Revolte in der Region. Zur Tiroler Erhebung 1809
Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchives Band 16

Revolte in der Region. Zur Tiroler Erhebung 1809

Buch (Gebundene Ausgabe)

€68,00

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Beschreibung

WANN UND WIE ENTSTAND DER MYTHOS VOM "HELDENZEITALTER TIROLS"?

Die Zeitgenossen, die den Krieg, die vielen Toten, die Plünderungen und Brandschatzungen miterlebt hatten und nach dem Scheitern des Aufstands die Aufteilung des Landes auf drei Staaten mitansehen mussten, waren weit von einer derartigen Interpretation entfernt.

Martin Schennach geht in seinem Buch Mythenbildungen auf den Grund und dokumentiert den Wandel der geschichtswissenschaftlichen Sichtweisen auf das Jahr 1809. Die Reduktion des Aufstandes auf einen "Kampf für Gott, Kaiser und Vaterland" erweist sich dabei als ebenso korrekturbedürftig wie die verbreitete Vorstellung einer Beteiligung des gesamten Landes.

Ein umfangreicher Abschnitt des Buches behandelt den "Krieg im Land" und wendet sich Fragestellungen der "neuen Militärgeschichte" zu.

Themen u. a.:
- Einquartierungen
- Truppenversorgung
- Verhältnis Aufgebote bzw. Militär und Zivilbevölkerung
- Plünderungen in Innsbruck
- Beutezüge nach Oberbayern
- Gewaltexzesse im Unterinntal im Mai 1809
- Kämpferinnen und misshandelte Mädchen
- Behandlung der Gefangenen
- Verwundetenversorgung
- militärische Besatzung
- Befriedung des Landes
- Unterschiede der strafrechtlichen Behandlung der Aufständischen

AUS DEM INHALT:

I. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
1. Forschungslage
1.1 Perioden der Tiroler Geschichtsforschung zu "anno neun"
1.2 Inhaltliche Schwerpunkte
1.3 Überregionale Zugänge
1.4 Neue Betrachtungsweisen und methodische Vorüberlegungen
2. Quellen
2.1 Zur Überlieferungsgeschichte
2.2 Selbstzeugnisse
2.3 Militärschriftgut
2.4 Verwaltungsschriftgut
3. Ereignisgeschichte
3.1 Tirol und die Koalitionskriege
3.2 Der Krieg von 1809
3.3 Allgemeine Bemerkungen zu Krieg und Kriegsfolgen in Tirol
II. KONTEXTE
1. (K)Ein Tiroler Sonderweg?
2. "Wehrhaftigkeit des Tirolers" und Selbstverständnis
2.1 Die Tiroler Landesverteidigung bis 1809
2.2 Der Mythos vom wehrhaften Tiroler
2.3 Landespatriotismus um 1800
3. Tirol als bayerische Provinz
3.1 Eine neue Art des Herrschens?
3.2 Traditionen des Widerstands
3.3 Integration auf Ebene des materiellen Rechts
3.4 Integration auf Ebene des Organisationsrechts
3.5 Exkurs: Anmerkungen zu Frage der Rechtsimplementation
3.6 Symbolische Integration
III. MOTIVATION DER AUFSTÄNDISCHEN
1. Methodische Probleme: Interessensvielfalt und -gegensätze
1.1Allgemeines
1.2 Die Berufsgruppe der Gastwirte als Beispiel
2. Thesen zur Motivation der Aufständischen
2.1 Die Patriotismusthese
2.2 Die politische Partizipationsthese
2.3 Die Subsistenzthese
2.4 Die These vom Religionskampf
IV. LEGITIMATIONEN DES AUFSTANDES: "Kampf für Gott, Kaiser und Vaterland"?
1. Allgemeines
2. Die historiographische Beurteilung
2.1 Allgmein
2.2 Die Ausnahmen: Voltelini und Merkl
3. Legitimation - wem gegenüber? Die Adressaten
3.1 Legitimation "nach außen"
3.2 Legitimation "nach innen"
4. Legitimationsmuster
4.1 Tirol
4.2 Europa
4.3 Gegenrevolution oder Revolte? Zur Kontinuität von Legitimationsmustern vor und nach 1789
V. ORGANISATION DES AUFSTANDES
1. Kommunalismus als Strukturprinzip
1.1 Organe
1.2 Willensbildung
2. Überörtliche Verwaltungsansätze
2.1 "Herrschaft" anno neun
2.2 Revolutionäre Gesetzgebung? Legislative Maßnahmen während der Erhebung
2.3 Norm und Praxis: Die Organisation der Landesverteidigung
VI. DER KRIEG IM LAND
1. Die Zivilbevölkerung
1.1 Einquartierung
1.2 Die Truppenversorgung
1.3 Eigentumsdelikte
1.4 Handlungsmöglichkeiten der Zivilbevölkerung
1.5 Entwürfe von Weiblichkeit (und Männlichkeit) zwischen Zuschreibung und Faktizität
2. Kriegsgefangene
2.1 Allgemeines
2.2 Gefangennahme
2.3 Haftbedingungen
3. Verwundetenversorgung
4. Kriegswahrnehmung
4.1 Allgemeines
4.2 Das Kampfgeschehen und die Gefährdung des Soldatenkörpers
5. Kriegsgräuel
5.1 Allgemeines
5.2 Der Mai 1809
5.3 Exkurs: Der Brand von Schwaz am 15. Mai 1809
5.4 Vergleich der Revolte in Tirol mit den Aufständen in Spanien und Süditalien
VII. PAZIFIZIERUNG
1. Militärische Besatzung und Besatzungsregiment
2. Strategien der Pazifizierung
2.1 Entwaffnung der Bevölkerung
2.2 Gravamina und Supplikationen
2.3 Gesetzgebung und Verwaltungspraxis
3. Die strafrechtliche Behandlung der Aufständischen
3.1 Einleitung
3.2 Die normativen Grundlagen
3.3Unterschiede zwischen der bayerischen und französischen Rechtslage
3.4 Strafpraxis
VIII. DIE BEWÄLTIGUNG DER NIEDERLAGE
1. Vergeltungstheologie als zeitgenössisches Erklärungsmuster
2. Der Mythos des wehrhaften Tirolers nach 1809
2.1 Erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
2.2 Zeit bis zum Ende der Monarchie
2.3 Zwischenkriegszeit und Nationalsozialismus
2.4 Nachkriegszeit
IX. SCHLUSS

Univ.-Prof. DDr. Martin P. Schennach MAS, geb. 1975 in Innsbruck; Studium der Geschichte, Germanistik und Romanistik in Innsbruck, Jena und Wien (Promotion unter den Auspizien des Bundespräsidenten 2001) sowie der Rechtswissenschaften in Innsbruck und Wien (Promotion 2004); Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung in Wien (62. Ausbildungskurs 1998-2001); Habilitation aus "Rechtsgeschichte" (2008) sowie aus "Österreichischer Geschichte" (2011); seit 1. Oktober 2012 Universitätsprofessor für Rechtsgeschichte in Innsbruck;

mehrere Wissenschaftspreise (u. a. Preis des Deutschen Rechtshistorikertags, Preis des Fürstentums Liechtenstein für wissenschaftliche Forschung an der Universität Innsbruck, Leopold Kunschak-Wissenschaftspreis, Eduard Wallnöfer-Wissenschaftspreis, Preis der Landeshauptstadt Innsbruck für wissenschaftliche Forschung, Franz-Gschnitzer-Förderungspreis)

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

01.01.2009

Verlag

Wagner Innsbruck

Seitenzahl

724

Maße (L/B/H)

24,5/17,3/5 cm

Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

01.01.2009

Verlag

Wagner Innsbruck

Seitenzahl

724

Maße (L/B/H)

24,5/17,3/5 cm

Gewicht

1616 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7030-0462-9

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