Guten Tag mein Fraund
Die Redewendung „Mögen hätt’ ich schon wollen, trauen hab ich mich nicht gedurft!“ beschreibt eine feine menschliche Situation: Der Wunsch ist vorhanden, doch der Mut zur Umsetzung fehlt, sodass der Mensch im Zögern oder in der Angst verharrt. Gleichzeitig lässt sich diese Aussage auch in einem tieferen, ethischen und spirituellen Zusammenhang verstehen, besonders im Hinblick auf Humor und seine Grenzen. Denn nicht jeder Scherz ist harmlos: Humor, der auf Kosten anderer geht, sie verletzt oder demütigt, wird in vielen spirituellen Sichtweisen als negativ betrachtet, da er die Würde des Menschen beeinträchtigt und andere dazu verleiten kann, sich daran zu beteiligen. Demgegenüber steht ein anspruchsvoller, feinsinniger Humor, wie ihn etwa Karl Valentin und Heinz Erhardt verkörpern. Ihr Witz beruht auf sprachlicher Raffinesse und gedanklicher Tiefe und erschließt sich oft erst nach einem kurzen Moment des Nachdenkens. In diesem Licht kann das „Nicht-sich-Trauen“ auch als Ausdruck von Bewusstsein verstanden werden – als Zurückhaltung, die davor schützt, anderen zu schaden. So verbindet sich diese Haltung mit der Einsicht, wie sie sinngemäß im Buch Das Schwarze sind die Buchstaben anklingt: Nicht alles, was gesagt werden kann, muss auch gesagt werden.
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