Rüsselsheim, späte 70er Jahre. Zwei Brüder müssen zueinander finden. Klaus, der ältere, ist schwer behindert. Chris, der jüngere, lebt für seine Musik. Über die Musik findet er nicht nur einen Weg zu sich, sondern auch zu seinem Bruder. Auf der Grundlage einer wahren Begebenheit erzählt Maria Knissel schnörkellos und mitreißend die Geschichte zweier Brüder, die lernen, einander zuzuhören und sich gegenseitig zu bereichern. Unterhaltung mit Tiefgang - eine Art "Ziemlich beste Brüder".
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aus Springe
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14.07.2014
eBook (ePUB)
Wenn das Schicksal zuschlägt
Maria Knissel erzählt sehr eindrucksvoll die Geschichte von Chris und seinem Bruder Klaus. Die beiden wohnen mit ihren Eltern in Rüsselsheim und an dem Tag, an dem man die Leiche von Hanns Martin Schleyer findet, verunglückt Klaus schwer mit seinem Motorrad. Er hat ein Schädel-Hirn-Trauma und liegt anfangs im Koma.
1977 war es noch nicht üblich mit diesen Patienten Therapien und tägliche Übungen zu machen, um möglichst viele ihrer alten Fähigkeiten wiederherzustellen.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Chris. Als sein Bruder verunglückt, ist er 11 Jahre alt und seine Eltern erzählen ihm wenig und erklären noch viel weniger. Die nächsten Wochen sind sie täglich im Krankenhaus. Als sie ihn endlich einmal mitnehmen, ist nicht auf das vorbereitet, was ihn erwartet. Chris lebt für den Fußball, doch seine Eltern nehmen von seinen Leistungen nun keine Notiz mehr. Auch in der Schule geht es bergab und Chris wird dort zunehmend aggressiv. Schließlich muss er vom Gymnasium auf die Realschule wechseln. Allein sein Saxofon spendet ihm noch Trost.
Seine Eltern sind so sehr mit ihren Sorgen, um den Bruder beschäftigt, dass sie Chris Ängste und Nöte nicht sehen.
Die häusliche Situation bessert sich auch nicht, nachdem die Eltern den sehr pflegebedürftigen Klaus nach Hause holen. Chris versucht immer wieder, einen Zugang zu seinem Bruder zu bekommen. Doch das ist nicht einfach.
Dieses Buch hat mich trotz seiner nüchternen Art sehr berührt. Es war erschreckend zu lesen, wie der Unfall von Klaus das Leben seiner Eltern und seines Bruders beeinträchtigt und seitdem bestimmt hat.
Nebenbei erfährt man noch, wie sich in späteren Jahren in der Medizin viel in der Behandlung und Betreuung von Patienten mit Hirnverletzungen geändert hat.
Fazit: ein interessantes Thema, gut aufgearbeitet, mit einem eindrucksvollen Blick in das Leben der Angehörigen, nüchtern erzählt und dabei doch sehr betroffen machend sehr empfehlenswert!
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