Am 25. April 2004 wurde Dr. Heinz Fischer mit 52,4 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt; am 8. Juli 2004 erfolgte die feierliche Angelobung – von Anfang an stellte er das Streben nach sozialer Gerechtigkeit, den Kampf gegen Armut, den Schutz der Schwachen und Schwächsten in den Vordergrund, setzte aber auch deutliche Zeichen gegen Rassismus und Gewalt und gab überzeugende Bekenntnisse zu Kunst und Wissenschaft ab. Es ist die Würde des Menschen, die für ihn unverrückbar als zentraler Wert Bestand hat. In diesem Buch nimmt Dr. Heinz Fischer zu den Überzeugungen, die ihn leiten, Stellung, zudem enthält es Ausschnitte aus seinen wichtigsten Reden und Texten und spannt damit einen weiten Bogen von den 60er-Jahren bis zur Gegenwart. Es gibt Einblick in sein politisches Denken, erzählt seine politische Laufbahn und fasst seine Gedanken, Sorgen und Hoffnungen für den weiteren Weg Österreichs zusammen
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Mario Pf.
aus Oberösterreich
4/5
14.05.2008
Buch (Gebundene Ausgabe)
Politik braucht ein Gewissen
Als Gewissen der Nation hat der lang gediente Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer 2004 den Präsidentschaftswahlkampf gegen die spätere EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner gewonnen. Schon 2006 wurde Fischer dann in einer Umfrage des Nachrichtenmagazins News zum beliebtesten Österreicher des Jahres gewählt. Ob er das seinen ebenfalls 2006 erschienenen "Überzeugungen" zu verdanken hatte? Wer weiß, zumindest brachten diese ihm sicher einen Popularitätsschub und im Ranking vor Natascha Kampusch.
Eine politische Biografie kann sehr vieles sein, eine kommentierte Schilderung der politischen Karriere kommt einem bei dieser Bezeichnung natürlich zuerst in den Sinn. Zum Teil sind Heinz Fischers "Überzeugungen" das auch, aber sie vereinen ebenso diverse Reden und Texte aus mehr als vier Jahrzehnten seiner politischen Tätigkeit (von einem Schüleraufsatz über einen Parlamentsbesuch, bis zur Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele 2006), mit einer im Sommer 2006 geführten Interviewserie zwischen ihm und dem ehemaligen Kreisky-Kabinettchef Dkfm. Alfred Reiter.
Als 1938 geborener ist Fischer noch ein echter 68er und so widmete er sich etwa in seinem Aufsatz "Die Verbrechen Stalins" und späteren Texten dem Gedankengang ob ein Zweck auch die Mittel heiligen kann. Fischer kommt zur Schlussfolgerung, dass er das nicht kann und man diese "Erpressung mit der einzigen Alternative" mit allen Mitteln vermeiden sollte, womit er sich auch gegen die Todesstrafe bekennt. Als Zugführer der Reserve und einer der einst ersten Präsenzdiener bekennt sich Fischer mit einem kräftigen Ja zum Erhalt des Bundesheeres, ebenso wie zum Friedensprojekt EU, das einen Krieg zwischen EU-Mitgliedsstaaten schon heute fast gänzlich unmöglich gemacht hat, allerdings nicht ohne sich auch für den Erhalt der Neutralität zu bekennen. Verständlicherweise vertritt Fischer eine Friedenspolitik, die auch die Reform der UNO und vor allem des Sicherheitsrates fordert, denn Frieden sollte etwas anderes sein, als nur die idealen Bedingungen für das beliebige Schalten und Walten einer Supermacht. Zudem betrachtet er einen "internationalen Rechtsstaat" als Wünschenswert, der die Position der UNO stärken würde und erstmals die Handlungsfähigkeit global agierender Konzerne einschränken könnte.
Es macht den Reiz von Politikerbiografien aus, wenn diese selbst zu sich und ihren Handlungen Stellung nehmen können, auch wenn man bestimmtes vielleicht angeblich besser weiß. Heinz Fischer ist dabei eine sehr interessante Gestalt in der österreichischen Politik, vor allem weil er vorwiegend repräsentative Ämter inne hatte und sich trotzdem weniger im öffentlichen Rampenlicht bewegte. Was hinter seinem Leitsatz der Politik mit einem Gewissen steckt, sind nun genau diese Überzeugungen, welche er mit seiner politischen Biografie vorgelegt hat. Im Wandel der Zeit hat Fischer Regierungen, von Kreisky bis Schüssel und Gusenbauer erlebt. Darüber hinaus sollte man nicht zuviel erwarten, immerhin dürfen aktive Politiker niemals den Kardinalsfehler begehen und bereits während ihrer Amtszeit mit großen Enthüllungen herauszuplatzen. So spart auch Heinz Fischer Kritik an seinen Kollegen aus, lässt Jörg Haider und BZÖ wie LIF beispielsweise sogar unerwähnt.
Fazit:
Grundsätzlich ein sehr theoretisches Werk, dem es aber gelingt, sehr eindeutig die Überzeugungen des Politikers Dr. Heinz Fischer zu vermitteln.
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