Andreas Kemper, geboren 1963, ist freischaffender Soziologe und Beirat des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Er machte ab 2009 den Begriff ›Klassismus‹ bekannt und trug zur Selbstorganisierung von Arbeiterkindern gegen Bildungsbenachteiligungen an Hochschulen bei. Kemper gab bereits im Juli 2013 das erste Buch zur AfD heraus und warnte 2014 vor einem faschistischen Flügel (rund um Björn Höcke) der AfD. Die erste Beobachtung von Teilen der AfD durch den Verfassungsschutz ging direkt auf Kempers Analysen zurück. Er analysiert die Sprache der Rechten und antifeministische Narrative als rechte Brückenideologie. In seinem neuen Podcast »Tagebuch des Neoaristokratismus« (andreaskemper.org) dokumentiert Kemper die Re-Politisierung des alten Adels (von Storch, von Thurn & Taxis, von Beverfoerde…) über einen reaktionären Antifeminismus und zugleich die demokratiefeindlichen Tendenzen eines sogenannten ›Rechtslibertarismus‹ von Tech-Milliardären durch Sozialabbau, KI und Privatstädte.
›Klassismus‹ ist ein bislang noch wenig bekannter Begriff zur Bezeichnung der individuellen, institutionellen und kulturellen Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund des tatsächlichen, vermuteten oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen Status. Menschen in Armutsverhältnissen wird zum Beispiel gewalttätiges Verhalten oder Alkoholismus stereotyp unterstellt und medial inszeniert, obwohl diese Phänomene klassenübergreifend gleichermaßen vorkommen. Der Begriff ›Klassismus‹ beschreibt die Erfahrung persönlicher Diskriminierung von Menschen als gesellschaftliches, strukturelles Problem. Damit ergänzt und überschneidet er sich mit der Analyse von Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen.
Die Verfasser*innen zeigen die Ursprünge des Klassismusbegriffs auf, seine Alltags- und Widerstandspraxen in den USA sowie seine politische Anschlussfähigkeit im Kontext der Bundesrepublik Deutschland.