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Patrick Chamoiseau

Patrick Chamoiseau, geboren 1953 auf Martinique, studierte
in Frankreich Recht und Sozialwirtschaft und arbeitete
zunächst als Sozialarbeiter. Er zählt zu den wichtigsten
Schriftstellern der Karibik. In seinen zahlreichen Texten
beschäftigt er sich hauptsächlich mit der kreolischen Kultur
und seiner Herkunftsinsel Martinique. Für seinen Roman
Texaco erhielt er 1992 den Prix Goncourt, den wichtigsten
Literaturpreis Frankreichs. Sein Roman Die Spur des Anderen
(Wunderhorn 2014) kam 2015 auf die Shortlist des Internationalen
Literaturpreises des Haus der Kulturen der Welt..
Beate Thill, geboren 1952 in Baden-Baden, studierte Anglistik
und Geographie. Seit 1983 arbeitet sie als literarische
Übersetzerin der Sprachen Englisch und Französisch, mit
dem Schwerpunkt Literatur aus »dem Süden«, v.a. aus Afrika
und der Karibik.

Migranten von Patrick Chamoiseau

Neuerscheinung

Migranten
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Patrick Chamoiseau anwortet mit seinem Essay auf
das Ohnmachtsgefühl zweier Künstlerinnen: Hind
(Meddeb) ist Filmemacherin, sie hat die Räumung des
»Dschungels« in Calais dokumentiert und die Zerstörung
des Lagers von Geflüchteten an der Metrostation
Stalingrad im Zentrum von Paris gefilmt; und Jane,
eine junge Schriftstellerin, die von ihren Eindrücken
berichtet, wenn sie die Geflüchteten mit einem
Frühstück versorgt.
Die Hypnose in den westlichen Ländern besagt, wir
bräuchten unseren Frieden, »die Ruhe der Zivilisierten
«, und diese werde von den Migranten gestört, sie
seien Eindringlinge wie einst die Barbaren im antiken
Griechenland. Chamoiseau sieht jedoch die Barbarei
im Inneren der westlichen Gesellschaften, die dem
neoliberalen kapitalistischen System hörig sind. Unter
der Herrschaft des Maximalprofits verlieren alle, bis
auf einige wenige. Dabei wurde der Reichtum des
Westens von allen erbracht, nicht zuletzt von den
Menschen in den Kolonien, aber auch über Generationen
von den Arbeitnehmern. Dieser Reichtum steht
daher allen zu. Die kulturelle, menschliche Seite der
Globalisierung ist die »Mondialität«, das Bewusstsein,
dass die Welt eins ist. Die Migranten zeigen auf, dass
den großen Gewinnern diese Welt nicht gehört.
Chamoiseau beschreibt die vitale Kraft der Migranten,
ihre Vision zu leben – »etwas Besseres als den Tod
findest du überall«, wie es im Märchen heißt. Es gibt
kein Leben ohne Bewegung, keine Vitalität ohne
Wanderschaft. »Die neoliberale Barbarei hat auf ihre
eigene Weise die Welt verriegelt, es wäre völlig
verfehlt zu glauben, dass dieser Riegel uns schützt.«

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