"Zweistimmig" nimmt das Leben auf dem Land und die damit einhergehenden Klischees artistisch unter die Lupe (Einfluss der Kirche, Leben in Abgeschiedenheit etc.). Der Spannungsroman inszeniert in dieser Umgebung Horror- bzw. Gruselszenarien, die jeder nachempfinden kann, der auf dem Land aufgewachsen ist bzw. dort für längere Zeit gelebt hat. Der Roman ist mir zeitweise sogar als Abrechnung mit dem Leben auf dem Land erschienen - keine frustrierte oder gar zornige Abrechnung, aber dennoch eine Kritik an vielen Aspekten, die man bei der Stadtflucht in Kauf nehmen muss.
Aber nicht nur das Umfeld und Leben der Protagonistin sind authentisch und fesselnd beschrieben, sondern auch die Reisen, die man in ihre (gespaltene?) Psyche übernimmt. Vor allem das letzte Drittel des Spannungsromans hat mir stark imponiert, da hier ein kompletter Bruch mit der bisherigen Handlung begangen wird, der uns Leserinnen und Lesern komplett den Boden unter den Füßen herauszieht.
Ein packender Roman, der viele Gefühlsebenen bewandert hat, die mir als Kind vom Land sehr vertraut sind, und der aufgrund von seinem genialen Spiel mit mehreren Metaebenen nur schwer aus Hand zu legen war.