Einer Bedrohung begegnet der Legionär stets mit dem Gladius in der Hand. Doch in der trügerischen Sicherheit des hunderttürmigen Bosparans muss sich Eiria Punina gegen Gefahren behaupten, die sich nicht mit blankem Stahl bezwingen lassen. Unterdessen lässt die Patrizierin Sahina nichts unversucht, gemeinsam mit ihrer Adoptivtochter das Schwarmartefakt der Legio V zu erringen, und ist bereit, dafür alles zu riskieren, was sie sich mühsam aufgebaut hat. Comites, Patrizier und Händlerdynastien ringen in Bosparan um die Macht - und selbst die Götter fechten dort ihre Schlachten aus. Sie alle kämpfen für ihren Platz in der Geschichte, um nicht im Gewirr von Intrigen und Grausamkeit der Dunklen Zeiten unterzugehen.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
05.09.2026
eBook (ePUB)
"Die Biene ist nichts. Das Volk ist alles." - Bosparans Niedergang – ein episches Spiel um Macht.
Es ist ein seltenes Vergnügen, wenn ein Fantasy-Roman nicht nur mit exotischen Namen und magischen Artefakten aufwartet, sondern mit dem, was die große Literatur seit jeher auszeichnet: mit Charakteren, die unter ihrer Haut brennen. Judith C. Vogt hat mit "Herrin des Schwarms" einen opulenten, düsteren und politisch hochaufgeladenen Roman vorgelegt, der im antiken Bosparan spielt – jener sagenumwobenen Stadt im Rollenspiel-Universum von "Das Schwarze Auge" – und doch so viel mehr ist als bloße Spielwelt-Literatur. Es ist ein Epos über Macht, Verrat und die zerstörerische Kraft von Familienbanden, in dem drei ungleiche Frauen um ihr Schicksal ringen.
Vogt gelingt, was vielen Genre-Autoren versagt bleibt: Sie erschafft eine Welt, die atmet. Die Stadt Bosparan im Jahr 385 v.BF (vor Bosparans Fall) ist nicht nur Kulisse, es ist ein lebendiger Organismus aus Marmor, Dreck, Intrigen und Götterglauben. Man riecht den Staub der Subterranea (Katakomben), hört das Summen der Bienen im geheimen Garten, spürt die Hitze des Olrukeums (Arena). Diese Dichte ist beachtlich – und doch nie erdrückend. Die Autorin versteht es, ihre ausufernde Welt in den Dienst der Handlung zu stellen, ohne dass der Leser in Anhängen und Glossaren ertrinkt. Ein Kunststück, das manche ihrer Kollegen nicht so souverän beherrschen.
Die Stärke des Romans liegt jedoch in seinen Figuren. Sahina, die kalte Patriziermutter und heimliche Zauberpriesterin der Alhanier; Mokada, ihre Adoptivtochter, die aus der Sklavin zur Erbin einer uralten Bestimmung reift; und Eiria Punina, die abgebrühte Legionärin, die zwischen den Fronten der Mächtigen zerrieben wird. Drei Frauen, drei Welten, drei Schicksale – und Vogt webt sie mit einer beinahe schon altmeisterlichen Geduld zu einem komplexen Geflecht. Besonders beeindruckt hat mich, wie die Autorin ihre Protagonistinnen nicht als strahlende Heldinnen, sondern als moralisch zerrissene, fehlbare Wesen zeigt. Jede von ihnen treibt ihre eigenen, oft widerstreitenden Ziele – und jede zahlt einen hohen Preis für ihre Entscheidungen. Die Liebe einer Mutter zur Tochter wird hier nicht verklärt, sondern als schmerzhafte, opferbereite und zugleich zerstörerische Kraft gezeigt. Und die scheinbar einfache Soldatin, die nur überleben will, verstrickt sich in einem Netz aus Zwängen und falschen Loyalitäten – ihr innerer Zerfall ist so greifbar, dass es wehtut.
