An einem stillen Sonntagmorgen im September kehren Lukas "Luke" Morgen und seine große Liebe Alba Jordan zurück in ihr Heimatdorf, das sie Jahre zuvor Hals über Kopf verlassen mussten. Der Plan: mit dem Geld aus dem Verkauf des Morgen'schen Anwesens ein neues Leben zu beginnen. Niemand im Dorf weiß vom Aufenthalt des Paares in dem bereits leergeräumten, verlassenen Haus, der nicht länger als ein, zwei Stunden dauern soll. Manhorn, ein 200-Seelen-Nest im Osten der Lüneburger Heide, besteht im Kern aus fünf Familien, die einander in inniger, jahrzehntelanger Abneigung verbunden sind. Ein nahezu mythischer Ort, in dem deutsche Vergangenheit und Sensibilitäten über Jahre und Jahrzehnte unter dem Deckel gehalten wurden und in dem Geografie, Geschichte und Geschichten miteinander verschmelzen. Spätestens mit dem Eintreffen des undurchsichtigen süddeutschen Großindustriellen Waldeck ist diese Welt im Untergang begriffen. Doch bleibt die Sehnsucht nach einer vermeintlich besseren Welt, und der Wandel hält auf unterschwellige Weise Einzug. Changierend zwischen Handlung, Rückblenden, den anrührenden Erzählungen des im Sterben liegenden Verwalters Homann, elegisch eingefärbten Landschaftsaufnahmen sowie Porträts einzelner Dorfbewohner entwickelt die Geschichte einen unaufhaltsamen Sog, der von Lukas Morgens klarer, verknappter und dennoch poetisch dichter Sprache diktiert wird. In atemloser Spannung begleiten wir Luke und Alba auf ihrem Weg durch ihre Woche in Manhorn, die zunehmend explosive Züge annimmt, je mehr sie sich in die Tiefen der Psyche ihres Heimatdorfes hineinbewegen. Wie im Brennglas bündelt der Roman Befindlichkeiten und hilft, im übersichtlichen Kleinen das Große zu verstehen. Das Dorf Manhorn, so wird deutlich, könnte bei allem Lokalkolorit überall sein.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Hamburg
5/5
31.05.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Düster, mitreißend, lesenswert!
Dieses Buch hat mich überrascht! Anders als der Titel zunächst vermuten lässt, ist es keine humoreske, seichte, auf's Korn nehmende Geschichte übers Landleben. Sondern ein Pschychogramm einer auf sich selbst zurückgeworfenen Dorfgemeinschaft, die in festgefahrenen Strukturen Argwohn, Hass, Gewalt etabliert hat. Mittendrin Lukas und Alba, die mit ihrer jungen Liebe zueinander auf eifersüchtige Widerstände stoßen. Das Setting ist düster, die Sicht auf die Protagonisten mitreißend. Der Autor Mischa Kopmann zeichnet mit feiner Feder eine beengte Welt, aus der Lukas und Alba zu fliehen versuchen. Das Ende hat mich ein wenig ratlos hinterlassen, wird aber der explosiven Stimmung im Dorf gerecht. Ein sehr lesenswertes Buch, das ich kaum aus den Händen legen konnte!
Lia48
4/5
14.06.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ruhigere Handlung mit eigenwilligem & schönem Schreibstil
INHALT:
Alba und Luke kehren nach Jahren wieder zurück in ihre alte Heimat. In dem beschaulichen Dorf im Osten der Lüneburger Heide, steht das ehemalige Anwesen von Lukes Eltern, welches bald verkauft werden soll. Das Paar hat eigentlich nur einen kurzen Aufenthalt von maximal zwei Stunden geplant, da es nach seinem überstürzten Aufbruch von damals, möglichst niemandem im Dorf begegnen möchte.
Doch letztendlich verläuft alles ganz anders als geplant...
MEINUNG:
Gleich zu Beginn sticht dem Leser der recht eigenwillige Schreibstil des Autors ins Auge. Dieser beinhaltet viele sehr kurze Sätze, wodurch den gewählten Wörtern eine erkennbare Prägnanz verliehen wird. Zusätzlich gibt es häufige Wortwiederholungen (z.B. mehrere Sätze hintereinander die "sagte sie" enthalten). Dies sind Eigenschaften, die ich bei manchen Büchern eher als störend wahrnehme. Doch hier hat mir das ausgesprochen gut gefallen! Es entsteht ein ganz eigener Stil und Sinneseindrücke werden regelrecht spürbar, wodurch die Geschichte sehr atmosphärisch wirkt und mich von Anfang an in seinen Bann ziehen konnte.
Auch die nicht vorhandene wörtliche Rede, trägt ihren Teil dazu bei. Ohne diese, muss man zwar manche Sätze unter Umständen mehrmals lesen um sie zu verstehen, doch dies hat gleichzeitig seinen ganz eigenen Charme.
Zwischendurch sind auch sehr schöne, leicht poetisch angehauchte Sätze dabei, z.B.: "Wir tauchen hinab auf den Grund des Sees. Über uns nichts als wogende Stille. Blau und grün. Sonne und Mond. Licht und Schatten." (S.9)
Inhaltlich beschäftigt sich das Buch viel mit der Vergangenheit von Alba und Luke (z.B. wie sie sich kennen und lieben gelernt haben). Aber auch die Dorfbewohner mit ihren zum Teil recht konfliktreichen Beziehungen untereinander, werden thematisiert (was mich manchmal ein bisschen an "Unterleuten" von Juli Zeh erinnert hat).
Es ist eine insgesamt eher ruhigere Lektüre mit wenig Handlung, was man sicherlich mögen muss. Mir wurde es dadurch an manchen Stellen etwas zu langatmig. Doch ich habe immer wieder zurück in die Handlung gefunden, deren nachvollziehbare Entwicklung ich gerne und mit großem Interesse verfolgt habe. Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht und was sich damals vor dem plötzlichen Aufbruch des Paares, tatsächlich im Dorf ereignet hat!
FAZIT: Ein ruhigeres Buch mit eher wenig, aber mit interessanter Handlung. Die Entwicklung der Geschichte hat mir gut gefallen. Besonders mochte ich den eigenwilligen Schreibstil, der dem Buch einen tollen Charakter verleiht (da Vorlieben unterschiedlich sind, würde ich trotzdem empfehlen vorher die Leseprobe anzuschauen!). Längen gab es immer wieder, aber nur für kurze Zeit. Von mir gibt es daher eine Leseempfehlung und 4/5 Sterne!
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