1. Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs
Johann Wolfgang von Goethe: Reineke Fuchs
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Sprache:Deutsch
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Beschreibung
Produktdetails
Family Sharing
Ja
Gesprochen von
Peter FrickeSpieldauer
1 Stunde und 16 Minuten
Abo-Fähigkeit
Ja
Erscheinungsdatum
15.11.2024
Hörtyp
Lesung
Fassung
ungekürzt
Medium
MP3
Anzahl Dateien
12
Verlag
Monarda ArtsSprache
Deutsch
EAN
9783939513100
Die sprachliche und metrische Gestaltung gewinnt ihren Reiz natürlich auch stark aus dem der ehrwürdigen Homerischen Form eigentlich kontrastierenden Inhalt. Denn der Ton in dem sonst Götter, Helden und deren (angebliche Helden-) Taten besungen werden, ist hier humorvoll auf das ebenso burleske wie beängstigende Treiben der Tierwelt bezogen. In der Wahl solch spezifischer künstlerischer Form, gewinnt Goethe gegenüber der im Grunde bis zur Verzweiflung bedrückenden Beschreibung des Zustandes dieser Welt, eine nicht nur ironische, sondern sogar eine humorvolle Position. Mit dieser nach den schlimmen Erfahrungen des Feldzugs gegen die französischen Revolutionstruppen nur mühsam wieder gewonnenen Haltung schuf er Distanz zu seiner damals besonders pessimistischen Einschätzung der Weltlage: Deren humorvoll-ironische Auffassung war für ihn eine Art Befreiung. Goethe hatte schon immer ein Faible und ein Sensorium für die kräftigen Reize der derben Sprache der Lutherzeit. Diese und der unverstellte (gesellschafts-)politische Realismus seiner Quelle ließen ihn an dem alten Stoff solchen Gefallen finden, dass er sich fast jeder inhaltlichen Erweiterung oder Veränderung enthielt: lediglich ganze sechzehn Verse hat er in zwei Passagen des VIII. Gesangs eingefügt, in denen er zum einen in heftigen Worten den Dünkel und den irrigen Wahn der Menschen, die sich dem Taumel der Revolution hingeben, als das Schlimmste brandmarkt: "Aber wie sollte die Welt sich verbessern? Es lässt sich ein jeder / Alles zu und will mit Gewalt die andern bezwingen. / Und so sinken wir tiefer und immer tiefer ins Arge." Zum andern rügt er die scheinheilige Geistlichkeit: Freilich sollten die geistlichen Herren sich besser betragen!
Historisch ist das in seiner allegorischen Lehrhaftigkeit überzeitliche Geschehen des Reineke Fuchs im Spätmittelalter angesiedelt: Staatsverfassung, Rechtsbräuche spiegeln diese Zeit, in der die bisherige Herrschaft des Faustrechts zusehends der Diplomatie das Feld räumen muß: der grobschlächtige, starke Wolf wird durch den schwächeren, aber klügeren Fuchs glorreich besiegt. Das geschieht nicht ohne ein gerüttelt Maß an schlimmen und schlimmsten Schandtaten – dennoch vermag man dem so unglaublich listigen Reineke eine gewisse Sympathie nicht zu versagen. Wenn er auch zahllose andere Tiere betrügt, schädigt, verletzt und zu Tode bringt, so ist doch allzu offensichtlich, dass diese in erster Linie Opfer ihrer eigenen Begehrlichkeiten, Triebverfallenheit und vor allem ihrer Selbstüberschätzung sowie ihrer damit korrespondierenden – zuweilen wirksam grenzenlosen – Dummheit werden.
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