Mary Shelleys »Frankenstein« ist neben Bram Stokers »Dracula« der zweite große Archetypus des modernen Horrorgenres. Im Unterschied zum Fürsten der Finsternis ist Shelleys Hauptfigur kein übernatürliches Wesen, sondern ein künstlich erzeugter Mensch, der durch die Grausamkeit und Ignoranz seiner Umwelt erst zu dem Monster wird, für das ihn alle halten. Wirklich monströs hingegen sind die ganz normalen Menschen: mit ihren kalten Herzen und ihrem Wahn, die Welt im Griff zu haben.
Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon.
Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.
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4.8/5.0
Libertine Literatur
5/5
16.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Von einem Monster ohne Namen und einem Mann
Als Mary Wollstonecraft Shelley ihren Roman ›Frankenstein oder Der moderne Prometheus‹ schrieb, war sie kaum 20 Jahre alt.
200 Jahre sind vergangen, doch Frankenstein scheint nicht in Vergessenheit geraten zu sein.
Mary Shelleys Debütroman erzählt die Geschichte des jungen Wissenschaftlers Viktor Frankenstein und seines Monsters. Aus den Leichenteilen verschiedener Verstorbener sucht sich Frankenstein die Teile für den Menschen zusammen, den er erschaffen will, wie Prometheus der Sage nach einst den Menschen erschuf.
Doch Viktor verwendet für die Erschaffung seines Menschen keine durchschnittlichen Leichenteile.
»Da die Feinheit der einzelnen Teile lange Zeit zu ihrer Nachbildung erfordert hätte, beschloß ich, entgegen meiner ursprünglichen Absicht, dem Wesen eine gigantische Statur zu geben.«
Und mit dieser Entscheidung nimmt der Roman den Verlauf hin zu jener Schreckensfigur, die auch heute noch aus zahlreichen Gruselfilmen bekannt ist. Viktor wollte einen Menschen erschaffen, doch erschuf er etwas, dessen Aussehen Grauen und Abscheu in den Menschen hervorrief.
Viktors Vorhaben glückt. Doch er kann seinen Erfolg nicht genießen. Ihm graut vor dem, was er geschaffen hat.
»Und da – da stand im bleichen, gelblichen Lichte des Mondes, das durch die Fenstervorhänge drang, das Ungeheuer, das ich geschaffen hatte.«
Viktor flieht, als sein Monster zum Leben erwacht. Und ab diesem Moment erinnert nur noch wenig im Roman an die zum Klischee verkommene Frankensteins Monster-Gestalt vieler Filme.
Viktors Leben wird sich von diesem Moment an verändern, Tote begleiten von nun an seinen Weg. Doch sind die Treffen von Frankenstein und seinem Monster im Roman hingegen zumeist von Gesprächen begleitet, deren Substanz sowohl über das junge Alter der Autorin als auch über das Innenleben des Monsters staunen lässt.
Denn bevor Viktors Ungeheuer in die Fußstapfen des Monsters tritt, und sich dem nähern wird, was Viktor Frankenstein und seine Zeitgenossen bereits von Geburt an in ihm sehen, ist er eine Kreatur, die sich ein Leben zu gestalten sucht. Doch da Viktor noch vor einem ersten Gespräch vor ihm flieht, muss das Monster sich allein in der Welt zurechtfinden, es muss lernen, wie die Menschen sind und wie sie sprechen.
»Alle Menschen verfolgen mich mit ihrem Haß. Und warum muß ich gerade so gehaßt werden, der ich doch selbst so über alle Maßen elend bin?«
Doch da das Monster bei den Menschen keinen Platz finden kann, die es wegen seiner monströsen Gestalt ablehnen, wünscht er sich von Viktor Frankenstein, dass er ihm eine Frau erschaffen soll: Das Monster will nicht allein sein. Doch Viktor lehnt ab.
