Der Pass mit dem Judenstempel Eine Familiengeschichte in einem Stück Weltgeschichte 1925–1975 · Essay
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum
01.01.2001
Abbildungen
mit 12 Abbildungen
Herausgeber
Andrea WelkerVerlag
Bibliothek der ProvinzSeitenzahl
88
Maße (B/H)
12/17 cm
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-901862-12-0
2. Elsa wartete sechs Jahre, bis sie ihn heiratete. Und dann wartete sie nochmals zwei Jahre, bis sie ihren Hausrat auspackte. Erst 1927 nach der Geburt ihres ersten Kindes konnte sie sich dazu überwinden. Tochter Marianne, heute in den USA, erinnert sich: »She did not unpack her belongings after wedding, till I arrived…« Er sei schon recht, meinte die Mutter, aber das Land, aus dem er komme und in das er unbedingt zurückkehren wolle, dieses Land! Sie hatten im April 1925 in Mannheim geheiratet und lebten dann »in diesem Land« bis zu ihrem Tod. Zurück in die Schweiz? Während des Krieges konnten sie nicht, und nach dem Krieg wollten sie nicht. Doch als 1976 auch sie starb und ihrem wenige Monate zuvor verstorbenen Gatten folgte, da wurden, wie die beiden Töchter per Leidzirkular bekanntgaben, die Aschen vereint »der Erde der Schweiz zurückgegeben«. Damit entsprachen sie den testamentarischen Anweisungen, die eine offene »Bestattung« der Kremationsasche entweder auf der Schynigen Platte (in den Berner Alpen) oder in der Aare wünschten.
3. Elsi, Bürgerin von Sumiswald und Thun, hätte allerdings schon früher – 1939/40 – in die Schweiz zurückkehren können, sie war aber, wie Fritzmartin am 24. Februar 1940 den Zürcher Freunden schrieb, nicht zu bewegen, »alleine in ihre Heimat zu fahren«; sie weise »auch nur den Gedanken« entrüstet zurück. In jenen Jahren hätte sie sich aus Rassegründen von ihrem jüdischen Partner scheiden lassen können. Von den Behörden war sie nachdrücklich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht worden. Am 14. Oktober 1941 stellte das Standesamt von Mannheim jedoch gegen 60 Pfennig vielmehr ein Duplikat der Heiratsurkunde aus, welches, gestempelt mit Reichsadler und Hakenkreuz, den Abschluss der »Mischehe« von 1925 bestätigte.
4. Fritzmartin Ascher, zunächst zur Philosophie hingezogen, in diesem Fach aber zu wenig gefordert, studierte in Bern, Marburg und Heidelberg Naturwissenschaften. 1923 doktorierte er und war von da an mit Hingabe und Erfolg Lehrer, seit 1927 Gymnasialprofessor am Hilda-Gymnasium in Pforzheim. Auf Ende April 1926 war Elsi aus dem bernischen Schuldienst ausgetreten und hatte sich ihren Pensionskassenanteil nach Deutschland ausbezahlen lassen, damals – 1926 – war sie immerhin bereits 31 Jahre alt. 1927 kam ein erstes, 1930 ein zweites Kind zur Welt, und alles in allem führte man eine bürgerliche Normalfamilie des gehobenen Mittelstandes, solide und zugleich höheren Werten verpflichtet …
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