Wenn vom Irak die Rede ist, geht es um Krieg, um Islamismus, Terror und Hass. Es scheint so, als gäbe es dort nur Männer. Die Frauen sind unsichtbar. Frauenrechte gibt es nicht. Frauen sind nicht etwa Bürger zweiter Klasse - nein, sie sind nicht besser gestellt als Haustiere.
Auch Chalat Saeed war eine dieser unsichtbaren und unterdrückten Frauen. Mit 10 Jahren nahmen ihre Brüder sie aus der Schule, mit 14 wurde sie mit einem deutlich älteren Mann verheiratet, einem radikalen Muslim mit Verbindungen zum IS, der sie einsperrte und misshandelte. Sich von ihm zu trennen war undenkbar, schon weil er dann das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder bekommen hätte.
Doch die ganze Zeit ahnte Chalat, dass es ein anderes Leben geben muss, eines, in dem Frauen frei sind, ihre Träume zu verwirklichen. Und dass es einem Gott geben muss, in dessen Namen nicht zu Gewalt gegen Frauen und zum Terror aufgerufen wird. Und dann, eines Tages, eröffnet sich unverhofft ein Weg in dieses andere Leben ...
Dies ist ihre Geschichte.
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Ausgesprochen mutig.
Bewertung aus Berlin am 15.08.2019
Bewertungsnummer: 1238026
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr gern lese ich Biografien und die Beschreibung dieses Buches hat mich sehr angesprochen, so dass ich sehr gern in die Lebensgeschichte von Chalat Saeed eintauchen wollte. Ich finde es ausgesprochen mutig, dass Chalat Saeed mit ihrem Leben und ihren Erlebnissen mit diesem Buch an die Öffentlichkeit gegangen ist und ich bin ihr sehr danbkar dafür, weil ich so das Leben der Frauen im Irak viel besser nachvollziehen und verstehen kann.
Es ist ein Leben, in dem Frauen nichts zu sagen haben. Schon früh stirbt ihr Vater, so dass sie diesen nicht kennenlernt. In ihrer Familie haben die Brüder das Sagen und nicht immer meinen sie es gut mit ihrer Mutter und ihren Schwestern. Chalat ist die Jüngste von den Geschwistern. Schon zeitig bekommt sie mit, dass ihre Schwester verheiratet wird, ohne dass diese dazu etwas zu sagen hat. Am besten ist es, wenn man innerhalb der größeren Familie, also den Cousin oder die Cousine heiratet. Nicht so gern gesehen wird es, wenn man in eine fremde Familie einheiraten möchte, denn es ist ja nicht klar, ob diese Familie ehrenwert ist.
Schon früh im Buch wird klar, dass diese Kultur vor allem davon bestimmt wird, was andere über einen denken. Es geht viel um die Familienehre und das diese nicht, vor allem von den Frauen, beschmutzt wird. Hier reicht es schon, wenn man als Frau mit einem Mann redet. Beim Lesen habe ich oft das Gefühl gehabt, dass dies ein sehr eingeengtes Leben ist, wo man als Frau den Mund zu halten und am besten zu allem zu schweigen hat. Alles zu ertragen und über sich ergehen zu lassen kennen wir hier in Deutschland nicht und uns würde das ernorm schwer fallen.
Auch Chalat geht es so. Vor allem, als sie mit einem Mann verheiratet wird, der sie nicht möchte, der bösartig ist und der sie in ihrem Haus einsperrt und sie als wertlos betrachtet.
All dies zu lesen hat sehr mein Herz berührt und ich möchte hoffen und beten, dass die Frauen im Irak ein befreites Leben führen dürfen. Danke an Chalat Saeed für ihre Offenheit!
Dramatisch und erschütternd - bis zuletzt
Bewertung aus Schaffhausen am 30.09.2019
Bewertungsnummer: 1252079
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Buch beginnt dramatisch, mit der Verhaftung von Chalats Mann, als er wieder einmal gewalttätig geworden war. Die Szene spielt aber bereits in Deutschland und befreit die Verfasserin definitiv vom Terror-Regime ihres Mannes. "Er wird nicht zurückkommen", versichert ihr die Polizei.
