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Produktbild: Gormenghast. Band 1
Band 1

Gormenghast. Band 1 Der junge Titus

Aus der Reihe Gormenghast
2

17,99 €

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

01.10.2010

Verlag

Klett-Cotta Digital

Seitenzahl

616 (Printausgabe)

Dateigröße

1828 KB

Auflage

1. Auflage 2010

Originaltitel

Titus Groan

Übersetzt von

Annette Charpentier

Sprache

Deutsch

EAN

9783608101652

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

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Erscheinungsdatum

01.10.2010

Verlag

Klett-Cotta Digital

Seitenzahl

616 (Printausgabe)

Dateigröße

1828 KB

Auflage

1. Auflage 2010

Originaltitel

Titus Groan

Übersetzt von

Annette Charpentier

Sprache

Deutsch

EAN

9783608101652

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Lasst Euch gefangennehmen von dieser Geschichte

Anno Tukk am 07.10.2023

Bewertungsnummer: 2038476

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Gormenghast! ... Ich weiß gar nicht, wo ich da so richtig anfangen soll. Mit einem kurzen Anriss des Inhalts vielleicht? Okay ... das ist gar nicht sooo leicht: Eigentlich dreht sich der Roman um das Leben der Groans, einer gräflichen Familie in einer nicht näher bestimmten Zeit. Die Groans sind gefangen in einem Netz voller absurder, sinnfreier Rituale, die es seit Urzeiten zu erfüllen gilt. Die Menge Ihrer Angestellten ist nicht nur unüberschaubar, sondern die meisten ... ach ... was sage ich ... ALLE Figuren sind auch noch äußerst skurril und völligst überzeichnet. Einer von ihnen verfolgt ganz eigene Pläne und schreckt dabei vor nichts zurück: Steerpike, der Küchenjunge. Der Leser verfolgt hier eine Entwicklung, die mit der Geburt des gräflichen Erben Titus beginnt und sich dann über dessen Kindheit erstreckt. Eine Zeit, in der Steerpike sich in das Leben der Groans wühlt, wie ein Wurm in einen faulen Apfel. Aber der junge Graf und der Küchenjunge sind nur bedingt die Hauptfiguren. Man verfolgt hier viele (Lebens- und Todes-) Geschichten, die alle ineinandergreifen und die den Kosmos von Gormenghast bilden. Überhaupt: Gormenghast! Da haben wir noch einen Hauptdarsteller. Gormenghast ist der Lebensraum der Groans. Das riesige alte Schloss auf dem Hügel über einem fast verfallenen Dorf, umgeben von Wald und Nebel. Und "riesig" ist hier wortwörtlich zu nehmen. Gormenghast ist ein Labyrinth, eine Unzahl von verwinkelten Räumen und Sälen, Fluren, Treppen, Türmen, Terrassen und Dächern, Geheimgängen und Kellern. Ganze Bereiche sind in Vergessenheit geraten, spinnwebenverhangen, verrottet und voller dunkler Schatten. Was für eine unglaubliche Kulisse für Steerpike, Titus und all die anderen Bewohner dieses Stein gewordenen Irrsinns. Noch heute beflügelt das Schloss meine Phantasie. Ich habe Gormenghast zum ersten Mal in meiner Jugend gelesen (lang ist es her) und ehrlich gesagt war es hauptsächlich die Beschreibung dieses uralten, geheimnisvollen und halb verfallenen Gemäuers im Klappentext, die mich zum Lesen bewogen hat. Verschwurbelt, absurd und außergewöhnlich sind nicht nur das Schloss und die Protagonisten, sondern auch die unglaublich blumige und ausschweifende Sprache, in der Mervyn Peake dieses grelle Szenario beschreibt. Darauf muss man sich tatsächlich einlassen können und diese Art wird ganz sicher nicht jedermanns Geschmack treffen. Ich persönlich habe es absolut geliebt, mit Peake als Reiseführer durch dieses alte Gemäuer zu ziehen und mir die Geschichten erzählen zu lassen, jeden Stein zusammen mit ihm umzudrehen und die mehrfach verdrehten Gemüter seiner Darsteller zu beleuchten. Das gehört mit zu meinen schönsten Bucherlebnissen überhaupt. Meine Schwester allerdings hat es nicht einmal bis zur Hälfte durch den ersten Band geschafft. Sie fand es einfach nur anstrengend. Seid also gewarnt. Die komplette Gormenghast-Reihe besteht aus 4 Bänden: 1. Der junge Titus 2. Im Schloss 3. Der letzte Lord Groan 4. Titus erwacht Eigentlich sollten es viel mehr Bände werden, aber Mervyn Peake hat seine Vision leider nicht vollenden können. Die Bände 1 und 2 waren bereits fertiggestellt und können meiner Meinung nach für sich stehen. Die Bände 3 und 4 wurden nach dem Tod von Peake durch dessen Sohn aus Fragmenten zusammengefasst und zur Vervollständigung der Geschichte veröffentlicht. Band 4 sogar mit einem Abstand von vielen Jahren zu den ersten 3 Bänden. Ich möchte hier nicht spoilern, aber es ist tatsächlich so, dass nach den ersten zwei Bänden ein Schnitt erfolgt. Das Szenario und die Sprache ändern sich. Ihr werdet wissen, was ich meine, wenn Ihr so weit gekommen seid. Ich hoffe, den ein oder anderen neugierig gemacht zu haben :) Wenn man sich einfach hineinziehen lässt in diesen Kosmos, dann ist das ein ganz wunderbares Leseerlebnis. Es ist schwierig, die Gormenghast Bücher in irgendeine Schublade zu stecken. Sie sind dunkle Fantasie, Krimi, Coming-of-age-Story und noch Einiges mehr. Fangt einfach mal an und lasst Euch gefangennehmen.

