Plotin (um 205–270 n. Chr.) ist der wichtigste Vertreter des antiken Neuplatonismus, dessen Denken in der gesamten Philosophiegeschichte immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Die vorliegende Ausgabe enthält u. a. folgende Schriften: Über das Schöne – Über das Gute oder das Eine – Über die drei prinzipiellen Hypostasen – Über die Natur, die Schau und das Eine – Über die geistig erkennbare Schönheit – Gegen die Gnostiker – Über die Frage, was das Lebewesen und was der Mensch ist.
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03.11.2010
Buch (Taschenbuch)
Denker und Mystiker
Plotin ist vor allem in mystischen Zirkeln ein großer und leuchtender Name. Doch zuallererst ist dieser Denker der späten Antike des 3. Jahrhunderts ein Rehabilitierender des (neu-)platonischen Systems, das ganz von Idealismus und Transzendenz durchtränkt ist (s. Platons Ideen- und Seelenlehre). Die vorliegenden Auszüge aus den Enneaden sind sehr rar ausgewählt. Schon in der Schrift "Der Abstieg der Seele in die Leibeswelt" wird Plotins Philosophie deutlich: höchstes Sein ist Göttlich-Geistiges, das (zahlenlose) EINE, in Werten ist das EINE also auch das absolute Schöne und Gute und Ewige. Würden wir dieses EINE metaphorisch als Ozean verstehen, so wellen dessen Zungen in den Menschen hinein, "hinab" bis in das Materielle und damit Geistlose, worin auch die Potenz zur Hässlichkeit und zum Böse inne wird. Der Mensch ist etwas Dreifaches: Leib, Seele und Geist. Erkennen heißt Anschauung durch den Geist, "dass 'Sein und Denken dasselbe' sind." Der geformten Natur ist die Weisheit des Geistes eingelegt dem Credo nach: nature follows form. In seiner Abhandlung "Der freie Wille und das Wollen des Einen" expliziert Plotin eine Sittenlehre auf Grundlage des Einen, des Gewollten, wonach alles menschliche Streben hin zu ihm, dem Höchsten, Schönsten und Vernünftigen: "So hat denn der Geist, indem er ein Stück von sich in die Materie dargab, still und ohne Erschütterung das All gewirkt. Es ist aber dieses Stück rationale Form [Logos], die aus dem Geiste floss; denn was aus dem Geist erfließt, ist rationale Form, und die erfließt immerdar, solange denn der Geist in der Wirklichkeit gegenwärtig ist." In diesem Satze steckt die implizite Idee vom "Weltgeist" und infolge des Logos auch vom "Weltplan", so beschreibt Plotin in "Von der Vorhersehung" das Ordnungsprinzip: "Denn da alles aus Einem herrührt, läuft es mit Naturnotwendigkeit auch wieder in Eines zusammen, daher auch das, was unterschiedlich erspross und als Gegensätzlich erstand, dennoch, weil es aus dem Einen ist, zusammengebannt wird zu einer einheitlichen Ordnung."
Harders Nachwort ist noch einmal eine gute Zusammenfassung von Plotins Leben, Werk und Wirkung. Partiell schwingen die Worte zwar ins Hymnische, aber er trennt wunderbar auch den Denker Plotin von dem Mystiker. Die eigentliche mystizistische Wirkkraft des Plotins wird auch erst durch Harder näher durchleuchtet, so der Seinsgehalt in den jeweiligen metaphysischen Stufen, die Ekstase (das Aussichheraustreten), das adeptische Streben zum Reich des mundes intelligibilis, die Koinzidenz des Erkennenden mit dem Erkannten...
Reclam wird seinem Anspruch, in das Werk Plotins einzuführen, gerecht. Der Leser erhält vor den (auch einfach zu lesenden Texten) eine Zusammenfassung sowie kurzbiographische Informationen. Empfehlenswert.
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