Meine letzte RezensionFast Abend, immer noch hellvon Linea Maja Ernst
Sechs Freunde aus Unizeiten, sechs Leben, die in verschiedene Richtungen auseinander getrieben sind, eine Woche im Waldhaus, die alle wieder zusammenholt. Unerfüllte Sehnsüchte treffen auf Unsicherheiten im eigenen Leben, auf die unverständlichen Lebensweisen der anderen.
Grundsätzlich ein tolles Konzept, die Charaktere, auch wenn nicht unbedingt alle sympathisch, fand ich alle gut geschrieben. Ich habe doch irgendwie mit allen ein wenig mitgefiebert, die Standpunkte, wenn auch oft grundverschieden irgendwo verstanden.
Tja, und dann haben die letzten vierzig Seiten sich nur mehr mit zwei von sechs beschäftigt, der eine erfüllt seine Träume, die andere nicht, alle anderen bleiben irgendwie in der Luft hängen. Vielleicht so gewollt, möglicherweise soll es zum Nachdenken anregen, mir war das alles ein wenig zu abrupt und kantig, vor allem weil die letzten Ereignisse nochmal einige Türen aufstoßen, die große Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Da lernt man das ganze Buch alle kennen, ihre inneren Monologe, ihre Träume und Ziele, ihre Unsicherheiten und Sehnsüchte, und bam - aus, danke, vorbei, von denen reden wir nicht mehr. Das hat mich ein wenig enttäuscht, vor allem weil die Autorin bis dahin nicht davor zurückgeschreckt ist, viele Facetten gesellschaftlicher Themen anzugreifen und zu beleuchten, die in den jeweiligen Charakteren eine Heimat gefunden haben, am Schluss aber nur zwei Personen wirklich einen fertig gespannten Bogen bekommen.
Das hat mich ein wenig enttäuscht und irritiert, bis dahin war ich aber tatsächlich gut unterhalten und auch zum Nachdenken angeregt, die inneren und äußeren Welten der Personen waren unheimlich interessant im Zusammenspiel miteinander zu lesen. Auch der queere Aspekt, den man sonst in wenig Literatur so findet hat mich nochmal abgeholt, die Unterschiede zwischen tatsächlicher Identität, Vorurteilen und den eigenen Unsicherheiten war meiner Meinung nach sehr gut dargestellt.
Alles in allem kommt das Buch immer noch auf die positive Liste, ich war vom Schreibstil und den generellen Themen noch begeistert genug, um über den Schluss (mehr oder weniger) hinwegsehen zu können.