Lasst Euch gefangennehmen von dieser Geschichte

Anno Tukk am 07.10.2023
Bewertungsnummer: 2038476
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Gormenghast! ... Ich weiß gar nicht, wo ich da so richtig anfangen soll. Mit einem kurzen Anriss des Inhalts vielleicht? Okay ... das ist gar nicht sooo leicht: Eigentlich dreht sich der Roman um das Leben der Groans, einer gräflichen Familie in einer nicht näher bestimmten Zeit. Die Groans sind gefangen in einem Netz voller absurder, sinnfreier Rituale, die es seit Urzeiten zu erfüllen gilt. Die Menge Ihrer Angestellten ist nicht nur unüberschaubar, sondern die meisten ... ach ... was sage ich ... ALLE Figuren sind auch noch äußerst skurril und völligst überzeichnet. Einer von ihnen verfolgt ganz eigene Pläne und schreckt dabei vor nichts zurück: Steerpike, der Küchenjunge. Der Leser verfolgt hier eine Entwicklung, die mit der Geburt des gräflichen Erben Titus beginnt und sich dann über dessen Kindheit erstreckt. Eine Zeit, in der Steerpike sich in das Leben der Groans wühlt, wie ein Wurm in einen faulen Apfel. Aber der junge Graf und der Küchenjunge sind nur bedingt die Hauptfiguren. Man verfolgt hier viele (Lebens- und Todes-) Geschichten, die alle ineinandergreifen und die den Kosmos von Gormenghast bilden. Überhaupt: Gormenghast! Da haben wir noch einen Hauptdarsteller. Gormenghast ist der Lebensraum der Groans. Das riesige alte Schloss auf dem Hügel über einem fast verfallenen Dorf, umgeben von Wald und Nebel. Und "riesig" ist hier wortwörtlich zu nehmen. Gormenghast ist ein Labyrinth, eine Unzahl von verwinkelten Räumen und Sälen, Fluren, Treppen, Türmen, Terrassen und Dächern, Geheimgängen und Kellern. Ganze Bereiche sind in Vergessenheit geraten, spinnwebenverhangen, verrottet und voller dunkler Schatten. Was für eine unglaubliche Kulisse für Steerpike, Titus und all die anderen Bewohner dieses Stein gewordenen Irrsinns. Noch heute beflügelt das Schloss meine Phantasie. Ich habe Gormenghast zum ersten Mal in meiner Jugend gelesen (lang ist es her) und ehrlich gesagt war es hauptsächlich die Beschreibung dieses uralten, geheimnisvollen und halb verfallenen Gemäuers im Klappentext, die mich zum Lesen bewogen hat. Verschwurbelt, absurd und außergewöhnlich sind nicht nur das Schloss und die Protagonisten, sondern auch die unglaublich blumige und ausschweifende Sprache, in der Mervyn Peake dieses grelle Szenario beschreibt. Darauf muss man sich tatsächlich einlassen können und diese Art wird ganz sicher nicht jedermanns Geschmack treffen. Ich persönlich habe es absolut geliebt, mit Peake als Reiseführer durch dieses alte Gemäuer zu ziehen und mir die Geschichten erzählen zu lassen, jeden Stein zusammen mit ihm umzudrehen und die mehrfach verdrehten Gemüter seiner Darsteller zu beleuchten. Das gehört mit zu meinen schönsten Bucherlebnissen überhaupt. Meine Schwester allerdings hat es nicht einmal bis zur Hälfte durch den ersten Band geschafft. Sie fand es einfach nur anstrengend. Seid also gewarnt. Die komplette Gormenghast-Reihe besteht aus 4 Bänden: 1. Der junge Titus 2. Im Schloss 3. Der letzte Lord Groan 4. Titus erwacht Eigentlich sollten es viel mehr Bände werden, aber Mervyn Peake hat seine Vision leider nicht vollenden können. Die Bände 1 und 2 waren bereits fertiggestellt und können meiner Meinung nach für sich stehen. Die Bände 3 und 4 wurden nach dem Tod von Peake durch dessen Sohn aus Fragmenten zusammengefasst und zur Vervollständigung der Geschichte veröffentlicht. Band 4 sogar mit einem Abstand von vielen Jahren zu den ersten 3 Bänden. Ich möchte hier nicht spoilern, aber es ist tatsächlich so, dass nach den ersten zwei Bänden ein Schnitt erfolgt. Das Szenario und die Sprache ändern sich. Ihr werdet wissen, was ich meine, wenn Ihr so weit gekommen seid. Ich hoffe, den ein oder anderen neugierig gemacht zu haben :) Wenn man sich einfach hineinziehen lässt in diesen Kosmos, dann ist das ein ganz wunderbares Leseerlebnis. Es ist schwierig, die Gormenghast Bücher in irgendeine Schublade zu stecken. Sie sind dunkle Fantasie, Krimi, Coming-of-age-Story und noch Einiges mehr. Fangt einfach mal an und lasst Euch gefangennehmen.

