Leute gar nicht so einfach sind, angefangen bei der rebellischen Punkrockerin, in die er sich verliebt. Ein großer amerikanischer Familienroman, hochintelligent, voller Melancholie – und überraschend aktuell.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
09.06.2020
Buch (Taschenbuch)
Tragikomischer Familienroman und...
Tragikomischer Familienroman und "White-Trash"-Milieustudie im mittleren Westen (USA). Wer Themen wie die Ressentiments einer prekären Gesellschaftsschicht gegen die amerikanische(n) Politik(er) auf so unterhaltsame Weise verpacken kann, von dem darf man zu Recht großes erwarten!
Andreas Wetekam
aus Münster (Poertgen-Herder)
5/5
30.07.2010
Buch (Taschenbuch)
Genial!
Großartig! Mehr Worte bedarf es eigentlich nicht das neue Werk von Joey
Goebel zu beschreiben. Er beweist eindrucksvoll warum er zu den
hoffnungsvollsten Jungautoren der USA gezählt wird.
Eine Kleinstadt im Mittleren Westen der USA und ihre mächtigste Familie
bilden den Schauplatz dieser Geschichte; eine Mischung aus
Familien-Epos, Politdrama und ein wenig Liebesgeschichte und wir tauchen
ein in die Familie Mapother, erzkonservativ, bibeltreu, durchtrieben und
ein schwarzes Schaf.
Joey Goebel hätte mit seinen Zutaten leicht ins klischeehafte abrutschen
können, aber sprachgewaltig und mit dem nötigen Wortwitz ausgestattet,
bekommen wir einen Roman vorgesetzt der mich von der ersten Seite
gepackt hat und den ich nur schwer zur Seite legen konnte. Ein toller
Einblick in die konservative Seele Amerikas, der durch plastische und
vielschichtige Charaktere besticht.
Ich warte sehnsüchtig auf die kommenden Werke dieses Autors.
Was für ein Buch! Amerika betrachtet aus zwei völlig gegensätzlichen Perspektiven: von ganz unten und von ganz oben; aus der Sicht der golfspielenden Country Club-Mitglieder und aus der Sicht jener, die im Wohnwagenpark leben und dort Ravioli direkt aus der Dose essen. Das brisante Detail in dieser Geschichte ist, dass hier Ober- und Unterschichtler miteinander verwandt sind. Blue Gene Mapother kommt nämlich eigentlich aus einer politisch einflussreichen, elitären Familie. Wegen diverser Streitigkeiten zieht er es jedoch vor, das Leben der kleinen Leute zu leben. Als dann allerdings sein Bruder im Wahlkampf die Hilfe des so volksnahen Blue Gene braucht, nimmt die Geschichte eine ganz neue Wendung.
Unterhaltsame, gesellschaftskritische Amerika-Studie. Oftmals bitterböse und zynisch, immer wieder auch amüsant und witzig. Alle Leser von T.C. Boyle werden ihre Freude an diesem Roman haben, in dem man die Vereinigten Staaten von einer ganz anderen, unschönen Seite kennenlernt.
Bewertung
4/5
16.03.2016
Buch (Taschenbuch)
Ein junger Familienvater aus reichen...
Ein junger Familienvater aus reichen Haus kandidiert im ländlichen Teil der USA für den Kongress. Damit ändert sich in der kleinen Stadt alles. Beobachtend, klug und voller Humor.
Bewertung
4/5
16.03.2016
Buch (Taschenbuch)
Politik und Big Business auf der...
Politik und Big Business auf der einen Seite, familiäre Zwistigkeiten und sorgfältig begraben geglaubte Geheimnisse auf der anderen -
ein Gesellschaftsroman aus der US-Provinz.
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4/5
14.07.2019
Buch (Taschenbuch)
Auffällig ist die ziemlich übertriebene,...
Auffällig ist die ziemlich übertriebene, fast kitschige Darstellung der amerikanischen Gesellschaft während des Wahlkampfes. Dennoch ist es eine fesselnde Familiengeschichte.
