Zitat
Die Privatdozentin am Katholisch-Theologischen Seminar der Universität Augsburg, Katharina Ceming, nimmt die zentralen Themen in der Bergpredigt Jesu als Grundlage für einen Vergleich mit buddhistischen Lehren und Strömungen auf. Sie will verdeutlichen, wie stark fundamentale Grundsätze beider Glaubenssysteme einander ähneln und sich teilweise gar ergänzen und entsprechen. Das Ziel ist es, die in der Bergpredigt vorhandenen Lehren Jesu durch eine buddhistisch geprägte Lesart aufzuschlüsseln und so ihren andauernden Bezug zur Lebenswirklichkeit des Menschen deutlich zu machen.
Das Buch gliedert sich hierbei in sechs Themenkomplexe, welche noch einmal in Unterabschnitte aufgeteilt sind. Nach einer Einführung in den Kontext, in welchem die Autorin die aktuelle Relevanz des Themas aufgreift, führt sie den Leser anhand von ausgewählten Textstellen sowie wenigen Eigeninterpretationen so in das Thema ein, dass die zentralen Parallelen beider Religionen deutlich werden. Dies sind Heil und Heilwerdung, Lösung von der Ich-Bezogenheit sowie Fremd- und Selbsterlösung. Im Anschluss daran werden diese Aspekte im Kontext der Bergpredigt aufgegriffen und aus der buddhistischen Perspektive neu- beziehungsweise wieder gelesen. Dies geschieht, indem Texte aus den buddhistischen Hauptströmungen des Hinayana und Mahayana zitiert werden, welche auf verwandte oder gar identische Fragestellungen manchmal eine deutlichere Antwort geben als die oftmals kryptisch wirkenden Gleichnisse Jesu. Des Weiteren finden sich verschieden Äußerungen sowohl christlicher als auch buddhistischer Würdenträger zu diesem Komplex in Zitat-Form wieder.
Die Autorin führt die/den Leser/in bedächtig durch das Thema und lässt ihm/ihr die Zeit, Gedankengänge und Meinungen sowohl der Verfasserin als auch der zitierten Persönlichkeiten zu rekapitulieren. Sie hetzt nicht von einem Kapitel zum nächsten, sondern intensiviert die angesprochenen Aspekte und denkt diese zu Ende. Sprachlich bleibt sie souverän und benutzt nur die nötigsten Fremdwörter, so dass der entspannte Stil auch literarisch unterstützt wird.
Inhaltlich bietet das Buch eine komprimierte, aber dafür sehr pointierte Themenauswahl. Man versteht die Argumentationen und kann Zitate dank der hervorragenden Literatur- und Quellenangaben gut recherchieren. Darüber hinaus bietet das Buch am Ende eine kurze Auflistung der verwendeten Fachtermini mit einer kurzen Erläuterung.
Insgesamt stellt das Buch eine sehr gelungene Aufschlüsselung und Verdeutlichung der Intentionen der Bergpredigt durch eine vermeintlich inhaltsferne Religion dar, welche sich jedoch als "Bruder im Geiste" entpuppt.
Damit leistet Katharina Ceming einen an den Grundlagen orientierten weiteren Schritt im interreligiösen, hier speziell im christlich-buddhistischen Dialog.