Ein Virtuose des Phantastischen

Daniel Buess aus Basel am 24.09.2010

Bewertungsnummer: 683148

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mervyn Peakes "Gormenghast" gehört zweifellos zu den grossen Werken der Fantasy-Literatur. Allerdings kann man Peake nur mit Vorbehalt in die Fantasy-Ecke stellen: seine schillernde Phantastik erinnert eher an Walter de la Mare und Salvador Dali als an Tolkien. Peake, geboren 1911, wuchs in China als Sohn eines englischen Missionsarztes auf und wurde Maler und Illustrator. Auch als Schriftsteller machte er sich einen Namen; er schrieb Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke und Hörspiele. Seine Kindheit in China, einer uralten und fremdartigen Kultur mit unverständlichen Ritualen und Regeln, hinterliess Spuren in seinem ganzen Werk. Mit der Arbeit an "Gormenghast" begann er 1941, als er ins Militär eintrat. Kurz nach dem Krieg besuchte er im Auftrag der Alliierten das Konzentrationslager Bergen Belsen, um die Greueltaten der Nazis zu dokumentieren, eine Erfahrung, die sein Menschenbild sicherlich geprägt hat. Physische und psychische Deformierungen und Schrecknisse mischen sich in Peakes Phantasiewelt mit der kauzigen Prüderie des englischen Mittelstandes. In den Fünfziger Jahre erkrankte Peake an Parkinson. Er starb 1968. Sein riesiges Roman-Projekt (ursprünglich auf 10 Bände angelegt) blieb unvollendet. Im deutschen Sprachraum wird Mervyn Peake kurioserweise immer noch als Geheimtip gehandelt, wohingegen er in England und Amerika längst Kultstatus geniesst. Klett Cotta hat nun die ersten beiden Bände der Gormenghast-Trilogie neu herausgebracht. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Ein Virtuose des Phantastischen

