Linas unerwarteter Tod 1910 stürzte Eugen Huber in eine Sinnkrise. Über sieben Jahre schrieb der Verfasser des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs seiner verstorbenen Frau täglich einen Brief. Er berichtete, was er erlebte und was ihn bewegte. Diese persönlichen Dokumente eröffnen eine einmalige Sicht auf den bürgerlichen Alltag um die Jahrhundertwende und auf eine höchst ungewöhnliche Ehe. Das biografische Porträt zeichnet eine symbiotische Verbindung auf Augenhöhe - zwischen einem der bekanntesten Schweizer Juristen und der ehemaligen Kellnerin Lina Weissert.
Anfangs unsterblich verliebt, schätzte Eugen Huber seine Frau über viele Jahre auch als Mitarbeiterin. Sie war massgeblich an seinen Hauptwerken beteiligt. Lina ihrerseits, die aus Vernunftgründen in die Ehe einwilligte, entwickelte im Lauf der Zeit eine tiefe Zuneigung. Diese Liebe, die 1873 in Zürich ihren Anfang nahm, trug den prominenten Juristen und Nationalrat durch manche Phase der Depression und Selbstzweifel.
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Die Liebesgeschichte des Vaters des ZGB
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 08.03.2024
Bewertungsnummer: 3035130
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Als Juristin war es für mich ganz klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss bzw. will. Vor einigen Jahren habe ich es mir zugelegt und mind. 3mal zu lesen angefangen. Der Zugang zum Buch hat mir nicht richtig gelingen wollen, denn, wenn man hier einen klassischen Roman erwartet, wird man enttäuscht.
Das Buch ist eher Zeitzeugnis und Geschichtsbuch als ein klassischer Roman. So erläutert Verena E. Müller die Liebesgeschichte von Lina und Eugen Huber anhand der Briefe, welche sich die beiden gegenseitig geschrieben haben bzw. welche Eugen Huber nach dem Tod seiner Frau noch für weitere 7 Jahre an Lina geschrieben hat.
Zu Beginn tat ich mich wahnsinnig schwer mit dem Buch. Es werden unglaublich viele ,,wichtige’‘ Persönlichkeiten vorgestellt und der Schreibstil wird durch die ständigen Zitate in altdeutsch in ,,’‘ enorm gestört. So ist die Lektüre eher Sport, als Entspannung. Nichtsdestotrotz habe ich durchgehalten und muss zum Schluss sagen, dass ich froh, bin, dass ich das Buch zu Ende gelesen habe. Durch die anfangs sehr störenden ,,’' wurde die Stimme und die Ausdrucksweise der beiden beteiligten Personen greifbar. Und was auch ein witziges Detail ist: Der Schreibstil hat sich in den ganzen Lebensjahren Hubers sehr verändert.
Wenn man sich vom schwierigen Schreibfluss nicht beirren lässt und sich wirklich viel viel Zeit nimmt, das Buch in aller Ruhe liest und auch aufhört, wenn man nicht mehr mag, dann ist die Geschichte der beiden eine sehr schöne, teilweise witzige und liebevolle. Lina scheint eine sehr fortschrittliche Dame gewesen sein für diese Zeit. Und obwohl Huber eigentlich der akademischen Bildung von Frauen sehr kritisch entgegenstand, hat er für seine Zeit dennoch eine sehr vorbildliche Einstellung zur Frau.
Die vielen unschönen Erbstreitigkeiten, die auch Hubers nicht erspart blieben, waren für mich als Erbrechtlerin äusserst spannend. Denn, ,,früher’' war es definitiv nicht einfacher. Selbst der hubersche Nachlass wurde davon nicht verschont, was mich gewissermassen sehr traurig stimmte, zumal Huber das aktuelle Erbrecht massiv mitgestaltet ja begründet hat.
Was bei mir zurückbleibt ist eine Genugtuung, dass ich das Buch vollendet habe, eine Freude, weil ich Huber näher kennen lernen durfte und gleichzeitig eine Erleichterung, dass ich es geschafft habe. Das Buch hat für mich definitiv keine 5 Sterne verdient. Allerdings hat es mit genügend Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen solide 4 Sterne verdient. Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall keinen Leuten, die lesen zur Entspannung nutzen oder gerne schöne, einfache Geschichten haben. Das Buch ist wohl eher für Leute geeignet, die stur ein Buch zu Ende lesen möchten und unbedingt mehr über Lina und Eugen Huber erfahren möchten.
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