Weder verliebt, noch in Berlin Amerika. So heißt das Kaff in der ostdeutschen Provinz, in das es Frieda verschlägt, um ihr Studium zu beenden. Selbst schuld, wer das Kleingedruckte in der Studienordnung nicht liest. Leider passt dieses Provinzloch so gar nicht zu Friedas life goal: vegane, Adorno zitierende Weltverbessererin sein, die um die W>elt trampt und ihren shit together hat - wie Freia, Friedas perfekte Zwillingsschwester. Mühelos attraktiv sein wie Freia, das ist die Devise! Sonst wird's zu viel. Und zu viel ist Frieda eh schon: zu laut, zu groß, zu viel Make-up. Immer und überall. Ob sich am Ende trotzdem body positivity und ein lebenslauftaugliches Praktikum finden lassen?
»Ein wahnwitziges Buch. So federleicht wie Franka schreiben nur die, denen das Leben noch nicht dazwischen gekommen ist.« Caroline Rosales
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
4 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Manchmal kommt es anders als man denkt
nil_liest aus RheinMain Gebiet am 13.05.2021
Bewertungsnummer: 1494309
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Krötensex – wenn man den Titel liest, geht gleich ein Kopfkino los und was für eines! Genau das hat wohl Franka Frei im Sinn gehabt bei dem Titel kombiniert mit dem abstrakten Bild auf dem Cover.
Wer kennt sie nicht, die Perioden-Expertin durch Zufall: Franka Frei, die nun einen Roman veröffentlicht hat. Sie bleibt ihren Themen treu und spielt eine kreative Coming-of-Age Geschichte durch die offener ist als Bekanntes und sehr im Hier und Jetzt verortet ist.
Frisch, aber unfrei. So könnte man auch die Protagonistin vorstellen: Frieda. Eine junge Frau, Single, studiert in Berlin „Business“ an einer teuren Privatuni. Sie ist im Bachelorstudium und steht kurz vor einem Auslandsstudium in Amerika. Tja, hätte sie mal das Kleingedruckte gelesen. Denn die Reise ist nicht weit, denn es geht nach Sachsen, dort gibt es ein kleines Kaff das eben auch Amerika heißt. Dumm gelaufen.
Es ist kein Satire-Roman oder ein witziges Feel-good-Buch. Dieser Roman über Frieda ist eine Reflektion der Generation Y, den sogenannten Millennials. Wir als Leser begleiten sie in ihrem Veränderungsprozess, ihrem anfänglichen Erwachsen werden.
Es geht viel um Ideale und Erwartungshaltungen an sich selbst und denen der eigenen Umwelt, sei es die Familie oder die Freunde. Frieda vergleicht sich viel und oft mit ihrer Zwillingsschwester Freia. Frieda sieht sie als die coolere, die Feministin, „grün“ und unabhängig. Frieda ist zerrissen zwischen den sich widersprechenden Idealen und Anforderungen an sie und arbeitet sich durch den Sumpf um sich selbst zu finden, sich selbst zu definieren. Dabei ist es vielleicht nicht schlecht statt in einer Metropole in den USA in einem kleingeistigen Dorf in der Provinz gelandet zu sein.
Das hört sich jetzt allerdings tiefgreifender an als es dann ist. Denn der Roman ist trotzdem oder gerade wegen dieser Auseinandersetzung gut zum Weglesen und macht viel Spaß! Aufgelockert durch einige Dialekte, die aus meiner Sicht gut getroffen sind und die mit voller Absicht sehr stereotypischen Darstellungen unterstützen.
Ein unterhaltsamer Roman mit viel Metaebene, der an Fahrt aufnimmt und zum Schluss ein wenig ins Rasen kommt, aber es sind ja schon knapp 450 Seiten, mehr hätte es auch nicht werden dürfen, daher auch ok, dass im letzten Drittel das Tempo anzieht.
Und warum heißt dieses Buch jetzt Krötensex? Eine Kindererinnerung der Protagonistin spielt hier eine Rolle. Lese, dann findest du es heraus!
„Zu viel"? Mehr davon!
