Oftmals nimmt das Abartige im Leben der Menschen einen deutlich größeren Raum ein, als man auf den ersten Blick meint.
Verschleiert hinter ihren Masken tragen sie vielerlei Dinge in sich, die wir nicht für möglich halten. Einige dieser Dinge halten sie selbst nicht für möglich. Es bedarf äußerster Vorsicht, hinter diese Masken zu sehen, damit die Menschen keinen Schaden nehmen.
Markus Lawo hat eine Reihe bekannter Autor*innen gefunden, um diese Abgründe zu ergründen.
Simona Turini
Ich habe Angst im Dunkeln
Thomas Williams
Cannibal Playground
Dagny S. Dombois
Monsterzeit
Moe Teratos
Franky
A. M. Arimont
Das Gleichgewicht des Wahnsinns
Ky van Rae
Hörst du sie schreien?
Emely Meiou
Leviathan
Markus Lawo
Nachtwache
Faye Hell
Dirty Strays
Von Menschenfressern und Blutsaugern
Elli Wintersun
Ver-rückt
Markus Kastenholz
Darkham: Purpur
Colja Nowak
Sanitarium
Julia Meyer
Leidenschaft in Rot
Jutta Wölk
The Butcher
Dante Nekro
Am Ende die Wahrheit
A. C. Hurts
Der ewige Albtraum des Max W.
Bernar LeSton
Ein inneres Bedürfnis
Kundinnen und Kunden meinen
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Vielfältig, unerwartet tief und abartig schön!
Vertigos Blacklist am 12.09.2019
Bewertungsnummer: 1246653
Bewertet: eBook (ePUB)
„Abartige Geschichten – Asylum“ überzeugt durch ein breites Spektrum von Horrorgeschichten: Diese sind irgendwo zwischen subtilem Grauen und Hardcore angesiedelt, abwechslungsreich und äußerst unterhaltsam. Die dort beschriebenen Abgründe sind so divers wie die Ängste der Menschen – ob nun im Dunkeln, bei der Nachtwache in einer Leichenhalle oder vor männermordenden Frauen, Menschenfressern und Blutsaugern.
Den Anfang macht Simona Turini mit „Ich habe Angst im Dunkeln“. Der misanthropische Rant gegen Normalos mittleren Alters lullte mich kurz in das unangebrachte Gefühl des Bekannten ein, bevor mir die Geschichte ihr wahres Gesicht zeigte. Ich entwickelte bei der Lektüre mehrerer Texte anfangs eine Erwartungshaltung, die sich nach wenigen Seiten als gänzlich falsch herausstellte. Das liegt nicht nur an den interessanten Twists, sondern ist auch dem Spiel mit bekannten Motiven und Mustern geschuldet, über die sich die Autor*Innen im Verlauf der Geschichten mit Raffinesse erheben. Das beste Beispiel hierfür ist „Das Interview“ von Andreas Laufhütte, das mit Colja Nowaks „Sanitarium“ und Faye Hells „Dirty Strays – Von Menschenfressern und Blutsaugern“ zu meinen Top 3 zählt.
Horror als das, was Menschen einander (und/oder sich selbst) antun können, weist häufig eine große Schnittmenge zum Drama auf – wer gerne Jack Ketchum liest, weiß, wovon ich schreibe. Doch es müssen nicht immer die bis aufs Knochenmehl zermürbenden Geschichten sein, die mich ansprechen: „Hörst du sie schreien?“ von Ky van Rae ist beispielsweise geprägt von einer leicht kafkaesk anmutenden Ausgangssituation, einem nachdenklichen Ton und einem versöhnlichen Abschluss. Trotz des wenig destruktiven Endes hat der Text einen gewissen Nachhall, ebenso wie Emely Meious „Leviathan“. Obwohl ihr Setting und die Grundstimmung gänzlich anders sind, bekommen die Leser*Innen auch hier mehrere Schläge in die Magengrube, deren Wirkung über die Lektüre hinaus anhält.
Diese Anthologie hat aber noch mehr als die hochkarätigen Texte zu bieten, nämlich ihre detailverliebte Ausgestaltung. Das beginnt beim Rahmen, der von Lester B. Sol beziehungsweise Bernar LeSton um die einzelnen Beiträge gespannt wird, und endet mit einer äußerst gelungenen Aufbereitung der Infos über die vertretenen Autor*Innen:
Anstelle klassischer Steckbriefe hat Herausgeber Markus Lawo – passend zum Untertitel „Asylum“ – einen Anamnesebogen eingefügt, der biografische und bibliografische Angaben der Schreiberlinge ebenso enthält wie den Grund ihrer Einlieferung in die Heil- und Pflegeanstalt des Oakwood Asylums. Die Krankengeschichten der Patient*Innen geben zum Teil schon erste Hinweise auf die folgenden Texte und haben mich vielfach zum Schmunzeln gebracht.
