Billy wächst behütet bei seinem Onkel und seiner Tante in der schottischen Kleinstadt Duffmore auf. Seine Hippieeltern haben sich kurz nach seiner Geburt mit einer Überdosis von der Welt verabschiedet. Von ihnen hat er die Liebe zur Musik geerbt, vom Onkel die Lust am Philosophieren. Mit 22 Jahren tritt er in die Firma der Familie ein, die Auftragsmorde erledigt. Er ist 34, als er nach Las Vegas fährt, um Whip zu treffen, ein Mitglied der Firma. Gemeinsam wollen sie eine Woche die Stadt der Spieler und Sünder erkunden und die nächsten Aufträge besprechen. Doch dann wird Billy von seiner Vergangenheit eingeholt. In Las Vegas kommt es zum Showdown.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
urmeli
5/5
29.09.2015
Hörbuch (CD)
Billy wächst wohlbehütet und…
Billy wächst wohlbehütet und geliebt in der Familie seines Onkels in einer Kleinstadt in Schottland auf, nachdem seine Eltern an einer Überdosis Drogen gestorben sind. Billy kann sich an seine Eltern nicht mehr erinnern, sein Onkel ist nun sein Vater und die Leitsätze, die das Leben seines Onkels bestimmen werden immer mehr zu seinen eigenen. Das Steckenpferd seines Onkels ist die Philosophie, er und sein Cousin Frankie werden darin von klein auf geschult und zur Freude seines Onkels nimmt Billy nach dem Abitur das Studium der Philosophie auf. Mit 22 Jahren erfährt Billy erstmals, um was für ein Familienunternehmen es sich bei seiner Familie handelt. Sie sind Auftragsmörder. Sie nehmen jedoch nicht jeden Auftrag an, einfache Rache ist nicht ihr Ding, sie wählen sehr genau aus, wer es "verdient" hat. Nach einiger Überlegungszeit steigt auch Billy in die "Firma" ein, in die Exekutive, gemeinsam mit Frankie. Billy nimmt sich bei jedem Auftrag die Zeit, den zu Tötenden anzuhören, seine Geschichte kennen zu lernen. 12 Aufträge hat er bisher reibungslos erledigt, doch bei einem ist etwas schief gelaufen. Der Roman behandelt abwechselnd die Gegenwart und die Vergangenheit Billys, ein weiterer Teil beschäftigt sich mit Billys Gedanken und philosophischen Betrachtungen über die zu Tötenden, über die Welt im Allgemeinen, über seine Empfindungen. Durch diese Vielschichtigkeit wirkt der Roman sehr lebendig, die Gedankengänge lassen einen selbst nachdenklich werden. Ist jemand gut, der einen bösen Menschen tötet? Einige Passagen sind skurril, andere eher lustig, doch immer interessant und spannend erzählt.
Bewertung
aus Teningen
4/5
30.04.2016
Hörbuch (CD)
Ein etwas anderes Buch
Das Buch geginnt mit Billy´s dreizehntem Mord. Er hört sich die Geschichte seines Opfers an, erfüllt ihm noch einen letzten Musikwunsch und drückt dann ab. So macht er es immer. Das mindeste was er tun kann ist es schließlich, zuzuhören - wenn schon das Ende unausweichlich ist. Doch Billy ist kein wahlloser Mörder. Nur Menschen, die selbst meist mehrere Morde begangen haben. Er arbeitet für die Firma, ein Familienunternehmen. Die Firma übernimmt Auftragsmorde. Doch nicht jeder Auftrag wird angenommen. Es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, da gibt es strenge Prinzipien. Bis auf das erste Kapitel dauert es relativ lange, bis man wieder etwas über Billy´s Job liest. Man lernt die Familie kennen. Da wären zum einen Onkel Seamus und Tante Livi. Und dann natürlich Frankie, der genau wie er die diversen Jobs zu Ende bringt. Dabei springt die Geschichte immer wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hin und her.
Nach Erledigung des letzen Auftrags fliegt Billy nach Las Vegas um sich mit Whip zu treffen. Er gehört als Einziger nicht zur Familie. Hier wollen sie sich über den nächsten Auftrag unterhalten. Doch erst wollen sie sich noch ein bisschen amüsieren. Billy hat immer wieder das Gefühl, verfolgt zu werden. Alles Einbildung. Das kennt er schon. So ist das oft - hinterher. Doch diesmal täuscht er sich. Er wird tatsächlich verfolgt. Von dem einzigen Fehler, den er in seiner Karriere begangen hat. Und am Ende kommt es zum großen Showdown.
Nach der Leseprobe hatte ich eigentlich erwartet, dass es in dem Buch um die Morde geht - und um die Geschichten der Opfer. In dieser Hinsicht wurde ich vom Buch enttäuscht. Darum geht es in keinster Weise. Man erfährt etwas über die Familiengeschichte, Billy´s Kindheit, lernt Las Vegas ein klein wenig kennen. Und obwohl das Buch völlig anders war, als ich es erwartet habe, hat es mir doch ziemlich gut gefallen.
Der Stil ist reichlich ungewöhnlich. Zum Teil erzählt Billy sehr ausführlich und etwas ausschweifend, wobei es aber nie langatmig oder gar langweilig wird. Als ziemlich krassen Gegensatz gibt es immer wieder sehr kurze, knackige Sätze, zum Teil nur ein Wort. Hin und wieder war mir dieses telegrafische Stil ein bisschen zu viel.