Die Handlung ist ein einziges Spannungsgefüge aus parallelen Strängen: Die politischen Intrigen um den Thron Bosparans, der Familienkonflikt der Veneter, die mystischen Kämpfe um die "Schwarmseele" – ein Artefakt von schicksalhafter Bedeutung. Vogt wechselt souverän zwischen den Perspektiven, treibt die Handlung voran, ohne ihre Figuren zu vernachlässigen. Ja, es gibt Momente, in denen die zahlreichen Nebenfiguren und Verwicklungen fordern – doch wer sich darauf einlässt, wird belohnt mit einem Roman, der sich wie ein gut geölter Staatsstreich zusammenfügt.
Ein besonderer Glanzpunkt ist die düstere, beinahe zynische Grundierung. Hier wird nicht gekämpft, weil es der Plot verlangt, sondern weil Macht nun einmal das ist: ein blutiges Geschäft. Die Sex- und Gewaltszenen sind nicht voyeuristisch, sondern notwendig – sie zeigen, dass es in Bosparan weder um Liebe noch um Ehre geht, sondern ums Überleben. Und doch gönnt Vogt ihren Figuren und uns Lesern Augenblicke der Poesie: eine stumme Zärtlichkeit zwischen zwei Liebenden, die nicht sein darf, eine Mutter, die bis zum Äußersten geht, eine Kämpferin, die sich einem übermächtigen Feind stellt. Diese Szenen bleiben im Kopf.
Meine Lieblingsszene: eine Mutter, die in einem einzigartigen, göttlichen Wunder für ihre Tochter opfert – ein Bild von solcher Wucht und Traurigkeit, dass es mich nicht mehr losgelassen hat..
Der Schreibstil ist angenehm flüssig, nie angestrengt. Vogts Sprache ist bildhaft, ohne zu schwülsten, präzise, ohne zu karg zu sein. Man fliegt durch die 326 Seiten, weil die Autorin versteht, was viele vergessen: dass Lesen ein sinnliches Vergnügen sein muss.
Eine Verfilmung? Unbedingt. Allerdings nicht als Film, sondern als mehrteilige Serie (zusammen mit dem ersten Teil, "Herr der Legionen") – real, düster, mit dem Budget einer Game of Thrones-Produktion. Die Vielzahl der Charaktere, die parallelen Handlungsstränge, die opulenten Kulissen Bosparans – das verlangt geradezu nach einer Staffel, nicht nach einem Film. Einige Kürzungen wären nötig, aber das Gerüst trägt. Und die Kostümbildner würden sich freuen.
"Herrin des Schwarms" ist kein Buch für nebenbei. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf eine düstere, vielschichtige Welt einzulassen. Aber wer sich darauf einlässt, wird belohnt mit einem der besten Fantasy-Romane der letzten Jahre – klug, böse, tragisch und von einer seltenen emotionalen Tiefe.
Von mir gibt es 5 (aufgerundet von 4,5) von 5 Sternen
Ein halber Punkt Abzug – und das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau – für die manchmal überfordernde Figurenvielfalt und den abrupten Perspektivwechsel, der vor allem in der ersten Hälfte des Romans den Lesefluss kurz stocken lässt. Nicht jeder wird sich sofort in dieser dichten, von Namen und Rängen gesättigten Welt zurechtfinden. Auch die Handlungsstränge brauchen ihre Zeit, bis sie sich verflechten – ein kleines Geduldsspiel für Leser, die sofortige Befriedigung suchen.
Dennoch: Die Charakterzeichnung ist außergewöhnlich, die Spannungskurve steigt stetig, und das Ende ist nicht nur konsequent, sondern auch emotional verheerend und hoffnungsvoll zugleich. Vogt zeigt, dass Fantasy mehr kann als flache Gut-Böse-Schemata. Sie hat mich bestens unterhalten, zum Nachdenken gebracht und mit einer großartigen Lieblingsszene beschenkt.
Dafür gibt es meine uneingeschränkte Empfehlung. "Odi et amo – Ich hasse und ich liebe." Nein... mehr Liebe.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.