Lesefruechte am 19.03.2021
Bewertungsnummer: 1468729
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Krötensex“ von Franka Frei ist ein Roman über das Jungsein und alles, was dazugehört. Das mag jetzt sehr unspezifisch klingen, aber die Autorin spricht in diesem Buch unglaublich viele wichtige Themen aus allen Ecken des Lebens an. Feminismus, Umweltschutz, Rechtsextremismus in Ostdeutschland, Aktivismus, Sexualität, Bodyshaming, Leistungsdruck und vieles mehr. Die Aufzählung ließe sich beliebig verlängern. Dabei sind diese Themen eingebettet in die sehr persönlichen Erfahrungen der Hauptprotagonistin Frieda und zeigen, wie sie jeden einzelnen betreffen und beschäftigen können. Sie wirken weder konstruiert noch im Kontext von Friedas Leben an den Haaren herbeigezogen. Doch worum geht es überhaupt?
Aufgrund ihres Studiums muss die zwanzigjährige Frieda ein Semester in dem mittelsächsischen Städtchen Amerika verbringen. Die ostdeutsche Provinz entspricht jedoch so gar nicht den Vorstellung, die Frieda von ihrem Leben hat, das dem Leben ihrer Schwester Freia ähnelt, die sich als Aktivistin und Influencerin in vielen Projekten engagiert, die Welt besser macht und scheinbar ein perfektes Leben führt. Dazu kommt noch, dass Frieda neben einem Semester auf dem Land, auf das sie gar keine Lust hat, noch irgendwie einen Praktikumsplatz finden muss. Außerdem hadert sie mit sich selber und den Erwartungen, die die Gesellschaft an den weiblichen Körper und das Verhalten von Frauen hat. Doch dann ist das Semester endlich vorbei und Frieda zurück in Berlin.
Frieda ist jung und lebt ihr Partyleben in vollen Zügen. Jedoch steht sie immer im Schatten ihrer Schwester. Sie ist sich unsicher über ihre eigenen Grenzen und über sich selbst, weiß nicht, wer sie ist und wohin sie will. Immer fühlt sie sich „zu viel". Im Verlauf des Romans macht sie jedoch eine starke Entwicklung durch und kommt sich selber und ihren Wünschen immer näher.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr leicht, umgangssprachlich. Die Dialoge sind geprägt von Dialekten aus allen Landschaften Deutschland. Zum ersten Mal lese ich einen Roman, in dem gegendert wird. Diese spannende Neuerung tut dem Lesefluss dabei überhaupt keinen Abbruch.
Der Autorin ist es auf beeindruckende Art gelungen, aktuelle Themen mit individuellen Erfahrungen und Problemen zu verknüpfen und das Ganze mit einem fantastischen Humor zu vermitteln. Alle Charaktere waren, auch aufgrund der Vielfalt der Dialekte, sehr authentisch und nah an dem*der Leser*in. Ich konnte mit den ersten 150 Seiten, also der Zeit, die Frieda in Amerika verbringt, wenig anfangen. Weder der Handlung, die nur aus Partys besteht, noch der Figur der Frieda, deren Lebensstil nicht gerade dem Meinen entspricht, konnte ich etwas abgewinnen. Glücklicherweise verlieren sich diese Anfangsschwierigkeiten jedoch im Verlauf der Geschichte. Ich konnte Frieda wirklich in mein Herz schließen und mich fast mit ihr identifizieren. Durch diesen ersten Teil muss sich die*der Leser*in allerdings erst hindurcharbeiten, um auf das „Kerngeschehen“ zu stoßen.
Als sehr störend empfand ich auch die sehr klischeehafte und vorurteilsbehaftete Darstellung von Sachsen als „Naziloch“. So wenig die Probleme mit Rechtsextremismus und Neonazimus ignoriert werden dürfen, so viele Menschen leben hierzulande, die sich gegen „Rechts“ tatkräftig engagieren. Das gilt auch für eine kleine Hochschulstadt, die sehr an Mittweida oder Zittau/Görlitz erinnert.
Auch wenn die Handlung nicht übertrieben spannend ist, so ist es der Autorin im weiteren Verlauf des Buches dennoch gelungen, mich immer wieder zu überraschen und mitzureißen, hinein in die Welt einer jungen Studierenden, die versucht, sich zwischen Studium, Partys, Praktika und Erfahrungen mit Männern selbst zu finden. Friedas Verhalten passt immer zu ihrem Charakter und wirkt nie überzogen oder unrealistisch.
„Krötensex“ ist ein wunderbarer, humorvoller Roman, in dem akute Fragen und Probleme im Leben einer jungen Frau sowie gesellschaftlich wichtige und aktuelle Themen kritisch aufgegriffen werden, ohne dabei belehrend rüberzukommen oder anstrengend zu wirken. Auch wenn Frieda sich oft als „zu viel“ wahrnimmt, will ich nur eins: mehr davon.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.