Und zwischendurch gab es immer wieder Ausflüge in die Philosophie. Recht früh wurde er von seinem Onkel Seamus darin unterrichtet und lernte die Philospie zu lieben. Später hat er diese sogar studiert. Manche Passagen waren mir dann doch ein klein wenig zu hoch. Wahrscheinlich muss man das Buch mehrfach lesen und sich gezielt Gedanken machen. Dennoch waren diese Szenen schöne Abwechslungen und gaben mir den einen oder anderen Denkanstoß. Irgendwie merkwürdig ist diese Zusammenstellung schon. Ein Auftragsmörder, der die Musik und die Philosophie liebt.
Trotz seines Berufes war mir Billy ziemlich symphatisch. Obwohl er mordet ist er nicht durch und durch Böse. Er hat durchaus auch gute und liebenswerte Seiten. Und es gibt viele Verbrechen, bei denen man sich schon wünschen würde, dass jemand die Bestrafung in die eigenen Hände nimmt, weil unser Rechtssystem die ach so armen Täter viel zu milde verurteilt.
Was mir so gar nicht gefallen hat, war das Ende. Irgendwie scheint es zur Zeit modern zu sein, dass Bücher ein offenes Ende haben. Dieses hier hat mich irritiert und ratlos zurückgelassen.
Okay, ich kann mir selbst mein Wunschende zurechtbasteln, aber ich habe lieber ein Buchende, welches mir vielleicht nicht gefällt als so etwas Halbgares.
Außerdem hätte ich mir in den Rückblicken in die Vergangenheit auch ein paar Erinnerungen an erledigte Aufträge gewünscht. Schließlich steht es gleich auf der ersten Seite: "Außerdem bin ich neugierig. Ich will wissen, warum ihr es getan habt, wie eure Kindheit war, wo ihr herkommt, was euch geprägt hat. Denn darum geht es doch, um die Ursache, um das Warum. Aufregend ist es selten, interessant, ja, das schon." Und dieses Interessante hat mir ein bisschen gefehlt.
Trotzdem kann ich Euch das Buch empfehlen. Es gibt viel Witz, zum Teil böse Satire und einiges an Tiefgang. Bei "Billy" handelt es sich definitiv um ein Buch der anderen Art!
buecherfreund
4/5
30.09.2015
Hörbuch (CD)
Billy
Das Hörbuch besteht aus sechs Audio-CDs mit einer Gesamtlänge von knapp 7 Stunden. Es ist eine ungekürzte Fassung, was mir persönlich wichtig ist. Gelesen wird das Buch von Florian von Manteuffel. Zuerst war ich etwas überrascht, da die Stimme nicht zu der Vorstellung passte, die ich mir anhand der Kurzbeschreibung von Billy gemacht hatte. Doch Manteuffel macht einen guten Job, man kann ihm gut zuhören. Ein einziger Kritikpunkt wäre, dass ich es manchmal ein wenig schwer nachzuvollziehen fand, wer in einem Dialog gerade spricht, doch das ließ sich meistens auch aus dem Kontext heraus schließen. Ich hätte mir die Stimme nur manchmal ein wenig abwechslungsreicher gewünscht.
Nun zum Buch: Billy wächst in der schottischen Kleinstadt Duffmore auf. Er lebt bei Tante und Onkel, die ihn aufgenommen haben, nachdem sich seine Eltern mit einer Überdosis Heroin umgebracht haben. Und Billy steigt ins Familienbusiness ein: er wird ein Serienmörder. Doch er tötet nicht wahllos, sondern nur die, die es verdient haben, die Bösen, die selber Menschen auf dem Gewissen haben. Dabei kommt es Billy gar nicht so sehr auf Gerechtigkeit an, da es für ihn für Mord keine gerechte Strafe gibt. Er sieht es als Geschäft, sonst nichts. Trotzdem tötet Billy nicht kaltblütig. Er unterhält sich mit den Mördern, lässt sich ihre Lebensgeschichte erzählen, da er meint, ihnen diese letzte Möglichkeit schuldig zu sein. Außerdem darf sich jeder ein letztes Lied wünschen.
Das Buch ist anders. Hier gibt es nicht viel Action, keinen großen Spannungsbogen. Die Geschichte befasst sich viel eher mit Billy als Charakter, seiner Lebensgeschichte, seinen Gedanken und wie er zu dem Menschen geworden ist, der er nun ist: ein Mörder. Es gibt lange Textpassagen, in denen er seine Gedanken schildert. Für manche vielleicht langweilig, doch ich fand es sehr interessant. Billy ist ein Denker, ein Philosoph und es ist spannend, die Welt durch seine Augen zu sehen.
Die Erzählung wechselt kapitelweise ab zwischen Szenen, die in der Vergangenheit spielen und Billys Kindheit und Jugend beschreiben, und der Gegenwart. Erst ziemlich spät wird deutlich, worauf die Geschichte hinarbeitet: der Showdown in Las Vegas.
Insgesamt fand ich es ein sehr interessantes Buch. Mir persönlich sind die Charaktere und deren Entwicklung in Büchern sehr wichtig, so dass dieses Buch genau das richtige für mich war. Ich würde es jedem empfehlen, der nicht unbedingt viel Wert auf Action legt.
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