Wie vieles, was Honoré de Balzac geschrieben hat, beruht auch dieser empfindsame Roman auf biographischen Erlebnissen des Autors und bringt die landschaftlich herrliche Touraine, seine Heimat, in stimmungsvollen Bildern in Szene. Erzählt wird in geradezu minutiöser Ausfächerung die Liebesgeschichte des jungen Felix de Vandenesse zu der tugendstrengen Frau des Comte de Mortsauf, einem grämlichen Aristokraten, der seine Frau tyrannisiert. Sie erträgt seine Launen geduldig und widersteht der feurigen Liebe des jungen Vandenesse als fromme Christin. Wenn diese »Lilie im Tal« auch die so jählings geweckten Leidenschaften niederkämpft, auf ihrem Sterbebett bricht die Wahrheit durch: ihr Jammer über das versäumte, verlorene Liebesglück, ein Wehruf der um die Erfüllung ihrer geheimsten Wünsche betrogenen Kreatur.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
5/5
19.11.2023
eBook (ePUB)
grandios geschrieben
Balzac hat in diesem Buch einige schlechte menschliche Charaktereigenschaften, wie z.b. Geltungssucht, Eitelkeit und Gier in einer amüsant bis spannenden Geschichte verarbeitet.
Er hält uns Menschen gekonnt den Spiegel vor. Das Buch ist natürlich in dem zu Balzac´s Zeiten üblichen Sprachgebrauch geschrieben. Aber wenn man einmal in dieser schönen Geschichte drin ist, liest es sich ziemlich flüssig. Das Buch hat mir beim Lesen richtig Spaß gemacht,
daher kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.
Bories vom Berg
aus München
5/5
14.01.2015
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Scheitern In dem gewaltige…
Vom Scheitern In dem gewaltigen Zyklus «Die menschliche Komödie» von Honoré de Balzac, der von den geplanten 137 Romanen und Erzählungen «nur» 91 Werke fertig stellen konnte, ist der 1843 erstmals in einem Band herausgegebene, dreiteilige Roman «Verlorene Illusionen» das umfangreichste und wohl auch schönste Werk. Die vorliegende Neuübersetzung von Melanie Walz macht die Lektüre dieses im Stil des literarischen Realismus erzählten, grandiosen Gesellschaftsromans sprachlich zu einem Leseerlebnis besonderer Art, ist es ihr doch gelungen, den vor etwa 180 Jahren geschriebenen, anspruchsvollen altfranzösischen Text in ein flüssig zu lesendes, modernes Deutsch zu transferieren. Gleichwohl wird dem Leser volle Aufmerksamkeit abverlangt in diesem großangelegten Sittengemälde, sowohl was die gewaltige Zahl an Figuren anbelangt als auch das adäquate Milieu, der uns Heutigen unbekannte Erfahrungshintergrund der damaligen Epoche, insbesondere in Hinblick auf die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und künstlerischen Gegebenheiten im Frankreich der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Hilfreich dabei sind die Vorworte aus Balzacs Feder zu den ursprünglich drei einzelnen Bänden sowie insbesondere ein umfangreicher Anhang, in dem neben einem kenntnisreichen Nachwort der Übersetzerin vor allem deren umfangreiche Anmerkungen zum Text mir unabdingbar erscheinen zum tieferen Verständnis des Geschehens. Julien Chardon, ein auffallend schöner junger Mann, der sich für einen großen Dichter hält, wird von Madame de Bargeton protegiert, unumstrittene Grande Dame der Salons in der Provinzstadt Angoulême. Als sie mit ihm nach Paris geht, schämt sie sich dort plötzlich seiner Armut und Provinzialität wegen und überlässt ihn einfach sich selbst. Es gelingt Julien, sich in der Boheme der französischen Metropole als Journalist nach oben zu arbeiten, in die Gesellschaft eingeführt zu werden. Eine schöne Schauspielerin wird seine Mätresse, er lebt in Saus und Braus, bekommt aber schon bald Missgunst und Neid zu spüren und gelangt in einen finanziellen Abwärtsstrudel, dem er auch durch Glücksspiel und, als letzte Rettung, das Fälschen dreier Wechsel auf seinen Freund Daniel Séchard nicht entkommt. Er flüchtet aus Paris und kehrt nach Angoulême zurück. Daniel, der Juliens Schwester geheiratet hat, arbeitet dort verbissen an einer Erfindung zur Papierherstellung und vernachlässigt sträflich seine Druckerei, er bringt sich damit letztendlich in den Ruin. Die bei Fälligkeit präsentierten Wechsel kann er nicht einlösen und landet schließlich im Gefängnis. Julien als Schuldiger an diesem Unglück will sich daraufhin das Leben nehmen, trifft aber auf der Landstraße einen geheimnisvollen spanischen Abbé, der ihn von seinem Vorhaben abbringt. Er gibt ihm sogar das Geld für Daniel, mit dem der sich von allen seinen Schulden befreien kann, und macht ihn zu seinem Sekretär unter der Bedingung, dass er ihm blind gehorchen müsse, wofür er ihm in Paris eine glänzende Karriere ermöglichen werde. Es sind in der Tat viele Illusionen, die Balzac als auktorialer Erzähler in seinem Roman platzen lässt. Er führt seine vielen überaus lebensvollen Figuren zielstrebig durch eine weit ausholende Handlung, immer mit dem Ziel, die Usancen und Hintergründe der vornehmen Gesellschaft und des korrupten Literaturbetriebs sowie der Theaterwelt seiner Zeit detailliert und so realistisch wie möglich darzustellen. Insoweit handelt es sich bei seinem Werk auch um ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte. Dünkel und Hochmut, Missgunst, Neid und Hass sind Auslöser absolut skrupelloser Ränkespiele und korrupter Machenschaften in dieser Erzählung, dem Sieg des Bösen stehen nur wenige ins Positive weisende Lebenslinien gegenüber, ein fürwahr pessimistisches Menschenbild, das Balzac da entworfen hat. Wer sich die Zeit nimmt, genüsslich in diesen Kosmos einzutauchen, dem stehen viele anregende Lesestunden bevor mit einem Klassiker der Weltliteratur.
buchwürmchen
aus reutlingen
4/5
23.09.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der junge, aufstrebende…
Der junge, aufstrebende Dichter Lucien gerät in der französischen Provinz ins Intrigenspiel zwischen der alteingesessener Aristokratie und liberalem Bürgertum. Seine Geliebte, flieht mit ihm auf abenteuerliche Weise nach Paris und verlässt ihn dort, weil er als „Unterprivilegierter“ in der Pariser Gesellschaft keinen Aufstieg findet. Lucien taucht in Künstlerkreise ab, verdient sein Lebensunterhalt bei einer Zeitung, erfährt Auf und Ab im Moloch aus Drahtzieher und Intriganten, steigt schnell, fällt noch schneller und kehrt resigniert in die Heimat zurück. Am Ende bleibt offen, was aus Lucien wird, Balzac krönt ihn aber zum Helden eines anderen Romans. "Verlorene Illusionen" ist eine detailreiche Schilderung des gesellschaftlichen Lebens am Anfang des 19. Jahrhunderts. Wer sich von dicken Schwarten nicht in die Flucht schlagen lässt, wird an diesem Buch seine Freude haben.
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