Was mir besonders gut an der Handlung gefällt ist, dass zwei Geschichten erzählt werden. Erst einmal lernen wir Bastian kennen, der sich einsam fühlt. In der Schule ist er ein Außenseiter. Sein Vater versinkt in Trauer um Bastians Mutter und sieht deswegen nicht, dass es seinem Sohn ebenfalls nicht gut geht. Als Bastian eines Tages den Roman Die unendliche Geschichte entdeckt, kann er seinem trostlosen Alltag entfliehen. Die Handlung lässt ihn nicht mehr los. Phantasien muss nämlich gerettet werden. Und zwar von Atreju.
Zum einen geht es im Hörspiel um die Rettung Phantasiens. Die Handlung bringt also fast alles mit, was wir von einer phantastischen Geschichte erwarten. Froh war ich, dass das Gut / Böse Thema nicht im Mittelpunkt stand, sondern vor allem innere Konflikte ausgetragen wurden.
Zum anderen entwickelt sich auch Bastian im Roman weiter. Gerade am Anfang gehört er eher zu den Nebenfiguren, weil Atreju und sein Gefährte, ein treuer Glücksdrache, im Vordergrund stehen. Doch unmerklich wird Bastian zur Hauptfigur in diesem Roman. Ihm steht eine herausfordernde Aufgabe bevor, die ihn an seine Grenzen bringen wird.
Michael Ende schafft, äußere und innere Konflikte zusammenzubringen. Der äußere Konflikt ist die Frage, wie eine Welt gerettet werden kann. Im inneren Konflikt geht es vor allem um die Frage, ob oder wie Bastian glücklich wird. Beide Elemente sind gut ineinander verwoben und gehen fließend ineinander über.
Die Hörspielgestaltung hat mich leider etwas enttäuscht. Zuerst zum Positiven: Alle Sprecher:innen haben mir sehr gut gefallen. Sie haben stimmlich gut zusammengepasst und mir ein bisschen Phantasien ins Wohnzimmer gebracht. Positiv hervorheben möchte ich auch, dass der letzte Track des Hörspiels dafür gebraucht wurde, um die wichtigsten Sprecher:innen namentlich zu nennen. Toll fand ich, dass nicht einfach alle Namen öde aneinandergereiht wurden, sondern man einen kurzen Auszug aus dem Hörspiel eingeblendet hat, in dem die jeweilige Stimme zu hören war. Da es sehr viele Nebenfiguren gibt, habe ich dadurch einen schnellen Überblick bekommen, wer hinter welcher Rolle steckt.
In diesem Hörspiel gab es auch manche Rollen, die von denselben Sprecher:innen gesprochen wurden. Da unglaublich viele Sprecher:innen an diesem Hörspiel mitgewirkt haben, habe ich im Steckbrief nur diejenigen aufgezählt, die in den Hauptrollen zu hören waren.
Was mir außerdem sehr gut gefallen hat, war das Stilmittel der zwei Erzähler:innen. Da wir zwei Perspektiven haben, nämlich Bastians und die von Atreju in Phantasien, bewegen wir uns in zwei Welten. Um diese Welten besser voneinander abzugrenzen, gab es zwei Erzähler:innen. Anna Thalbach begleitet Bastian in seinem Alltag, während wir mit Hans Kremer nach Phantasien reisen.
Leider hat mir die Umsetzung des Hörspiels etwas Mühe bereitet. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich bereits den Film gesehen und die Buchvorlage gelesen habe und somit zwei Vergleiche hatte. Mir war das Intro zu Raumeinnehmend. Es wurde von einem Orchester produziert. Es klingt zwar groß und gibt mir das Gefühl, eine große fantastische Geschichte vor mir zu haben. Aber es war mir stellenweise auch zu laut und, im Vergleich zur Geschichte, zu groß.
Außerdem hatte ich den Eindruck, dass durch das Hörspiel viel von Michael Endes sprachlichen Bildern verloren gegangen ist und die Handlung so etwas an Tiefe verloren hat. Allerdings ist das Hörspiel auch für eine deutlich jüngere Zielgruppe produziert. Ich kann mir also gut vorstellen, dass Kinder gebannt zuhören und unbedingt wissen wollen, wie es mit Atreju weitergeht.
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