»Heinrich Böll zeigt, was so selten gezeigt wird: den Alltag einer Liebe.« Marcel Reich-Ranicki »Ich bin ein Clown, im Augenblick besser als mein Ruf.« Hans Schnier, einst ein gefragter Pantomime und Spaßmacher, sitzt, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, zum Bettler degradiert auf den Stufen des Bonner Bahnhofs.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Christiane Strecker
aus Neuss
5/5
16.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Immer gut bei Liebeskummer
Dieses Buch ist auch die kritische Auseinandersetzung von Heinrich Böll mit der katholischen Kirche und den christlichen Parteien des Nachkriegsdeutschlands, ich liebe dieses Buch aber wegen seiner traurigen und ergreifenden Liebesgeschichte, die mich immer wieder tief berührt.
Bories vom Berg
aus München
5/5
27.05.2013
Buch (Taschenbuch)
Das muss ihm erst mal einer…
Das muss ihm erst mal einer nachmachen! «Ich glaube, dass kein Buch so missverstanden worden ist wie die Ansichten eines Clowns. Es war eigentlich nur eine Liebesgeschichte, wirklich nicht mehr.» Darf man als Leser dem Autor widersprechen? Und dem Großkritiker Reich-Ranicki gleich mit, der vom «Alltag einer Liebe» sprach? Ich meine ja, denn für mich ist dieser berühmte Roman von Heinrich Böll keine Liebesgeschichte, es wäre nämlich eine lausig schlechte. Es geht um viel mehr in diesem Roman, die Liebe spielt keinesfalls die Hauptrolle, und wenn Böll das anders sieht, dann hat er das Grandiose in seinem Werk ungewollt und unbewusst geschaffen. - Was ja nicht weiter stört beim Lesegenuss! Schon der Buchtitel spricht doch Bände: Es geht um Ansichten, also Subjektives, dem in der Regel andere Meinungen gegenüberstehen, was Streit bedeutet. Und es geht um einen Clown, eine komische Figur mithin, der immer auch Tragik anhängt, wo Lachen und Weinen zusammengehören, wie jeder weiß, der mal im Zirkus war. «Ich bin ein Clown», lässt Böll seinen Helden sagen, «und ich sammle Augenblicke». Und so ist es denn auch diese sehr spezielle Perspektive eines gesellschaftlichen Außenseiters, die entlarvend und anklagend zugleich ist und einem die Augen öffnet für die alltägliche Unmenschlichkeit, gestern wie heute, für das permanente Versagen Derjenigen, die Gottes Ebenbild sind, wie wir uns einreden lassen von der Bibel. Das ist Thema dieses Romans, nicht die Liebe zwischen Mann und Frau! Fünfzig Jahre nach seinem Erscheinen ist Bölls Roman als hintersinnige Parabel auf die Gnadenlosigkeit der menschlichen Gesellschaft immer noch unvermindert gültig und nach wie vor ergreifend. Konformismus, Oberflächlichkeit, Scheinmoral, Heuchelei und Verlogenheit seiner Mitmenschen machen Bölls Protagonisten Hans Schnier, Clown von Beruf, wütend und angriffslustig, aber auch zutiefst melancholisch in einer Geschichte, die kein gutes Ende nehmen kann, das merkt der Leser schon am Anfang sehr deutlich. In der Ich-Perspektive, mit einfachen Worten und ohne komplizierte Syntax erzählt, in wenigen Stunden eines einzigen Nachmittags sich ereignend, zeigt uns der Roman in vielen Rückblenden, oft in Form ausgedehnter innerer Monologe, die Geschichte einer nur wenige Jahre andauernden Beziehung zwischen Hans und seiner Marie, eine von ihrer Umgebung argwöhnisch betrachtete, außereheliche Liaison, gemischt konfessionell obendrein. Als Roman, was die Rezeption anbelangt, leicht verständlich also, schwer verdaulich allerdings, was die Thematik betrifft. Denn es gelingt dem begnadeten Erzähler Böll, dass der Leser sich, ungewollt und unbewusst zunächst, mit seinem Protagonisten identifiziert, die gleiche Ohnmacht spürt wie er, genau so leidet an der Lieblosigkeit und Gedankenlosigkeit vieler Mitmenschen, am damals wie heute fragwürdigen Zeitgeist, am Tanz ums Goldene Kalb. Getroffene Hunde bellen, und so war denn der Aufschrei der Katholiken im Erscheinungsjahr 1963 entsprechend laut, denn jede Form von Doppelmoral, die ganze verlogene Religiosität entlarvt Böll äußerst gekonnt aus einer ironisch-sarkastischen Perspektive. Als kleines Beispiel sei der ehrwürdige, hochangesehene Prälat genannt, in dessen Haus gleich mehrere gestohlene Madonnen stehen. Und dass der Hund am Wahlplakat der CDU sein Bein hebt und nicht nebenan bei der SPD, das kann doch auch kein Zufall sein. Trotz aller Tragik gibt es also öfter Grund zum Schmunzeln für den Leser dieses grandiosen Romans. Wenn am Ende der Clown als bettelnder Straßenmusikant am Bahnhof sitzt, ist er nicht gescheitert, sondern ist er selbst geblieben, hat sich nicht verbiegen lassen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Respekt, das muss ihm erst mal einer nachmachen!
