Der große autobiographische Roman des Schamanen und Bestsellerautors Galsan Tschinag: Nach vielen Jahren des Unterwegsseins kehrt er zu seinem Volk zurück, den Tuwa im Nordwesten der Mongolei, und läßt sein Leben Revue passieren –sein Leben als Häuptling, als deutschsprachiger Schriftsteller, als Vermittler zwischen den Welten der Tradition und der Moderne. Und er erinnert sich an die Erfüllung seines Lebenstraums: 1995 führte er sein Volk in einer großen Karawane in den Hohen Altai zurück, ihr einstiges Siedlungsgebiet, in dem sie ihre ursprüngliche nomadische Lebensweise wieder aufnahmen.
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4.0/5.0
Hans Peter Weiß
aus Ahrensburg
4/5
27.05.2010
Buch (Taschenbuch)
Rückkehr als Neubeginn
Galsan Tschinag hat in vielen seiner lesenswerten Bücher die Kulturkontraste zwischen globaler Konsumzivilisation und archaischen Lebens- und Wertvorstellungen zum Thema seiner Dichtung gemacht. Die Rückkehr nennt er einen autobiografischen Roman. Das stimmt insofern als Tschinag in diesem Buch von sich selbst erzählt. Im Wesentlichen beschreibt er die Ereignisse, die mit seiner Rückkehr zu seinem Volk nach vielen Lebensjahren als Globetrotter in Verbindung stehen und an die er verschiedene Reflexionen knüpft. Dabei ist sein Blick weniger in die Vergangenheit als in die Gegenwart und Zukunft gerichtet. Vor noch nicht 20 Jahren hat er Stammeshaupt und Schamane sein Volk aus der Zwangszerstreuung in die alten Stammesgebiete im Altai-Gebirge und zu seiner nomadischen Lebensform zurückgeführt (beschrieben in Die Karawane). Mit der Rückkehr verlegt er seinen Lebensmittelpunkt ganz zu seinem Volk und teilt so die Lebensweise und die Sorgen dieses Volkes nicht mehr als nur beobachtend Handelnder, sondern als Mitlebender. Ist Die Rückkehr zugleich eine Bilanz der Lebenserkenntnisse und gewonnener Weisheit? Bei Tschinag war im Grunde immer alles schon da, beobachtet, be- und verarbeitet, geordnet und literarisch verfasst. Vielleicht fand er in der literarischen Verarbeitung auch eine notwendige Distanz zu den Ereignissen selbst, die sein Leben geprägt haben. In Die Rückkehr wird diese Distanz aufgehoben, es findet auch eine Demaskierung statt, die Lebensbrüche und Eitelkeiten hervortreten lässt. Man kann dieses Buch nicht schnell lesen, sondern nur bedächtig. Auch der zum Teil manieristische Stil dieses Bericht-Romans lässt ein schnelles Lesen nicht zu. Vieles ist in zu weitschweifig erzählt und Manches zu autozentrisch. Natürlich dreht sich eine Autobiografie immer um den Autor selbst, aber hier ist es streckenweise doch ermüdend und die Selbstbescheidung, von der gelegentlich die Rede ist, eher kokettes Spiel.
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