Dies ist die Geschichte eines Obergefreiten, der 2003 sieben Monate lang das alltägliche Grauen des Irak-Kriegs erlebt, die brutalen Aktionen seiner Kameraden gegen die Zivilbevölkerung, und der schließlich, zutiefst verstört, seinen Heimaturlaub nutzt, um mit seiner Familie unterzutauchen und nach monatelanger Odyssee durch die USA nach Kanada zu flüchten. Ein in atemberaubendem Tempo geschriebenes Buch. Die Zeit über den in ferner Zukunft zu drehenden Film zum Buch: Was Key und seine Familie erlebt haben, ist der Stoff, aus dem sie in Hollywood in zehn Jahren Filme machen werden. Wenn der Irak-Krieg als großes Scheitern in die Geschichte eingegangen sein wird. In dem Film geht es um einen einfachen, bibeltreuen Mann, der zum Vaterlandsverräter wird. Aber der Verräter besitzt jene Portion Kühnheit und Trotz, die Menschen zu Helden macht. Und vor allem erzählt er von der Größe einer Liebe, die alles niederringt, den Druck der Armee, die Not.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Mario Pf.
aus Oberösterreich
4/5
20.05.2008
Buch (Gebundene Ausgabe)
Abschreckend
Aufgrund seiner Desertion und mangels einer Amnestie war Joshua Key gezwungen sein lange Zeit in Ehren gehaltenes Heimatland zu verlassen und ist nun amerikanischer Asylwerber in Kanada. Politisches Asyl wegen Gefahr auf Verfolgung in der eigenen Heimat verliehen zu bekommen, ist nun sein Ziel, denn soweit sind die USA schon. Gerade die Töchter und Söhne der Unterschichten müssen im Krieg, an Schauplätzen wie den Irak oder Afghanistan ihr Leben für undurchsichtige Ziele einsetzen, die sich seit 2003 bereits mehrmals geändert haben. Folterskandale erschütterten die Weltöffentlichkeit, doch das Image der USA war zu diesem Zeitpunkt bereits erheblich geschädigt, nachdem die Truppen der Koalition der Willigen sich als äußerst repressive Besatzer und kontraproduktiv, anstatt den Terrorismus zu bekämpfen, zum Verursacher von Aufständen wurden, die eine ganze neue Generation für den Dschihad gegen die amerikanischen Kreuzfahrer hervorbrachte.
Mit dem kanadischen Journalisten Lawrence Hill hat Joshua Key in Interviews seine Geschichte erzählt, die nun in diesem Buch zusammengefasst wurde. Alle darin enthaltenen Ereignisse hat Joshua Key selbst erlebt und sind daher aus erster Hand gesichert, Gerüchte, Geschichten usw. kommen bestenfalls am Rande vor, stattdessen erhält man einen eindrucksvollen Einblick in das Leben eines einfachen Besatzungssoldaten gewährt, dessen Gewissen ihm schlussendlich zum Verhängnis wurde.
Wie er sich selbst beschreibt, wurde Joshua Key als bibeltreuer Südstaatler und typischer Bush-Wähler aus der Unterschicht geboren, der schon bald lernte mit Waffen umzugehen und in einem Wohnwagen aufwuchs. Damit gehörte er sozusagen zum White Trash der US-Gesellschaft, jenen die es nicht geschafft aufs College zu kommen und Karriere zu machen oder einen Beruf zu erlernen. So wurde Key zum idealen Ziel der Army-Rekruteure, die seine Mutter damals zwar noch verjagte, deren Worte aber eine unheilvolle Saat im jungen Mann hinterlassen hatten. Jahre später, als Familienvater und unter dem Existenzminimum lebender ging die Saat auf und sich bei der Army zu verpflichten wurde für ihn zu einer attraktiven Möglichkeit, seinem tristen Leben zu entfliehen. Mit dem Versprechen seines Rekruteurs nie in den Krieg ziehen zu müssen und einem Handschlag unter Männern schien es besiegelt, doch alles kam anders, als 2003 der Krieg ausbrach und sich der junge Soldat in einer Einheit wiederfand die mit Stolz verkündete in jedem größeren Konflikt der USA dabei gewesen zu sein.
Anfangs, so gesteht auch Joshua Key, war er überzeugt davon, das richtige zu tun, um Terroristen zu bekämpfen, den Tyrannen Saddam Hussein zu stürzen und die Welt von Massenvernichtungswaffen zu befreien. Doch der Alltag im Kriegsgebiet, die Häuserdurchsuchungen, die Gewalt gegen Zivilisten weckten sein Gewissen. Heute leidet er am posttraumatischen Stresssyndrom und muss zugeben, dass seine Fahnenflucht vielleicht der einzige Weg gewesen ist, der nicht unweigerlich zu einem Tod im Irak oder zum Selbstmord geführt hätte.
Fazit:
"Ich bin ein Deserteur" ist eine unbedingt lesenswerte Geschichte, schildert sie doch aus erster Hand das Verhalten amerikanischer Besatzungssoldaten im Irak und ist somit ein zeitgeschichtlicher Augenzeugenbericht von hohem Wert.
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