Er gibt sich Mühe, ein Ekel zu sein – und doch schließt man ihn schon nach den ersten Minuten ins Herz. Cesare ist 77 und zieht Bilanz. Von seinen einst hochfliegenden Träumen ist wenig aufgegangen. Seine Methode, mit den Enttäuschungen des Lebens umzugehen: Ironie und Sarkasmus. Das kommt bei seinen Mitmenschen nicht immer gut an. Bis Emma in die Nachbarwohnung zieht. Irgendetwas stimmt nicht mit ihr und ihrem Mann. Das sieht Cesare an Emmas traurigen Augen. Und plötzlich mischt sich Cesare ein. Er hat wieder Mut zu kämpfen. Für seine junge Nachbarin. Für die Liebe. Für das Glück, am Leben zu sein. Peter Weis, Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher, trifft den ebenso komischen wie feinsinnigen Ton der Geschichte auf wunderbare Weise.
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Ein geniales Buch ,das man lesen muss
Ingeborg Geib aus Kaiserslautern am 14.01.2021
Bewertungsnummer: 896934
Bewertet: eBook (ePUB)
Cesare Annunziata ist 77 und Witwer und eigentlich ein nörgelnder alter Kauz ,aber doch mit dem Herz am rechten Fleck,wenn denn grad in seine Gemütslage passt.Aber man kann sich seinem Charm und manchmal rabenschwarzen Humor nicht entziehen
Sein Leben verlief ohne große Höhen und Tiefen ,seinen Beruf hat er nicht gerne gemacht ,seine Frau nunja die große Liebe war es auch nicht grad,mit seinen Kindern versteht er sich auch nicht unbedingt gut und über seine Freunde da lästert er von Herzen gerne ..Mit seiner spitzen Zunge und ironischen Sprüchen macht er sich nicht gerade überall Freunde,doch als in der Nachbarwohnung die junge Emma einzieht ,da kommt Farbe und Freude in sein Leben .
Cessare ist ein totaler Egoist und doch macht er sich um Emma und seine beiden alten Freunde Sorgen und ist sogar bereit sein Leben für Emmas Wohl aufs Spiel zu setzen ,auch wenn er weiss ,das in seinem Alter das Leben nicht mehr viele Möglichkeiten bietet .
Doch während er und sein Freund noch zaudern ,ob sie nun was unternehmen sollen und wenn ja was nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Cessares bissiger ,schwarzer Humor und das leider doch recht traurige Ende haben mir sehr viele schöne Lesestunden geschenkt, mich auch ein bischen nachdenklich gemacht und auch von Herzen schmunzeln lassen.Denn Cessare ist ein Unikum ,das man heut zu Tage nur noch selten trifft und das man oft nicht richtig zu würdigen weiss
Die Versuchung, glücklich zu sein
Dr_ M aus Sachsen am 09.08.2018
Bewertungsnummer: 1124430
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
So lautet wohl der Originaltitel dieses ungewöhnlichen Romans. Sein deutscher Titel lässt vermuten, dass Cesare Annunziata mit seinen 77 Jahren irgendeine tiefschürfende Erkenntnis gewonnen hat und nun sein Leben entsprechend umkrempeln würde. Aber so ist es nicht. Vielmehr bringt es das Alter mit sich, dass man zurückblickt und sich von vielen Verstrickungen befreien kann, in die man unerfahren und meistens langsam und ahnungslos geraten ist. Nun endlich gönnt sich Cesare auch mal "die Extravaganz, auf seine Instinkte zu hören". Und dabei ändert sich dann vielleicht doch so einiges.
Cesare wohnt alleine. Seine Frau, die er schon lange nicht mehr liebte, verstarb vor einigen Jahren. Seine Kontakte beschränken sich auf seinen schwulen Sohn, seine unglücklich verheiratete Tochter, deren Sohn und zwei schrullige Nachbarn in seinem Alter. Und natürlich auf Rossana, zu der schon eine Ewigkeit geht und blaue Pillen schluckt, um sie bezahlt lieben zu dürfen. Während Cesare über seine Tage erzählt, lässt er seine Zuhörer auch an Gedanken teilhaben, die ihm oft kommen, wenn er ganz nebenbei immer wieder an sein vergangenes Leben zurückdenkt. Genau dabei überrascht er. Denn abgesehen von seiner sympathischen Selbstironie und seiner oft ins Sarkastische gehenden Beschreibung des Alltags fesselt vor allem seine unbedingte Ehrlichkeit. Wozu in seinem Alter noch etwas verklären oder sich etwas vormachen? An dieser Stelle fasst er den Leser unausweichlich. Denn das, was er da erzählt, kennen mit Sicherheit auch viel jüngere Menschen. Dass einem anderen Menschen etwas passiert ist, was man vieleicht gerade selbst erlebt, hat etwas von einer Offenbarung, weil man nun auch den Ausgang der Geschichte kennenlernt.
"Wenn du Fehler säst, kannst du keine großartige Ernte erwarten", liest man. Oder: "Du lebst dein Leben in dem Glauben, dass eines Tages das geschieht, worauf du hoffst, um dann festzustellen, dass die Realität viel weniger romantisch ist, als du dachtest. Es stimmt, manchmal klopfen die Träume an deine Tür, aber nur wenn du dir die Mühe gemacht hast, sie einzuladen. Sonst kannst du sicher sein, dass du den Abend alleine verbringst."
Cesare bezieht das auf sich, weil er es nicht vermochte, die Frauen seiner Träume in sein Leben zu führen und stattdessen in einer wenig leidenschaftlichen Beziehung verharrte. Indem er seine Zuhörer an seinen Gedanken teilhaben lässt, stellen sich ganz von alleine und völlig unaufdringlich ganz ähnliche Fragen an sie selbst ein. Der Mensch neigt zu Vergleichen. Und wenn einer so ehrlich sein Leben erzählt, dann kann man dieser Neigung nur noch schwer ausweichen.
Es verwundert nicht, dass dieser Roman in Italien Begeisterung hervorrief. Seinem im Verhältnis zu Cesare sehr jungen Autor kann man nur Bewunderung für diesen Erstling zollen. Cesare könnte sein Vater sein. Um so erstaunlicher ist es, dass Marone sich völlig glaubhaft in den Kopf und den Alltag eines um die Lebenserfahrung einer ganzen Generation reicheren Mannes hineindenken konnte. Er schrieb ein wunderbares Buch, das natürlich auch eine Handlung besitzt, die dem Ganzen eine nachhaltige Wirkung verleiht. Denn sie enthält auch einen tragischen Gegenentwurf zu Cesares Leben, mit dem er sich plötzlich durch eine neue Nachbarin konfrontiert sieht. Nicht umsonst ist dieses Buch den "zerbrechlichen Seelen gewidmet, welche lieben, ohne sich selbst zu lieben".
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