Joey Goebel bedient sich in Heartland dem Voyeurismus, der besonders der modernen bürgerlichen Gesellschaft, der anscheinend schwindenden Mittelschicht, wahrscheinlich sehr gefallen mag. Fremdschämen ist das Schlagwort, wenn wir Menschen wie Blue Gene begegnen. Er trägt einen Vokuhila, Schnauzbart und ärmellose Shirts, weil die so viel bequemer sind als welche mit Ärmel, wie er behauptet. Er verkauft 80er Jahre Spielzeug auf einem Flohmarkt, und das ist dann auch schon seine einzige Tätigkeit der er nachgeht. Seinen Job bei Walmart hat er aufgegeben und bedauert es, nicht aktiv am Kriegsdienst teilnehmen zu können. Seit einem Unfall hinkt er. Von seinen Freunden hat er sich mehr und mehr abgewandt und vegetiert in einem Trailerpark nur so dahin. Aber wir fremdschämen uns nicht lange wegen Blue Genes ärmlichen Lebens, denn es gibt auch noch andere bedauerliche Protagonisten in Heartland. Sein Bruder John Mapother zum Beispiel, Spross aus der gleichnamigen Tabakdynastie, will für den Kongress kandidieren. Eigentlich leidet er unter Lampenfieber und Panikattacken, zudem ist er trockener Alkoholiker, was nicht unbedingt die besten Voraussetzungen sind um einen Wahlkampf zu bestreiten. Deren despotischer Vater und Familienpatriarch Henry, und deren tief religiöse Mutter Elizabeth beschließen Blue Gene in den Wahlkampf mit einzubeziehen, denn wenn jemand die Stimmenaus dem einfachen Volk, für die eigentlich als reiche Firmenbosse verschrienen Mapothers erreichen kann, dann nur das eigentliche schwarze Schaf der Familie.
Der erste Roman, den ich von Joey Goebel gelesen habe, war Ich gegen Osborne. Er schildert darin, einen Tag im Leben eines Schülers. Sein außergewöhnlicher Stil hat mich da schon gefesselt; ich war ganz hin und weg von seiner wirklich markanten Erzählweise und mit Heartland hat er mir bewiesen, welch erzählerisches und literarisches Talent in ihm steckt. Die bruchstückhafte Vergangenheit Blue Genes und seiner Familie wird in Rückblenden und Gesprächen erzählt, wobei anfänglich der Wahlkampf, mehr als einmal kommen Propaganda und Wahlkampfsprüche hier zur Geltung, eindeutig im Vordergrund steht, und die familiären Verstrickungen sich erst gegen Ende des Buches auflösen.
Man könnte Goebel nun eine etwas triviale Handlung, Heartland gleiche einer Seifenoper vorwerfen, allerdings wäre so eine Kritik vorschnell und nicht gut durchdacht. Ein dunkles Familiengeheimnis umgibt die Mapothers und es geht auch ein bisschen um eine oder zwei Liebesgeschichten, allerdings will ich hier nicht zu viel von der Handlung erzählen, denn gerade durch diesen ganz eigenen außergewöhnlichen Ablauf, bekommt die ganze Erzählung ein überzeichnetes und surreales Bild, dass so vermute ich zumindest, sehr wohl vom Schriftsteller gewollt war. Er bezieht dadurch ganz klar keine Stellung was nun die amerikanische Gesellschaft, Patriotismus oder deren Außenpolitik angeht, obwohl er genau jene Themen satirisch porträtiert. Ist Goebel nun ein Patriot oder ist er keiner? Diese Frage wurde ihm in mehreren Interviews gestellt und ich finde, dass es eine unerhebliche Frage ist, die eigentliche sollte lauten: Ist er ein guter Literat, oder ist er keiner? Ich für meinen Teil kann sie beantworten und freue mich schon wahnsinnig auf Vincent, dass in diesem Moment auf meinen SuB(=Stapel ungelesener Bücher) um einige Plätze vorgerückt ist.
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