Meine persönlichen Lieblingsgeschichten:
Andreas Laufhütte: Das Interview
Die Geschichte punktet mit starken Bildern, von denen manche nicht für einen schwachen Magen geeignet sind. Auch die anderen Sinne kommen nicht zu kurz, wodurch in Summe ein perfektes Kopfkino entsteht. Die Geschichte ist ab der ersten Begegnung mit Bell so spannend und fesselnd erzählt, dass ich über ihr Ende leicht enttäuscht war – nicht über das Ende an sich, sondern weil „Das Interview“ viel zu interessant war, um an dieser Stelle abzubrechen.
Colja Nowak: Sanitarium
Die wohl originellste Geschichte stammt von Colja Nowak. Man nehme einige skurrile Ideen, ein Insekt und eine Frau mit multipler Persönlichkeit, die sich nachts für eine Katze hält. Dazu eine Prise schwarzen Humors, der selbst bei dem Grund der Einweisung des Ich-Erzählers in die Klinik keinen Halt macht, et voilà: „Sanitarium“. Der Text kann mit Fug und Recht dem Horrorgenre zugeschrieben werden; gleichwohl habe ich lange nicht mehr so viel und laut gelacht wie bei der Lektüre dieser wunderbar grotesken Kurzgeschichte.
Faye Hell: Dirty Strays – Von Menschenfressern und Blutsaugern
Der Prolog ist szenisch so dicht beschrieben, dass man die wichtigen Details beinahe überlesen könnte, und doch die Quintessenz begreift: In „Dirty Strays – Von Menschenfressern und Blutsaugern“ gibt es kein Schwarz und Weiß, sondern nur mehr oder weniger stumpfe Nuancen des Finsteren, das wird schon nach den ersten Seiten klar. Die Leser tappen ebenfalls einige Zeit im Dunklen, wenn es um die Frage geht, worauf die Geschichte hinausläuft, denn die Twists sind einmal mehr überaus gelungen, sie fliegen einem regelrecht um die Ohren. Wie in all ihren Texten kontrastiert Faye auch in Dirty Strays ihre oftmals poetische Sprache mit derben Worten und Menschen – ihre persönliche Note, von der ich niemals genug bekommen werde.
Geschichten mit Gänsehautfeeling
Emma´s Bookhouse aus Berlin am 04.03.2019
Bewertungsnummer: 1189764
Bewertet: eBook (ePUB)
Oftmals nimmt das Abartige im Leben der Menschen einen deutlich größeren Raum ein, als man auf den ersten Blick meint.
Verschleiert hinter ihren Masken tragen sie vielerlei Dinge in sich, die wir nicht für möglich halten. Einige dieser Dinge halten sie selbst nicht für möglich. Es bedarf äußerster Vorsicht, hinter diese Masken zu sehen, damit die Menschen keinen Schaden nehmen.
Markus Lawo hat eine Reihe bekannter Autor*innen gefunden, um diese Abgründe zu ergründen.
Mein Fazit:
Zum Cover:
Das Cover passt hier gut zu den Geschichten und von der Farbgebung her, finde ich es auch gelungen. Es hat etwas Schauriges an sich.
Zum Buch:
Wir haben hier ja eine Ansammlung vieler kleiner Kurzgeschichten, wo mir die eine mehr und die andere weniger gefallen hat. Der Großteil aber war wirklich gut. Von Schreibstil her, haben mir fast alle gut gefallen, wobei ich da auch sagen muss, einige waren doch spannender als andere. Aber das ist bei einer Anthologie ja meist so. ich habe bisher, glaube ich, noch keine gelesen, wo mich alle zu 100% überzeugt haben.
Die Geschichten handeln alle in einer Nervenheilanstalt und jeder hat in sich ein eigenes Thema. Mit der ersten Geschichte hatte ich die meisten Probleme, es war mir zu viel „und dann“ oder aber auch immer ein Artikel vor dem Namen, das empfand ich als sehr störend. Eine Geschichte spielte in Berlin, das fand ich als Berliner natürlich total schön.
Besonders gut fand ich, dass vor jeder Geschichte eine Krankenakte der Autorin oder des Autors ist. Ich musste dabei oft schmunzeln bis hin zum Lachen. Ja auch der Humor fehlt hier nicht. Nicht jede Geschichte ist blutig, sondern auch psychischer Horror haben hier Einlass gefunden.
Im Großen und Ganzen eine gelungene Anthologie, wo man auch mal nebenbei eine Geschichte lesen kann, da sie alle nicht sehr lang sind.
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