Unter den zahlreichen „Novellen“ Gustav Meyrinks ragen die komisch-satirischen Prosastücke – viele davon kleine Meisterwerke ihres Genres – besonders hervor. In kurzen Erzählungen und Fabeln entwirft Meyrink, der sich später als Autor düster-phantastischer Romane einen Namen machen sollte, ironische Porträts der Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Für den vorliegenden Band wurden einundzwanzig dieser Erzählungen ausgewählt: Satiren gegen Militär, Obrigkeitsstaat oder volkstümliche „Heimatkunst“, literarische Parodien und Geschichten, deren Komik bisweilen ins Groteske umschlägt. Bis heute haben sie nichts von ihrem Reiz eingebüßt – und das Bild dieses Schriftstellers bliebe unvollständig ohne Tschitrakarna und Amadeus Knödlseder, ohne Tarquinius Zimt, Hiram Witt, Kunibald Jessegrim und andere bizarre Figuren aus dem Kabinett des Gustav Meyrink.
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3.0/5.0
Bewertung
3/5
08.09.2019
Buch (Taschenbuch)
Der andere Meyrink
Gustav Meyrink kennt man als Autor düster-phantastischer Romane. Allen voran sein Klassiker „Der Golem“.
Dieser Band zeigt die andere Seite des Autors. Es sind dies Geschichten, die sich einer Kategorisierung entziehen, deren Gemeinsamkeit darin beruht, der aufmerksamen Beobachtung des Zeitgeschehens am Anfang des vergangenen Jahrhunderts zu entspringen. Meyrink betrachtete das Weltgeschehen, schaute dem „Volk aufs Maul“, und bearbeitete dies zu seinen skurrilen, augenzwinkernden und phantasievollen Erzählungen.
Diese Tagesaktualität macht die Geschichten historisch interessant, für den heutigen Leser aber auch nicht leicht nachempfindbar. Und die teils in Wiener, Berliner oder Hamburger Dialekt geschriebenen Dialoge erfordern etwas Mühe beim Lesen.
Fazit: Sehr interessant, wider Erwarten jedoch keine leichte Kost.
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