Havanna 1958, vor der Revolution: Im Dschungel der Nacht amüsieren sich vier befreundete Künstler in Bars, Nachtclubs und Absteigen. Sie lassen ihre erotischen Eskapaden erneut aufleben, tigern umher, hören, sehen und riechen schwarze und noch schwärzere Sängerinnen, halten Ausschau nach »Revue- Fleisch«, gabeln Nachtvögelchen auf und lecken ihre Wunden. Eine längst vergangene Welt ersteht in komischen, traurigen, erotischen und kaleidoskopischen Bildern.
Guillermo Cabrera Infante wurde 1929 in Kuba geboren. 1965 begab er sich ins freiwillige Exil nach Madrid, später nach London, wo er 2005 starb.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Zitronenblau
5/5
19.11.2011
Buch (Taschenbuch)
Ausflug in eine semantische Safari
Infantes "Drei traurige Tiger" ist ein brillantes Meisterwerk voller Sprachgewalt und köstlichem Humor. Das Buch hat sich sofort auf meinen persönlichen Olymp der Weltliteratur katapultiert.
Es ist relativ schwierig den Inhalt zusammenzufassen, da der Roman von einer disparaten Anordnung lebt wie ich sie nur selten zuvor gelesen habe. Im Grunde genommen führt der Prolog treffend ein: "Showtime!" - Havanna vor der großen Revolution. Die Protagonisten sind Silvestre und Cué, zwei komisch-intellektuelle Exoten, die sich darüber (in reflexivem Bewusstsein) lustig machen (hier wechselt Infante auch die erzählenden Ich-Perspektiven), dass sie während ihrer rasanten Fahrt durch das nächtliche Kuba Bach hören ("Was würde der alte Bachus sagen, wenn er wüßte, daß seine Musik mit fünfundsechzig Stundenkilometers mitten in den Tropen über den Malécon von Havanna fährt?"), La Estrella, eine tragische Sängerin mit Starallüren, die jedoch scheitert (tritt immer in den "Sie sang Boleros"-Kapiteln auf), der wortwitzige Bustrófedon, dessen onomatopoetische Raffinessen die Sprache durchschütteln (insbes. Kapitel "Kopfzerbrecher") und - last but not least - ein Frau, die in elf Szenen einen Doktor die Geschichte von eine Freundin erzählt, dessen Vater eine Frau vergewaltigt hatte, und sie am Ende nicht mehr weiß, "ob ich in Wirklichkeit meine Freundin bin."
Infante holt hier alles raus, was technisch möglich ist und hierin bewundere ich ihn in ähnlicher Weise wie den Literaturgott Joyce. Es werden verschiedenste Textformen eingearbeitet: Briefe, Dialoge, innere Monologe (die sehr an das letzte Kapitel "Penelope" in Joyces Roman "Ulysses" erinnern), Lyrik (z.B. ist Bustrós Borborygma Darii angelenht an die pastiorsche "Anrufung des Realismusproblems"), Zeichnungen und Bilder, mathematische Formeln, schwarze Seiten als optische, ja haptische Metapher für den Brunnensturz, leere Seiten bei den "Enthüllungen", Lieder, Palindrome (Bustós Wortspiele versammeln alle mögichen Tropen und Stilfiguren!!!), die Geschichte vom Stock in verschiedenen Versionen, die gespiegelte Seite, das Kapitel zu Trotzki mit dramatischen Elementen, intertextuelle Bezüge zu zahlreichen Schriftstellern mit viel parodistischem Beigeschmack meist dargestellt an den mehr phonetischen Schreibweisen ("Marcel Pru"...), Selbstreferenz durch einen ironisch eingebrachten Text "NICHT ZUR VERÖFFENTLICHUNG" mit den Initialen GCI gezeichnet. Sehr handlungsintensiv ist das letzte Kapitel "Bachanal" - evident der Bezug zu den antik-römischen Bacchanalien, die ihrerseits aus den antik-griechischen Dionysien entsprangen. Der Text lebt vor allem durch den intellektuellen Dialog zwischen Cué und Silvestre, der noch einmal unter steten deliziösen Sprachwitz das persönliche, soziale, politische und kulturelle Spektrum Kubas aufgreift und einen zeitgenössisch-farbenfrohen Querschnitt vor der Revolution zeichnet.
Diesen Roman mit einem Dschungel vergleichen zu wollen, offenbart eine Analogie dergestalt, dass man sich eine Vielfalt stilistischer Tropen, exotischer Lebewesen, intellektueller Aromen sowie bunter kubanischer Klänge und Bilder darunter vorstellen möge. "Drei traurige Tiger" (übrigens an ein kubanisches Lied angelehnt) ist ein Epos promiskuitiver Spracherotik, eine - wie es im Buche steht - semantische Safari durch das tragikomische Havanna bei Nacht.
Mit diesem literarischen opus magnum schenkt Infante der Menschheit eine liebevolle Hommage an das vorrevolutionäre Kuba und zugleich bedeutet er seine Liebe zur Sprache. Diese Liebe, diesen Genuss sollte sich niemand entgehen lassen. Lob auch an den Übersetzer, dessen Herausforderung es war, die Musikalität dieser tropischen Sinfonie nicht zu zerstören...
huschkatz
aus Tegernsee
5/5
01.06.2010
Buch (Taschenbuch)
Drei traurige Tiger Ein sehr…
Drei traurige Tiger Ein sehr verrücktes und irres Buch, gar seitenlang Buchstaben aneinander gereit, die für einen normalen Menschen wohl keinen Sinn geben, in einer längst vergangenen Zeit in einem "Lebenden" Cuba, wie man es sich vorstellt, absolut irre und grotesk geschrieben, aber zwischendurch ergeben sich wirklich auch einmal Dialoge, die man verstehen kann, aber auch ich muß sagen, ab und zu habe ich mich schon gefragt, warum ich das lese??, doch ich kann mich noch genau an einzelne Szenen erinnern von diesem Buch, es ist schone in paar Jahre her dass ich es gelesen habe, wie dem auch sei, wer mal ganz was anderes lesen möchte, sollte dies mit diesem Buch tun, eine schöne Story, aber man muß schon verrückt genug sein um es wirklich bis zum Ende zu schaffen!
Daniel Erni
aus Basel
5/5
25.05.2010
Buch (Taschenbuch)
Kuba vor Castro
Der Roman "Drei traurige Tiger" von Guillermo Cabrera Infante spielt im Jahre 1958 in Havanna, kurz vor der kubanischen Revolution. Noch ist der korrupte Diktator Batista an der Macht. Cabrera Infante erzählt die Geschichte dreier junger Männer, die sich in den nächtlichen Strassen, in Bars und Absteigen amüsieren. - Ein farbenfroher, komischer, trauriger, farbenfroher und erotischer Roman!
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