Bewertung
4/5
16.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Wenn Kirche und Staat das Leben bestimmen
Heinrich Böll erzählt die Geschichte des mittellosen Hans Schnier, der an seiner enttäuschten Liebe zu Marie, aber auch an den Konventionen der Gesellschaft verzweifelt. Marie, die er überaus liebhat, jedoch nicht ihre Ansichten über katholische Erziehungsformen teilt, verlässt ihn, um mit einem regeltreuen Katholiken ihr Leben zu verbringen und eine Familie zu gründen. Hans widersetzt sich den gängigen Normen und durchschaut die Perfidität und Scheinheiligkeit einiger Zeitgenossen. Mit seinen Eltern verwirft er sich komplett, da sie überzeugte Nationalsozialisten waren und er ihnen die Verantwortung für den Tod seiner Schwester anlastet. Alles in allem sind Anpassung und Gehorsam nicht sein Ding. Sein Dasein als einst angesehener Clown wird zunehmend schwieriger und sein sozialer Abstieg ist unausweichlich.
Der Roman wirkt heute etwas aus der Zeit gefallen, doch bei seiner Veröffentlichung hat er heftige Diskussionen über Moral und Glaubensgrundsätzen ausgelöst und die Kritik der katholischen Kirche auf sich gezogen.
Mir gefällt einerseits die Sprache von Heinrich Böll. Seine klaren und prägnanten Formulierungen sind schnörkellos und gut lesbar. Andererseits handelt es sich bei diesem Buch um eine interessante Milieustudie.
Zitronenblau
3/5
16.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Das Jammern eines Clowns...
Bölls Anklage richtet sich gegen die Gesellschaft und vor allem gegen die Banalität der Werte. Gestern noch Nazi, heute überzeugter Theologe (vornehmlich katholisch) oder Funktionär - so sind sie, die Deutschen der Nachkriegszeit, wobei Böll sicher nicht alles und jeden meint, aber schon eine Richtung vorgibt. Dass daran die Liebe zu seiner Marie zerbricht, sehe ich nicht ganz so. In den Erinnerungen, inneren Monologen etc. wird für mich auch ein Marie zum Weinen bringender Zynismus des Clowns deutlich, der sich auch nicht gerade mit rühmlicher Selbstlosigkeit feiern kann. Sicher, Ich-Bezogenheit gibt die sonst so einfache und gut zu lesende Struktur des Textes vor, aber das menschliche Wesen sei in seiner Kritikfähigkeit dazu aufgefordert, sich von sich dabei zu reflektieren... Daher bin ich trotz der eindeutig berechtigten Klagegesänge des Clowns etwas skeptisch gegenüber diesen und seiner fast provokativ daherkommenden Gegenposition, die weniger realistisch als konstruktiv wirkt. Insgesamt konnte ich auch nicht allzu viel lachen. Dennoch lesbar und empfehlenswert.
Magdalena Berger
aus Grieskirchen
3/5
16.04.2021
Buch (Taschenbuch)
traurige Geschichte
Hans Schnier kehrt ohne Geld und ohne seine Freundin Maria nach Bonn, in seine Wohnung zurück.
Seine Eltern um Geld zu bitten kommt nicht in Frage, seine Mutter war im Krieg eine überzeugte Nationalsozialistin, er sieht in ihr nur eine Heuchlerin. Für ihn ist sie auch Schuld am Tod seiner Schwester Henriette.
Schnier verfällt immer wieder in Erinnerungen an seine Freundin Marie.
Ein Mann der seine Hoffnungen und seinen Glauben an das Leben verliert.
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