Die Lüge Aus "Suchende Seelen"
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
19.11.2008
Verlag
GRINSeitenzahl
32
Maße (L/B/H)
21/14,8/0,3 cm
Gewicht
62 g
Auflage
4. Auflage
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-640-21531-7
Aber solche Geschichten brauchte sie deswegen doch nicht zu
machen, und das Geschrei in der Nacht hätte sicher nicht sein
müssen. Das ganze Pensionat wurde in der Nacht gestört durch
diese gellenden fürchterlichen Schreie.
Die Pensionärinnen, die mit ihr in dem großen Schlafsaal lagen,
waren einfach empört. Andere Kinder hatten doch auch schon
Bronchialkatarrh gehabt, aber keine hatte es so getrieben wie die
Janowitzky, und mit keiner waren solche Geschichten gemacht
worden. Die besten Suppen - bekam sie. Das schönste
Stückchen Braten - bekam sie. Und gab es Wurst zum
Nachtmahl - sie bekam sicher ein Schnitzel oder ein Stück
Huhn ... Und jeden Tag kam der Herr Regimentsarzt wegen ihr
ins Pensionat und fand nicht, daß ihr etwas Besonderes fehle.
Dennoch trieb sie es immer ärger und lag nun schon lange zu
Bett, während die anderen sich plagen mußten zur
Weihnachtsprüfung.
Die Erbitterung gegen die Janowitzky verband sich mit einem
heimlichen Neid. Wie gut sie es hatte Und beklagen durfte man
sich auch nicht. Sagte man früh etwas der Präfektin ...: "Bitte,
Fräulein, sie hat schon wieder geschrien in der Nacht, sie macht
es zu Fleiß, damit wir nicht schlafen können ..." gleich bekam
man einen Verweis: "Seid doch nicht so herzlos, dankt Gott, daß
ihr gesund seid"
Interessant wollte sie sich machen, das war das Ganze. Niemand
hatte sich früher um sie gekümmert. Die Mädchen aus der
Provinz wurden von den kleinen Wienerinnen nicht als
gleichwertig betrachtet. Nicht einmal beim Vornamen nannte
man sie: die Janowitzky aus Krakau, die Liebich aus Winterberg,
die Jungmann aus Saaz, die Fekete aus Ungarisch-Hradisch u. s.
f. Während die Käthe, die Alma, die Mizzi, die Fini, die Irene,
die Paula und noch viele andere sich zusammenschlossen und
sich allein als "das Pensionat" betrachteten.
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