Und da Viktor nicht bereit ist, seinem Monster ein Leben in Zweisamkeit und mit potenziellen Nachkommen zu gewähren, lässt das Monster ein solches Leben auch für Viktor Frankenstein nicht mehr zu. Die beiden Geschöpfe werden einander ähnlich in ihrem Los, auf sich allein gestellt zu sein und während sie sich aneinander annähern, ist auch Frankensteins Name im heutigen Austausch auf das namenlose Monster übergegangen.
Lange hat ein Buch meine Erwartungen und Vorstellungen nicht mehr so stark überstiegen wie Mary Shelleys ›Frankenstein‹. Statt einen schaurigen Gruselroman, der über die Ebene des guten Doktors gegen ein böses Monster nicht hinauskommt, stieß ich auf einen Roman, der sich mit dem Menschlichen in seiner Ursprünglichkeit befasste.
Auch heute lohnt es sich noch, diesen über 200 Jahre alten Roman zu lesen und Frankensteins Monster auf eine ganz neue Art kennenzulernen.
Bewertung
aus Hamburg
5/5
22.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Grandiose Gruselgeschichte
Die Handlung ist fesselnd und moralisch. Anstatt das Monster als Ungetüm darzustellen, fühlt der Leser mit diesem mit und verzeiht ihm aufgrund seiner menschlichen Fehlbarkeit selbst grausige Verbrechen. Empfehlenswerte Literatur für Grusel und Klassiker Fans!
C. Welser
aus Salzburg
5/5
24.05.2019
Buch (Taschenbuch)
Wer ist das Monster?
Mary Shelleys Geschichte ist nicht nur ein Glanzstück inmitten des klassischen Horrors, es ist vor allem auch auch sprachlich ein Meisterwerk. Trotz zahlreicher Verfilmungen darf man als Leser zudem Überraschungen im eigentlichen Buch erleben. Gerade auch im englischen Original besonders schön zu lesen.
Katha
4/5
22.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Die Geschichte hinter dem "Monster"
Ich schließe mich der Meinung anderer User an: die Geschichte entspricht nicht dem, was uns die Filmindustrie zeigt. Selbst kannte ich Frankensteins "Monster" nur aus Filmen wie "Van Helsing" usw., in denen den Zuschauern ein Klischee-Frankeinsteins-Monster präsentiert wird. Allerdings eröffnet einem Mary Shelleys Werk einen anderen, durchdringenderen Blick auf und in dieses Wesen. Es ist - obwohl ein künstlich erzeugtes Etwas - doch auch eines mit menschlichen Zügen und Empfindungen, die es nicht so wirklich zu vermitteln weiß.
Mary Shelleys Buch "Frankenstein" ist trotz der wechselnden und nicht genau abzugrenzenden Erzählperspektiven, die zu leichter Verwirrung führen können, zu Recht ein wichtiges Werk der Weltliteratur, das man gelesen haben sollte. Mary Shelleys Schreibstil empfinde ich als fließend und leicht zu lesen. Der Lohn der Lektüre dieses Werkes ist der Blick in das Gefühlsleben des "Monsters".
Bewertung
5/5
29.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolute Herzensempfehlung – Diese Schmuckausgabe ist ein echtes Kunstwerk!
Mir ist diese Schmuckausgabe neulich bei Thalia aufgefallen und ich musste sie sofort mitnehmen. Ich liebe Frankenstein über alles, aber was die Optik angeht, übertrifft diese Ausgabe einfach alles.
Erst dachte ich mir schon: 30 oder 40 Euro sind eigentlich echt viel Geld für ein Buch. Aber mal ehrlich, wir geben so oft Geld für irgendeinen Quatsch aus und Bücher sind für mich einfach die wahren Schätze, da ist das ein absolutes Muss.
Man muss sie einfach mal in der Hand gehabt haben, um zu verstehen, warum die ihr Geld wert sind. Der Einband ist nicht einfach glatt, sondern der Druck hat eine richtige Struktur. Man spürt die Linien und Details auf dem Hardcover förmlich in der Hand, wenn man mit den Fingern drüberfasst und die Bilder berührt.
Das sieht so sensationell aus, dass ich jetzt ernsthaft vorhabe, all meine Lieblingsbücher auszutauschen.
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