Daniel Buess aus Basel am 24.09.2010
Bewertungsnummer: 683148
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mervyn Peakes "Gormenghast" gehört zweifellos zu den grossen Werken der Fantasy-Literatur. Allerdings kann man Peake nur mit Vorbehalt in die Fantasy-Ecke stellen: seine schillernde Phantastik erinnert eher an Walter de la Mare und Salvador Dali als an Tolkien. Peake, geboren 1911, wuchs in China als Sohn eines englischen Missionsarztes auf und wurde Maler und Illustrator. Auch als Schriftsteller machte er sich einen Namen; er schrieb Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke und Hörspiele. Seine Kindheit in China, einer uralten und fremdartigen Kultur mit unverständlichen Ritualen und Regeln, hinterliess Spuren in seinem ganzen Werk. Mit der Arbeit an "Gormenghast" begann er 1941, als er ins Militär eintrat. Kurz nach dem Krieg besuchte er im Auftrag der Alliierten das Konzentrationslager Bergen Belsen, um die Greueltaten der Nazis zu dokumentieren, eine Erfahrung, die sein Menschenbild sicherlich geprägt hat. Physische und psychische Deformierungen und Schrecknisse mischen sich in Peakes Phantasiewelt mit der kauzigen Prüderie des englischen Mittelstandes. In den Fünfziger Jahre erkrankte Peake an Parkinson. Er starb 1968. Sein riesiges Roman-Projekt (ursprünglich auf 10 Bände angelegt) blieb unvollendet. Im deutschen Sprachraum wird Mervyn Peake kurioserweise immer noch als Geheimtip gehandelt, wohingegen er in England und Amerika längst Kultstatus geniesst. Klett Cotta hat nun die ersten beiden Bände der Gormenghast-Trilogie neu herausgebracht. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.

