Das Buch erzählt eine Geschichte aus dem Ghetto während des Krieges. Es ist nicht eine Geschichte vom Widerstand, sondern von einem Heldentum ganz anderer Art; eine melancholisch-heitere, leise, eine kunstvoll komponierte Geschichte ist es, die ohne Phantasie und Menschlichkeit nicht denkbar wäre und deren Held Jakob ein »Lügner aus Barmherzigkeit« ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Sabrina
aus Siegen
5/5
02.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Wenn Lügen Hoffnung schenken
Jurek Beckers Roman "Jakob der Lügner" zeigt des Lügen auch Hoffnung spenden können.
Er erzählt die Geschichte des Juden Jakob, der während des Krieges im Ghetto lebt.
Jakob wird zum Helden, nicht durch Widerstandskämpfe, sondern ganz leise und unscheinbar. Er spendet den Juden im Ghetto Hoffnung durch erfundene Radiobotschaften, die eine rasche Befreiung durch die Allierten verheißen.
Auf wunderbare Weise zeigt Jurek Becker, wie eine kleine Geschichte Wunder bewirken kann. Der sprachliche Stil ist fanzinierend und lädt den Leser von der ersten Zeile an ein, der Geschichte des "Lügners aus Barmherzigkeit" zuzuhören und zu folgen.
Eine Geschichte voller Freundschaft, Hoffnung und Tragik. Einfach wunderbar!
Sehr sehr empfehlenswert!
Gisela Busemann
aus Leer (Ostfriesland)
5/5
02.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Jakob der Lügner.
Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Jakob, dem Lügner. Geschrieben von Jurek Becker, der 1995 leider verstorben ist. Bereits 35 mal wurde dieses einmalige Werk aufgelegt. Ich persönlich habe es bereits vor vielen Jahren gelesen, jedoch muss ich bemerken, dass ich damals ein etwas anderes Empfinden hatte, heute habe ich mehr gelacht als geweint. Es ist jedoch für mich persönlich zweitrangig, es war einfach eine große Freude diesen Klassiker mal wieder zu lesen. Und eines kann ich jetzt schon sagen, es wird nicht das letzte mal gewesen sein,.
Jakob lebt in einem polnischen Ghetto und hört zufällig im Radio während er zu einem Appell geladen ist, die Meldung, dass die russische Armee nicht weit ist. Er verbreitet diese Nachricht und jeder fragt sich woher weiß der das. Eine kleine Lüge seitens Jakobs, er besitze ein Radio, hat ungeahnte Folgen. Im Guten wie im Bösen. Kleinere und größere Lügen lassen die Menschen im Ghetto neue Hoffnung schöpfen. Selten habe ich so gelacht und auch geweint.
Eigentlich sagt es Louis Begley in einem ganz kurzen Satz, treffender, als ich es aussagen kann: Ich zitiere:
Die Erde weint über die Opfer des deutschen Wütens. Mahnmale und Museen ehren sie und die Kultur, die unterging, als sie umgebracht wurden. Aber am Ende finden die überall gegenwärtige Totenklage und die Trauer um die Opfer ihre klarste Stimme in einer Handvoll von Werken der ganz großen Literatur, den Büchern von Rrimo Levi, Tadeusz Borowski, Paul Celan und noch einigen wenigen anderen, Jakob, der Lügner gehört dazu.
Bitte nicht lachen, ich habe zu Weihnachten einen Wunsch an meine Stammkunden, Machen Sie sich selbst ein Geschenk, lesen Sie die Lügen des Jakobs. Es wird Ihnen nicht leid tun und Sie stellen wieder mal fest, was Worte bewegen können, im Positiven wie im Negativen.
