Gert Jonkes Blick auf die Welt war von Anbeginn doppelbödig, mehrgleisig, vielschichtig. Auf der einen Seite war da immer und zentral der, um den sich alles dreht, zum einen, weil er der Mittelpunkt des Geschehens ist, sodann aber auch, weil ihm leicht schwindlig wird. Und schwindlig wird ihm, weil auf der anderen Seite sie steht, zu der es ihn hinzieht, als sei es das Selbstverständlichste überhaupt auf der Welt, und das ist es ja auch. Haben sie sich dann endlich gefunden, wird das Glück so unsagbar, dass nur noch Gert Jonke dafür Worte findet.Er ist nämlich ein begnadeter Euphoriker, aber auch ein aus Erfahrung klug gewordener, der weiß, dass es außer ihm und ihr auch noch die gibt, die sich ihnen in den Weg stellen. Die Turbulenzen, die sich daraus ergeben, sind der Turbo der Handlung in vielen von Jonkes Theaterstücken. Was da oft im Gewand des Skurrilen und Wunderlichen auftritt, ist zwar in Wahrheit nur das verkleidete Tragische, das die Liebe zu verhindern sucht, aber es hat nicht mit dem Sehnsüchtler Jonke gerechnet. Die Sehnsucht ist nämlich das Gefühlsziel aller Jonkeschen Helden.Als Dramatiker zweimal mit Österreichs bedeutendstem Theaterpreis, dem Nestroy, ausgezeichnet, gilt Jonke längst als Sprachzauberer und Bühnenpoet, der mit dem Blick des Paradiesvogels auf die Welt schaut: von oben und von innen zugleich. In diesem Band, der alle Theaterstücke enthält und von Joachim Lux kundig herausgegeben ist, lässt sich das auch lesend nachvollziehen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
aus Wilhelmsburg
4/5
16.06.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Inhalt des Sammelbandes
Da es schwierig ist, online eine Liste zu finden, welche Stücke nun tatsächlich in diesem Sammelband enthalten sind, hier das Inhaltsverzeichnis:
- Damals vor Graz
- Die Hinterhältigkeit der Windmaschinen
- Sanftwut oder Der Ohrenmaschinist
- Opus 111
- Gegenwart der Erinnerung
- Es singen die Steine
- Insektarium
- Die Vögel
- Chorphantasie
- Redner rund um die Uhr
- Seltsame Sache
- Die versunkene Kathedrale
- Freier Fall
Es fehlt das Stück "Platzen Plötzlich" aus dem Jahr 2008. Da der Sammelband zeitgleich erschienen ist, ist dieser Mangel darauf zurückzuführen. Trotzdem ein Punkt Abzug in der Bewertung, weil der Titel in die Irre führt.
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