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Gormenghast. Band 1

von Mervyn Peake

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  • Produktbild: Gormenghast. Band 1
  • Vorwort von Kai Meyer Jemand hat einmal die Frage gestellt, wie sich die phantastische Literatur entwickelt hätte, wäre nicht Tolkiens Herr der Ringe , sondern Mervyn Peakes Gormenghast zur Blaupause des modernen Fantasy-Genres geworden.
    Sicher ist, es gäbe mehr Bücher wie jene Handvoll, die sich ganz offen zu Peake bekennt: Gloriana von Michael Moorcock, China Mievilles Perdido Street Station , Die Spur des goldenen Opfers von Lucius Shepard, natürlich die Viriconium -Trilogie von M. John Harrison, Gene Wolfes Buch der Neuen Sonne und Jeff VanderMeers Stadt der Heiligen & Verrückten . Es mag noch weitere geben, aber alles in allem ist die Liste nicht lang. Warum also gilt Gormenghast bis heute als einer der Eckpfeiler der Fantasy? Vielleicht, weil es abseits von Tolkien das erste Werk war, das voll und ganz auf Visualisierung setzt. Die Geschichte - gut und schön. Die Charaktere - ein Panoptikum aus wandelnden Grotesken. Aber was da vor unserem inneren Auge entsteht, schon in den allerersten Sätzen, ist ein ausgefeiltes optisches Panorama. So wundert es nicht, dass Peake sich, wie Tolkien, erst zu einem Erfolgsautor entwickelte, als auch das Medium Film am Ende der Sechzigerjahre durch breitere Streuung und Verfügbarkeit einen neuen Stellenwert erlangte. Die protestierenden Studenten, die die Welten von Mittelerde und Gormenghast nahezu zeitgleich für sich entdeckten, waren - anders als ihre Eltern - bereits an Leinwand und Bildschirm geschult, sie wollten Geschichten und Welten nicht nur lesen, sondern sehen . Die Grenze zwischen den Wahrnehmungen beider Medien, zuvor vom Literaturbetrieb unumstösslich aufrecht erhalten, fiel gemeinsam mit vielen anderen Schranken in jenen Jahren. Und so verwundert es nicht, dass zwei Romane, die auf den ersten Blick wenig verbindet, aufgrund der atemberaubenden Visualität ihrer Beschreibungen so häufig in einem Atemzug genannt werden. Man mag sich für den Plot der Gormenghast -Romane begeistern oder nicht, ihrer Atmosphäre kann man sich kaum entziehen. Und es sind jene Stimmungen, heraufbeschworen durch die sprachgewaltige Beschreibung der Schauplätze, die bis heute Generationen von Autoren geprägt haben. Nicht allen Geschichten mag man es auf den ersten Blick ansehen, aber Gormenghasts Einfluss ist in der aktuellen Phantastik allgegenwärtig. Seine Steine wurden abgetragen wie die der alten englischen Landhäuser, die man auf der anderen Seite des Ozeans wieder aufgebaut hat. Das Gestein von Schloss Gormenghast steckt in George R. R. Martins voluminösen Fantasyepen ebenso wie in den Pixeln zahlreicher Videospiele, Neil Gaimans Sandman -Comics und den Filmen von Tim Burton. Ich selbst habe in meinen Romanen wieder und wieder mit dem Mörtel der Groans gemauert; ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich meine Heldinnen und Helden über weitläufige Dächer und enge Treppenfluchten, durch endlose Hallen und verwinkelte Steinkorridore gejagt habe. Vieles, das wir heute »gotisch« nennen, geht mindestens so sehr auf Gormenghasts Fundamente zurück wie auf die häufiger genannten Klassiker von Walpole und Radcliffe. So scheint es auf den ersten Blick verwunderlich, dass wir die Wurzeln seiner Entstehung ausgerechnet in China suchen müssen. Mervyn Peake wurde 1911 in Guling geboren, einem beliebten Urlaubsort europäischer Kolonialherren im Osten Chinas. Vor allem Briten errichteten hier hunderte von Villen, in die sie sich vor der Sommerhitze des Tieflandes zurückzogen. Peakes Vater arbeitete als Arzt und Missionar, seine Mutter als Krankenschwester. Als die Familie 1923 nach England zurückkehrte, hatten die Jahre in Guling und später in Peking den Zwölfjährigen bereits tief geprägt. Die strengen Rituale des chinesischen Alltags sollten auch das Leben der Bewohner Gormenghasts beherrschen: Das Schloss ist durchdrungen von Peakes Kindheitseindrücken. Die archaischen Statuen, die er als Junge auf der Straße nach Peking passierte, dienten ihm als Vorbilder für Gormenghasts Bildhauereien; chinesische Jadeschnitzer finden ihre Entsprechung in den armseligen Dorfbewohnern, deren Schnitzwerke um die Gunst der Herrscherfamilie konkurrieren. So wie Peake die Lehmhütten der Bergbewohner rund um Guling »wie Napfschnecken« an die Hänge seines Schlossberges versetzte, übernahm er auch die labyrinthische Architektur von Pekings Verbotener Stadt als imaginären Bauplan für das Setting seiner Romane - und potenzierte seine Dimensionen ins Maßlose. Gormenghast mag vordergründig den Anschein europäischer Historie erwecken, aber selbst sein verkrustetes Feudalsystem hat mehr mit den Gegebenheiten am chinesischen Kaiserhof gemein als mit dem britischen Königshaus. Daheim in England besuchte Mervyn Peake das Internat Eltham School, und die dortigen Zustände verarbeitete er mit satirischer Feder im zweiten Band seines Werks, in den Spielen von Titus' Mitschülern, und mehr noch im Gebaren der skurrilen Lehrerschaft. Nach zweijähriger Ausbildung an einer Kunsthochschule zog es den begabten Illustrator auf die Kanalinsel Sark. Obgleich er sich gelegentlich mit den eigenbrötlerischen Bewohnern anlegte, scheint er dort eine glückliche Zeit verbracht zu haben. Seine Vermieterin Miss Renouf liebte Federvieh und führte mit Vorliebe einen weißen Vogel auf ihrer Schulter spazieren; sie mag die Inspiration für manche Eigenheiten der zukünftigen Lady Groan geliefert haben.
