Wir sind in Peru, mitten im Regenwald. Es gibt keinen Ausweg, nur die Gruppe. Wer ist der erste? Drehen wir eine Flasche. Veit ist kein normaler Achtzehnjähriger. Veit spielt ein Spiel. Es gibt nur einen, der es sicher überlebt. Setz dich doch zu uns.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
4/5
07.05.2025
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Nervenspiel – Nur einer spielt (von Benedict Friedrich) ist ein psychologisch aufgeladener und perfide durchdachter Roman, der dir Grenzen zwischen Wahn und Realität verschwimmen lässt. Er fordert, zerstört und spaltet das eigene Gewissen. Bringt Fragen auf. Gibt keine Antworten. Und spiegelt den Zerfall und die innere Zerrissenheit einer jungen Seele wider.
Veit nimmt als junger Volljähriger und Sohn einer wohlhabenden Familie an diversen Jugendreisen teil. Mit nur einem Ziel – Töten!
Diesmal führt ihn seine Reise nach Peru. Doch der Plan, den er sich immer wieder neu zurechtlegt, scheitert schon am Beginn der Reise. Als die Jugendlichen ohne Begleiter in den Dschungel starten, müssen sie sich fragen: Wer kann wem vertrauen?
Veit wird sehr vielschichtig, aber nicht tief beschrieben. Er ist klug, gerissen, charismatisch. Aber auch sehr manipulativ. Sein narzisstischer Charakter zieht den Leser sofort in den Bann. Da man in seinen Gedanken gefangen ist, ist der Roman sehr auf eine Sichtweise beschränkt. Allerdings ermöglicht dies auch einen tiefen Einblick in die Welt eines Psychopathen. Veits Gedankengänge scheinen schwer nachvollziehbar, aber mit der tiefen, düsteren Emotionalität, ohne jedoch zu viel Gefühl zu zeigen, wirken sie verständlich. Ja, Veit tut einem leid. Veit scheint tief gebrochen, ohne Hoffnung. Und das macht das Ganze so realistisch.
Die anderen Charaktere werden weniger tief beschrieben, fast schon zu oberflächlich. Allerdings passt das zu Veit. Er wirkt unnahbar. Bis er sich verliebt – und diese Liebe fast alles, was er geplant hat, kaputt macht.
Die Handlung ist spannend, nicht einschätzbar. Sie beginnt langsam, zieht sich jedoch rasant an und lässt einen nicht mehr aus dem Bann.
Die Atmosphäre des Regenwalds passt sehr gut zur Handlung. Sie macht den Roman düster, dichter, bedrohlicher. Sie ist passend, aber nicht zu übertrieben beschrieben. Die Jugendlichen stehen vor realen Problemen, die es zu bewältigen gilt.
Als Leser hat Sebastian Fischer Veits Charakter auf ein neues, düsteres, emotionales Level gehoben. Er betont die richtigen Stellen. Das düstere Lächeln bei Veits Monologen ist deutlich zu hören.
Auch kommt gegen Ende des Hörbuchs immer mehr der Psychopath an den Tag, was auch an der Tonlage und der Ruhe und Besonnenheit der Sprache erkennbar ist.
Mit vier von fünf Herzen hat mich das Buch definitiv überzeugt. Ich finde, die Erzählerleistung trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Durch die tiefe, aber dennoch irgendwie oberflächliche und geheimnisvolle Hauptfigur bin ich in den Bann gezogen worden.
Schade finde ich, dass die Handlung lange braucht, um richtig zu starten, und auch, dass die Nebenfiguren eher Stereotype sind.
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