Dem Schriftsteller Pawel sind die Figuren abhanden gekommen. Plötzlich fehlt ihm, der so viele Geschichten von Liebe und Abenteuer erzählt hat, die Inspiration. Auf der Suche nach Ablenkung schlendert Pawel durch die Stadt und trifft dabei auf Greg. Im Laufe eines Nachmittags kommen die beiden Männer sich näher, beginnen sich die Geschichten ihres Lebens zu erzählen - die kleinen, alltäglichen Anekdoten, aber auch die großen, dramatischen Ereignisse. Und Pawel merkt, dass er sich der Zukunft erst widmen kann, wenn er mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat. In seinem neuen Roman Wo Norden ist entwirft Peter Hofmann ein beeindruckendes Porträt eines Geschichtenerzählers auf der Suche nach der eigenen Geschichte und beweist mit seiner schonungslosen Offenheit und seiner scharfen Sprache einmal mehr, warum er zu den herausragenden Erzählern seiner Generation gehört.
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Starker Roman
Ben @Buchkomet am 07.09.2025
Bewertungsnummer: 2588948
Bewertet: eBook (ePUB)
Pawel schreibt Geschichten. Oder besser gesagt: er schrieb Geschichten. Die Worte, die ihn selbst einst getragen haben, sind einfach verschwunden und mit ihnen seine Fluchtwege aus der eigenen Vergangenheit. Wir begleiten einen Mann, der sich lieber Leben ausdenkt, als sein eigenes zu leben. Auf einem Spaziergang durch die Stadt trifft er Greg. Es ist ein zufälliges Kennenlernen, anfangs recht unspektakulär, aber Pawel merkt, da ist mehr. Die beiden Männer beginnen zu reden, erst über das Banale, dann über die Vergangenheit.
Was dann folgt, ist kein klassischer Liebesroman, sondern ein oft melancholischer Blick in ein Leben, das durchaus Narben trägt. Pawel erinnert sich zurück: an seine schwierige Kindheit in der DDR, an seine Eltern, die ihn eigentlich gar nicht wollten. An die Zeit in der Nationalen Volksarmee, die für jemanden wie ihn alles andere als einfach war. An all das, was ihn hart gemacht hat. Gefühle wie Liebe und Vertrauen, scheinen ihm fremd oder werden nachhaltig beschädigt.
Greg könnte mehr sein für Pawel, doch dieser tut sich schwer, Nähe zuzulassen. Immer wieder zieht er sich zurück, aus Angst, wieder enttäuscht zu werden. Angst, nicht genug zu sein. Peter Hofmann erzählt hier eine eindrückliche Geschichte, die voller Schmerz, Sehnsucht, aber auch Hoffnung ist. Und in allem schwingt die Frage mit, ob man Vertrauen und Liebe wieder lernen kann.
„Wo Norden ist“, ist dabei eine ruhige Geschichte, eine Geschichte über das Suchen und Finden, nicht nur eines anderen Menschen, sondern vor allem des eigenen Ichs. Ein Roman, der zeigt, warum Menschen Mauern um sich errichten, aber auch zeigen, dass es Menschen gibt, die diese Mauern zu Fall bringen können. „Wo Norden ist“ lässt dich genau darüber nachdenken. Und vielleicht auch ein bisschen fühlen, wo dein eigener Norden liegt.
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