Ignatius von Loyola (1491–1556) gehört zu den großen Visionären der christlichen Religionsgeschichte. Als Pilger zwischen zwei geistigen Welten, der Kirche des ausgehenden Mittelalters und der durch Reformation und Tridentinum geprägten katholischen Kirche der Frühen Neuzeit, hat er die geistige und politische Stabilisierung des Katholizismus, mehr noch die Lebensart und Kunstrichtung des barocken Zeitalters entscheidend beeinflußt. Im Herzen der ignatianischen Lehre steht die von ihm erfundene Form der Introspektion, mit der die in der Seele wirksamen göttlichen und dämonischen Kräfte erkannt werden sollen. Wie kein anderer hat Ignatius diese individuell erlebte Frömmigkeit in seinen 'Exerzitien' auch als konkrete Anleitungen formuliert. Damit prägt der Gründer des Jesuitenordens die praktische Ausübung des Glaubens nicht allein innerhalb seiner Gemeinschaft, sondern in der gesamten katholischen Kirche bis heute. Auf fundiert wissenschaftlicher Basis, dabei jedoch in verständlicher, essayistischer Weise skizziert Helmut Feld das geistige Profil des Ignatius von Loyola. Er beleuchtet neben dessen Lebensgeschichte vor allem die philosophische und theologische Vorstellungswelt, die sich in seinen schriftlichen Werken, aber auch seinem religiösen Handeln erschließt. Im Vordergrund steht dabei die Gründung und Frühgeschichte der Gesellschaft Jesu. .
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17.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lesenswerter Einstieg in die Geisteswelt der Jesuiten
Helmut Felds Werk bietet einerseits mehr, andererseits weniger als man von einer Biographie erwartet. Der Titel sollte eher lauten: „Ignatius von Loyola und der Jesuitenorden, eine Einführung und geistesgeschichtliche Verortung“; denn der mit einer Fülle von Fußnoten sowie Quellen- und Literaturangaben versehene Text ermöglicht nicht nur einen Einblick in die Lebensgeschichte des Heiligen, sondern widmet sich auch den religionsgeschichtlich relevanten Zeitgenossen und gibt einen Abriss über die Geschichte der Gesellschaft Jesu bis ins einundzwanzigste Jahrhundert nebst Kurzportraits von großen Jesuiten sowohl des alten wie des neuen, wiedererrichteten Ordens.
Der von der Hassliebe des einstigen Studenten der römischen Jesuitenuniversität Gregoriana zum Orden und zur Geistigkeit des Ordens durchdrungene Stil ist nicht rein, aber doch ausreichend, wissenschaftlich um intellektuell zu befriedigen.
Für die zahlreichen Druckfehler ist nicht der Autor, sondern der sparsame Einsatz von Lektoren durch die modernen Verlagsleitungen, verantwortlich zu machen. Sie sind bisweilen unfreiwillig komisch, wenn etwa aus „Gottes eingeborenem Sohn“ dessen „eigeborener“ wird (was ja, wenn man an die Eizelle Mariens denkt, auch nicht ganz falsch ist).
Das Buch ist durchaus ein Lesegenuss, hätte aber, um zu einem großen Wurf zu werden, stringenter komponiert und mit einem deutlicheren roten Faden versehen werden müssen.
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