Meine letzte RezensionWas ich von ihr weißvon Jean-Baptiste Andrea
Ich habe es sehr genossen, Mimo, Viola und all die faszinierenden und facettenreichen Charaktere um sie herum kennenzulernen. Zu keinem Zeitpunkt dominiert ein Thema des Romans die anderen. Ich empfand den Schreibstil als poetisch und zugleich subtil ausgewogen. Die Tatsache, dass Mimo an einer genetischen Fehlbildung leidet, dass Viola für die damalige Zeit (ca. 1910–1980) kein typisches Frauenbild darstellt, dass Kirche und Faschismus einen sozialen und wirtschaftlichen Krieg führen oder dass Mimo ein genialer Bildhauer ist – all das fügt sich so harmonisch zusammen, dass ich mich keine Sekunde gelangweilt habe. Diese Themen könnten durchaus Stoff für eigene Romane bieten, bleiben hier aber im Rahmen der Erzählung.
Mimos sozialer und akademischer Aufstieg hängt von Viola ab, die sich der sozialen Ungleichheiten, die durch die politische Macht ihrer Familie noch verschärft werden, sehr bewusst ist, diese aber mit viel Humor aufs Korn nimmt. Sie lehrt Mimo viel, und er erwidert ihre Liebe und Unterstützung, die ihre tiefe Verbundenheit stärkt. Besonders gefallen hat mir, dass sie „Ich liebe dich“ sagten, ohne jemals eine romantische Beziehung anzudeuten.
Es ist ein fesselnder und mitreißender Roman. Manchmal schwierig, aber ehrlich, mitfühlend und selbstreflektiert. Ein Teil von mir lebte während des Lesens in Pietra d’Alba, und ich werde es nicht vergessen. Zugegeben, die Schilderungen der etwas esoterischen Reaktionen auf Mimos Statue wirken etwas überflüssig, ebenso wie der Vergleich von Viola mit Christus – aber sie passen in den Kontext, und das gebe ich zu.
Ich freue mich, dass das Buch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Es ist eine so schöne Geschichte der Selbstfindung.