    Peakes Ruf als Zeichner und Maler wuchs, er ging zurück aufs Festland, heiratete, zeugte mehrere Kinder. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er eingezogen, langweilte sich in verschiedenen Kasernen und Garnsionen und schrieb währenddessen am ersten Gormenghast -Roman. 1940 ließ er während eines Heimaturlaubs bei seiner Frau Maeve den Beginn jenes Manuskripts zurück, das bald zu Der junge Titus heranwachsen sollte; bald folgten weitere Kapitel. Maeve bewahrte die Teile des Romans unter ihrem Bett auf. Wenn sie für längere Zeit das Haus verließ, trug sie die Seiten bei sich - aus Angst, dass sie während eines Luftangriffs verloren gehen könnten. Peake hasste den Alltag in der Armee und verarbeitete seine Ablehnung im rigid geregelten Tagesablauf der Bewohner Gormenghasts. Nach zwei Jahren und einem Nervenzusammenbruch wurde er aus dem Dienst entlassen und kehrte zu seiner Familie zurück. Er vollendete den ersten Band im Garten-Cottage seines Elternhauses, wo er nun mit Maeve und den beiden Kindern lebte. Ausgerechnet Graham Greene war es, der dafür sorgte, dass Titus Groan veröffentlicht wurde. Es heißt, Peake sei ihm zufällig in einem Londoner Café begegnet und habe ihm dort zum ersten Mal von Gormenghast erzählt. Greene, damals bereits ein erfolgreicher Schriftsteller, las das Manuskript - und sein erstes Urteil war niederschmetternd. »Sehr enttäuscht« sei er, schrieb er Peake in einem Brief. Er habe ihm »gelegentlich den Hals umdrehen wollen«, weil er »ein erstklassiges Buch durch Nachlässigkeit verdorben« habe. Zuletzt bot er ihm an, das Ganze bei einem Whiskey in einer Bar zu besprechen. Das muss geholfen haben, denn nach gründlicher Überarbeitung wurde das Buch 1946 vom Verlag Eyre & Spottiswoode publiziert. Im selben Jahr kehrte die Familie zurück auf die Insel Sark, wo der zweite Roman entstand. Nebenbei schuf Peake zahllose Zeichnungen seiner Figuren, weil er sich nicht damit zufrieden gab, die Welt von Gormenghast allein durch Worte zum Leben zu erwecken. Örtlichkeiten auf Sark flossen namentlich in die Geschichte ein, wurden zu Teilen des Schlosses und seiner Umgebung. Als er zehn Jahre später am dritten Buch saß und mit Frau und Kindern längst wieder auf dem Festland lebte, zog es ihn noch einmal in die Abgeschiedenheit der Insel; diesmal fuhr er allein, um dort in Ruhe den Roman zu vollenden. Mervyn Peake ist niemals zu Reichtum gekommen, auch nicht zu seinen erfolgreichsten Zeiten als Illustrator. Die Gormenghast -Romane wurden von der Kritik überwiegend wohlwollend aufgenommen, waren aber alles andere als Bestseller. Peake begann, Theaterstücke zu schreiben, in der Hoffnung, damit mehr Geld zu verdienen. Doch als sein Drama The Wit to Woo 1957 in London uraufgeführt wurde, entpuppte es sich als katastrophaler Misserfolg - ganze siebzehn Pfund habe es eingespielt, wird behauptet, bevor es überstürzt wieder abgesetzt wurde. Am selben Tag erkrankte Peake und erholte sich nie wieder. Offenbar war es eine Kombination verschiedener Krankheiten, die im Laufe der kommenden Jahre sein Gehirn angriff, darunter Symptome von Parkinson und Enzephalitis. Er lebte noch ein ganzes Jahrzehnt, verlor aber die Fähigkeit zu zeichnen, und ein vierter Gormenghast -Roman - eine von mehreren geplanten Fortsetzungen - blieb Fragment. Mervyn Peake starb 1968 im Alter von 57 Jahren, körperlich und geistig ein alter Mann, der den späten Erfolg seiner Bücher nicht mehr miterlebt hat. Wie schon im Fall von Tolkiens Herr der Ringe war es die Jugend zur Zeit der Studentenrevolten, die Gormenghast wiederentdeckte und zu anhaltender Popularität verhalf. Titus und Steerpike haben nie die Berühmtheit von Frodo und Sauron erreicht, aber Peakes Protagonisten besitzen etwas, das Tolkiens Helden vollkommen abgeht: unbändigen Drang zur Rebellion. Sie stellen sich gegen die eingerostete Obrigkeit und ihre Traditionen, persönliche Freiheit wird ihnen zum höchsten Gut. Dass sie dies zu Feinden macht statt zu Verbündeten, ist die große Tragik ihrer Geschichte. Peake führt beide nicht als Sympathieträger im modernen Sinne, und es ist entlarvend, dass einem ausgerechnet Steerpike in all seiner Verschlagenheit ans Herz wächst: Er ist radikal und gnadenlos, zugleich aber wendet er das verhasste System geschickt gegen sich selbst. Und Steerpike ist es auch, durch dessen Augen wir Gormenghast erstmals kennenlernen - am eindrucksvollsten während seiner Kletterpartie über die Dachlandschaft des Schlosses, als er die verrottenden Strukturen aus der Vogelperspektive betrachtet. Es ist der Blickwinkel des ewigen Rebellen, den Peake hier einnimmt, die Sicht von einem, der glaubt zu durchschauen, was falsch läuft in seiner Gesellschaft. Steerpike und Titus sind Gormenghasts ganz eigene Jugendbewegung, und wir teilen ihre Enttäuschung und ihre Wut, so als wären wir es, die den maroden Mikrokosmos einer ganzen Welt zu unseren Füßen sehen. Kai Meyer, Mai 2010