Bewertung
aus Meine
5/5
02.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Jakob der Lügner
Lt. meinem Sohn ist das Buch prima. Er brauchte es für die Schule, 10. Klasse, Realschule. Es war genau das Richtige. Aufsatz gut gelungen :-)
Stefan Heidsiek
aus Darmstadt
4/5
02.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Die Lüge als Geschenk
Puh, was für ein Buch. Mit einer beiläufigen, klaren und oft sehr humorvollen Sprache schildert Becker den hoffnungslosen und dramatischen Alltag der Bewohner eines Ghettos unter dem menschenverachtenden Naziregime, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu heben. Stattdessen verpackt er seine Kritik an der damaligen Zeit in der Geschichte selbst. Aufgrund des auktorialen Erzählers, der selbst im Ghetto lebt und die Grausamkeiten und Probleme durch seine Erzählweise (das Dokumentarische wird mit dem Erfundenen vermischt und durch Rückblicke unterbrochen) auflockert, wirkt der Plot von Beginn an authentisch, wird er vor unseren Augen lebendig. Während andere thematisch ähnliche Romane den Leser durch das deprimierende Leid und die Schuldzuweisungen erdrückt, liest sich Jakob, der Lügner trotz eben dieses historischen Hintergrunds seltsam erfrischend, wenngleich die liebevolle Beleuchtung der Figuren dazu führt, dass man sich des drohenden Unheils stets bewusst ist. Unmöglich, das Buch einfach an die Seite zu legen, ohne sich Gedanken zu machen. Unmöglich, trotz des immer wieder aufkeimenden Glücks nicht todtraurig und den Tränen nahe zu sein. Beckers Erstlings hinterlässt tiefe Spuren beim Leser, da man sich unwillkürlich direkt angesprochen und sich zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gezwungen fühlt.
Die heimliche Hochzeit von Mischa und Rosa, die Mütze Herschels, welche er nie absetzt oder die kleine Lina unter dem Dachboden. Gerade die kleinen Episoden, die das Geschehen immer wieder aus einem anderen Blickwinkel zeigen, füllen dieses gerade mal 283 Seiten lange Buch mit soviel Leben. Jakob, der Lügner ist nicht die Anklage der Täter. Die Tragik des Romans liegt nicht in der Aufzählung von den Verbrechen an den Juden. Ghettoaufseher und Gestapopolizisten sind bis auf wenige Ausnahmen nur namenlose Vertreter des Antisemitismus, welche nur beiläufig erwähnt werden. Nein, es sind diese anrührenden Momente der aufflackernden Hoffnung, welche Jakob entfacht, die zu Herzen gehen.
Becker entlässt den Leser am Ende, wie angesichts der Geschichte nicht anders zu erwarten, ernüchtert und nachdenklich, aber auch mit der Erkenntnis, dass menschliche Freuden selbst unter den schlimmsten Umständen möglich sind. Ein Buch der leisen und bescheidenen Töne, dem jeglicher Hass gänzlich fehlt und das trotz düsterer Dramaturgie, die verschmitzte Heiterkeit des osteuropäischen Witzes einfängt.
Ein literarisches Ereignis und ein Klassiker, der einfach in jedes gut sortierte heimische Bücherregal gehört, aber auch ein Buch, für das man reif genug und bereit sein muss. Eins ist in jeden Fall klar: Vergessen wird man "Jakob, den Lügner", wohl nie. Und vielleicht war eben das Beckers Absicht.
Wagnerova
aus Bad Wildungen
5/5
10.03.2024
Hörbuch (MP3)
Würde auch 10 Sterne vergeben
Das Buch gehört definitiv zu denen, die ich mit auf eine Insel nehmen würde. Becker hat das Ghetto und Konzentrationslager erlebt und schreibt ohne Ressentiments; eine weise, anrührende Geschichte über einen Menschen, der unter schlimmsten Bedingungen Rückgrat bewahrt. Es geht nicht nur um die Hoffnung, die Jakob vermittelt; während bereits die Panzer anrollen - was er nicht weiß -, wählt er den Freitod. Nicht bereit, sich von seinen Peinigern hinrichten zu lassen. Ein tiefgehendes, bewegendes Stück über Mut und menschliche Würde.
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