Nach dieser bühnenreifen Einleitung geht es in den Irak, nach Sulaimaniyya, wo Chalat aufgewachsen ist. Erstaunlich detailgetreu und emotionslos schildert sie ihre Kindheit. Ihr Vater war schon früh gestorben, ihre vier Brüder hatten das Zepter übernommen und regierten mit der in ihrer Kultur üblichen Härte gegenüber Frauen. Von Liebe keine Spur. Chalat hatte keine Chance, sich zu wehren und war der Willkür der vier Männer hilflos ausgeliefert. Was uns im Westen völlig unverständlich erscheint, war für sie "normal". Sie fügte sich, so war das Leben unter Kurden halt, man war sich nichts anderes gewöhnt.
Beim Lesen dieses Buches hat mich am meisten erschüttert, wie lieblos Menschen miteinander umgehen können – und das im Namen Allahs. Chalats Mann ist ein Islamist, Anhänger der militantesten Richtung des Islam. Sein Machogehabe ist manchmal kaum auszuhalten. Man wähnt sich 1000 Jahren zurückversetzt – dabei schildert das Buch die Machtverhältnisse bei strenggläubigen Muslimen im 21. Jahrhundert. Sobald ein Mädchen im heiratsfähigen Alter ist, bestimmt die eigene Familie, wen sie heiraten muss, ohne dass sie selber auch nur den geringsten Einfluss hat. Mädchen werden von klein auf zu strengem Gehorsam erzogen. Frau sein heisst für sie: kochen, den Haushalt besorgen und Kinder grossziehen. Mit der Hochzeit – noch im Teenageralter – wird sie Eigentum des Mannes, er verfügt nach Belieben über sie. Sie lebt wie in einem Gefängnis. Er bestimmt, ob sie das Haus verlassen darf. Bei "Ungehorsam" wurde Chalat brutal geschlagen, einmal sogar spitalreif, mit einer gebrochenen Nase. "Warum schlägst du meine Schwester?", fragte Chalats Bruder seinen Schwager. "Weil sie nicht gehorsam ist. Es ist meine Pflicht, sie von der Sünde abzuhalten." Und Chalats Bruder: "Was Sünde ist, bestimmst du?" – Mit dem für Islamisten bezeichnenden Satz: "Allah bestimmt, was Sünde ist!" wird jede Diskussion abgewürgt. So einfach ist das! Nicht einmal die eigene Familie darf sie besuchen. Die Geburt ihrer beiden Töchter interessierte den Mann nicht, er würdigte die Neugeborenen keines Blickes. "Er war ein Mensch, der nicht ein einziges Gefühl zeigte", erklärt Chalat.
Dass ihr Schicksal kein Einzelfall ist, zeigt ein Gespräch unter Frauen. Chalat ist durch eine Näherinnen-Ausbildung in der Moschee (!) zum Magnet für Frauen geworden, die sich von ihr Kleider nähen lassen wollen. Dadurch wird ihre Wohnung immer mehr zum heimlichen Treffpunkt von Frauen, die zu Hause Ähnliches erleiden müssen. Es ist aufschlussreich, was sie über die Frauen in Deutschland schon alles gehört hatten und von einer Flucht nach Europa träumen.
Ich finde es sehr wichtig, dass dieses Buch auch von denen gelesen wird, die von einer moderaten Form des Islam träumen. Dass diese Religion 1400 Jahre nach ihrer Gründung immer noch solch brutale "Herrscher" hervorbringt und toleriert, macht mich traurig.
Das Buch ist authentisch, weil es nicht von einem Islamkritiker geschrieben wurde, sondern von einer Frau, die in diesem Milieu aufgewachsen ist. Im Irak hatte sie null Chancen, ihre Situation zu ändern. Erst als ihr Mann, ohne das Gespräch mit seiner Frau zu suchen, entscheidet, mit seiner Familie nach Deutschland zu fliehen, lernt sie eine völlig neue Welt kennen. Sie schürt keinen Hass gegen ihre frühere Religion, aber sie hat durch den Glauben an Jesus etwas viel Besseres gefunden, das ihr Leben in eine neue Richtung weist.
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